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28.4.2010

Eklat bei Diskussion der Berliner Jüdischen Gemeinde

Deutsche Medien und Israel

Eine Podiumsdiskussion der Berliner Jüdischen Gemeinde über den Umgang deutscher Medien mit Israel und Antisemitismus hat am Dienstagabend zu einem Eklat geführt. Im Mittelpunkt stand ein israel-kritischer Artikel in der „tageszeitung“ und ein Sprechverbot für die Autorin auf dem Podium.

Links
  • "Pilgerfahrt nach Auschwitz" von Iris Hefets in der tageszeitung
  • Jüdische Gemeinde zu Berlin

Nach dem Grußwort der Gemeindevorsitzenden Lala Süsskind forderte die Gruppe „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ lautstark und mit kleinen Plakaten, die umstrittene Autorin Iris Hefets solle auf dem Podium gehört werden. Nachdem die Veranstalter dies ablehnten, verließ die als Diskussionsgast eingeladene Chefredakteurin der Berliner „tageszeitung“ Ines Pohl das Podium.

Unterdessen verteidigte Chefredakteurin Pohl das Verlassen der Diskussion. „Der Ton der Veranstaltung wurde bereits durch das Grußwort bestimmt, es wurde schnell polemisch“, sagte Pohl am Mittwoch dem epd in Berlin. „Ich wurde als Nazi-Sau beschimpft und bespuckt.“

„Evangelium von Auschwitz“
Hefets' Artikel war Anfang März in der „tageszeitung“ erschienen und Anlass für die Diskussionsveranstaltung. Darin nennt die in Israel geborene Autorin das in ihrem Heimatland übliche Gedenken an den Holocaust ein „Evangelium von Auschwitz“ und behauptet, Israel instrumentalisiere diesen „Schoah-Kult“ zur Legitimierung einer menschenrechtsfeindlichen Politik.

„Dass Iris Hefets jetzt so in den Mittelpunkt der Veranstaltung gestellt wurde, war gegen die Absprache“, sagte Pohl. Sie hätte sehr gern über das Thema Antisemitismus diskutiert und danke nochmals für die Einladung. „Ich halte es aber für ein zutiefst antidemokratisches Verhalten, eine Einzelperson wie die Autorin so hart anzugreifen.“

Die Anschuldigung des „Welt“-Herausgebers Thomas Schmid, das Ganze sei eine Inszenierung gewesen, wies Pohl zurück: „Ich verwahre mich gegen den Vorwurf der Inszenierung eines Eklats: Ich bin Journalistin und keine Aktivistin.“
Auch taz-interne Kritik
Schmid, der ebenfalls auf dem Podium saß, hatte Pohls Verhalten scharf kritisiert. Die Veranstalter hätten das Recht zu bestimmen, wer bei ihnen diskutiert. Neben Pohl und Schmid saßen noch „Tagesspiegel“-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff und Thierry Chervel, Mitbegründer und Chefredakteur des Onlinemagazins „Perlentaucher“, auf dem Podium.

An dem Text von Hefets gibt es auch „taz“-interne Kritik.
Redaktionsmitglieder sagten dem epd, es habe „begriffliche Unschärfen“ gegeben und dass der „Krawall-Gestus des Textes der Sache nicht gut getan“ habe. Die Redaktion stehe jedoch geschlossen zur Chefredakteurin. „Wir sind bestürzt, dass die Situation eskaliert ist, und ein Dissens mit der Jüdischen Gemeinde ist bestimmt nicht in unserem Sinn“, sagte ein Redaktionsmitglied. An diesem Donnerstag will die „tageszeitung“ über den Eklat rein nachrichtlich berichten.



(epd)

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