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Gary Lukas Albrecht


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15.12.2009

Russisch-Orthodoxe wollen Bischöfin Käßmann Margot boykottieren

Schlagabtausch zwischen Moskau und Hannover

Die Krise in den Beziehungen zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der russisch-orthodoxen Kirche spitzt sich zu. Es droht die gegenseitige Blockade des einst engen Dialogs beider Kirchen. Der Moskauer Patriarch Kyrill I. will nicht mit der neuen EKD-Ratsvorsitzenden, der Hannoveraner Landesbischöfin Margot Käßmann, reden.

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Nicht einmal auf einen an ihn adressierten Brief Käßmanns antwortete der Patriarch persönlich, sondern überließ dies dem Außenamtschef des Patriarchats, Erzbischof Hilarion. Die Russisch-Orthodoxen stoßen sich daran, dass die Spitzenrepräsentantin der Protestanten eine Frau ist. Die Orthodoxen lehnen die Frauenordination ab.

Die EKD will sich die Abfuhr von Moskau nicht bieten lassen.
Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Präses der EKD-Synode, wörtlich: „An der Ratsvorsitzenden Käßmann vorbei wird es keinen offiziellen Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche geben.“ Die Ratsvorsitzende schloss zuvor bereits formelle Kirchenkontakte ohne sie aus. Doch genau einen bilateralen Kontakt ohne Käßmann will die Spitze des Moskauer Patriarchats.

Die Krise solle nicht aufgebauscht werden
„Wir wollen den Dialog nicht abbrechen, sondern ihn ausbauen“, sagte Hilarion, die Nummer zwei der russischen Orthodoxie, dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. „Zusammenkünfte zwischen unserem Patriarchen und dem Ratsvorsitzenden der EKD“ seien jedoch „künftig
unmöglich: Der Patriarch kann sich mit keiner Bischöfin treffen.“ Das sei keine Frage des Geschlechts, sondern des Blicks auf die christliche Tradition. Frauen könnten nicht in der Nachfolge der Apostel stehen.

Die EKD lehnt Vorbedingungen für die Fortsetzung des Dialogs ab. Ihr Sprecher Reinhard Mawick sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): „Wir lassen uns nicht diktieren, wer von uns an den Treffen teilnimmt. Das geht nicht.“ Zugleich wies er darauf hin, dass Anfang Dezember in Halle ein Treffen von evangelischen und russisch-orthodoxen Theologen stattgefunden habe. Sein Tenor: Die Krise solle nicht aufgebauscht werden.

Seit 50 Jahren in Kontakt
Die EKD hatte 1959 mit dem Moskauer Patriarchat als erster orthodoxer Kirche einen bilateralen Dialog begonnen - im Zeichen der deutsch-russischen Aussöhnung. Es sei auch in manch schwieriger ökumenischer Situation ein gegenseitiges verlässliches Vertrauen gewachsen, hieß es 2008 beim bislang letzten bilateralen Theologischen Dialog beider Kirchen. Für 2011 ist das nächste Spitzentreffen geplant.

Bereits im November hatte Hilarion laut russischer Presse wegen Käßmanns Wahl an die EKD-Spitze die Aussetzung des theologischen Dialogs angekündigt. Käßmann und der EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte brachten darauf in einem Brief an Kyrill I. „großes Unverständnis“ zum Ausdruck. Beide nannten die Äußerungen aus Moskau „unangemessen“.

Treffen mit „meinem Gegenüber“
Auf den EKD-Brief antwortete aber nicht Kyrill I. selbst, sondern Hilarion. Nur halbherzig versucht er die Wogen zu glätten. Eher liest sich das Schreiben wie eine Rechtfertigung des harten Kurses. Die Wahl einer Frau an die EKD-Spitze werfe die grundsätzliche Frage auf, ob die bisherige Form der zwischenkirchlichen Kontakte aufrecht erhalten werden könne, schreibt der Außenamtschef. Das Patriarchat frage sich nach dem Sinn des Dialogs, weil die EKD trotz der langjährigen Kontakte einen Weg gehe, „der die Unterschiede zwischen unseren Traditionen dramatisch vergrößert“, so Hilarion.

Positiv für die EKD ist jedoch, dass der Erzbischof das Interesse an einer Fortsetzung des bilateralen Dialogs betont. Zugleich bietet er an, die neu entstandene Situation bei einem Deutschland-Besuch im kommenden Frühjahr zu erörtern. Allerdings schränkt er im „Spiegel“ ein, er denke an ein Treffen mit „meinem Gegenüber“, EKD-Auslandsbischof Schindehütte - folglich nicht mit Käßmann.

Der Ständige Vertreter des Moskauer Patriarchats in Deutschland, Erzbischof Longin, beschwichtigt. Hilarion wolle am Ökumenischen Kirchentag im Mai in München teilnehmen, sagte er der KNA. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Hilarion dann auch mit Käßmann zusammentreffe. Im Übrigen habe er Anfang Dezember bei einem Berliner EKD-Empfang ein sehr freundliches Gespräch mit Käßmann geführt, so Longin.

(Oliver Hinz / kna)

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