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Hans-Bernd Serries Samstag,
4. Februar
Mk 6,30-34

Hans-Bernd Serries


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23.7.2009

Zypries will gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption ermöglichen - Für Kirche und Union ausgeschlossen

Papa, Papa, Kind?

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will gleichgeschlechtlichen Partnern die Adoption von Kindern ermöglichen. Das Familienbild und die Lebenswirklichkeit hätten sich geändert, dem müsse auch der Gesetzgeber Rechnung tragen, sagte die Ministerin in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zu Kindern in „Regenbogenfamilien“. Gleichgeschlechtliche Paare seien wie alle anderen als Adoptiveltern geeignet. Die katholische Kirche wendet sich vehement gegen die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare.

Bild
  • Kirche: Kinderglück nur für Heterosexuelle

    Kirche: Kinderglück nur für Heterosexuelle (©mis)

Audio Beitrag
  • Ein Interview mit Karl Schiewerling (MdB, Landesvorsitzender Kolping NRW): Es gibt kein Recht auf ein Kind (24.7.2009)
  • Ein Interview mit Klaus-Peter Völlmecke (Abteilungsleiter pädagogische und soziale Dienste des Stadtjugendamts Köln): Zusätzliche Belastung für das Kind (23.7.2009)
  • "Adoption" - Beratungs-Sendung zum Nachhören (23.7.2009)
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  • Hintergrund - Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare (23.7.2009)
Links
  • "Familie ist dort, wo Kinder sind" - Zypries stellt Forschungsprojekt vor
  • Deutschlandfunk-Interview mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
  • Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zur Veröffentlichung der "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen" durch die Kongregation für die Glaubenslehre in Rom

Nach Schätzungen leben rund 16.000 Kinder in Deutschland bei gleichgeschlechtlichen Paaren, die große Mehrheit davon bei lesbischen Frauen. 2.200 dieser Kinder leben bei eingetragenen Lebenspartnerschaften.

Bislang können homosexuelle Paare das kleine Sorgerecht übernehmen oder eine Stiefkindadoption beantragen, falls es sich bei dem Kind um einen leiblichen Nachkommen eines der beiden Partner handelt.

Die Ministerin stellte eine Studie vor, der zufolge bundesweit rund 2.200 Kinder in eingetragenen Lebenspartnerschaften aufwachsen. Wissenschaftler am Staatsinstitut für Familienforschung der Universität Bamberg befragten hierfür 693 Eltern und 95 Kinder aus solchen Beziehungen.

Nur die Liebe zählt?
Nach Angaben der Leiterin des Projekts, Marina Rupp, wirkte es sich auf die psychische Entwicklung der Kinder nicht aus, ob sie bei hetero- oder homosexuellen Paaren aufwuchsen. Die bei schwulen und lesbischen Paaren aufwachsenden Jugendlichen bildeten ihre jeweilige Geschlechterrolle sogar etwas klarer heraus als ihre übrigen Altersgenossen. Maßgeblich sei eine gute Eltern-Kind Beziehung, unabhängig vom Geschlecht der Eltern.

Nach Rupps Angaben umfassen „Regenbogenfamilien“ in Deutschland häufig nur ein Kind und haben oft ein überdurchschnittliches Bildungsniveau. In 94 Prozent der Fälle handele es sich dabei um lesbische Paare. Bei 47 Prozent stammten die Kinder aus früheren Partnerschaften und bei 45 Prozent aus künstlicher Befruchtung. Drei Viertel der Lebenspartner oder Lebenspartnerinnen übernähmen das kleine Sorgerecht. Bei der Hälfte der Kinder aus aktuellen Beziehungen liege eine Stiefkindadoption vor.

Zypries forderte die Bundesregierung auf, das Europäische Adoptionsübereinkommen in Kraft zu setzen, das liberalere Regeln vorsieht. Von den 47 Mitgliedstaaten des Europarates haben nach Angaben von Zypries bislang lediglich elf das Adoptionsübereinkommen gezeichnet. Ratifiziert und in Kraft gesetzt ist es noch in keinem Land. Zypries machte sich zudem für eine weitere Gleichstellung von homosexuellen Paaren im Steuerrecht stark.

Unionsparteien erneuern Ablehnung
Umgehend erneuerten Unions-Politiker ihre Ablehnung. „Ich glaube, dass es bei aller Toleranz für gleichgeschlechtliche Beziehungen für Kinder besser ist, wenn sie bei Mann und Frau aufwachsen“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk. Auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach zeigte sich skeptisch. „Kinder sind am besten aufgehoben bei Mann und Frau. Eine völlige Gleichstellung möchten wir nicht.“ Das Familienministerium behielt sich vor, die Studie zunächst zu analysieren.

Auch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) lehnt die Pläne von Zypries. Ziel von Adoptionen sei es, für Kinder eine optimale Familie zu finden und nicht umgekehrt. „Die Einschätzung des Gesetzgebers, wonach Ehepaarfamilien am besten solche optimalen Bedingungen gewährleisten können, halte ich nach wie vor im Sinne des Kindeswohls für angemessen und richtig“, sagte die CSU-Politikerin Haderthauer der „Passauer Neuen Presse“.

Für den CDU-Politiker Volker Kauder wäre ein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben nicht mit dem christlichen Menschenbild seiner Partei vereinbar. „Es geht bei diesem Vorschlag allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder„, sagte Kauder. „Volles Adoptionsrecht für Schwule und Lesben widerspricht den Interessen von Kindern. Das bestätigen Kinderpsychologen und Kindertherapeuten, die vor einer solchen Entwicklung warnen.“  

Die Vizevorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, begrüßte Zypries' Forderungen nach einem gemeinsamen Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Dies sei „Ausdruck der Lebensrealität in unserer Gesellschaft“.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland teilte mit, die Ergebnisse der Studie seien nicht anders zu erwarten gewesen. Jetzt müsse der Gesetzgeber schnell entsprechend handeln.

Kirche: Kindeswohl das oberste zu schützende Interesse
Die katholische Kirche hat sich wiederholt gegen eine gesetzliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften und gegen ihre rechtliche Gleichstellung mit der Ehe ausgesprochen. So wendet sich die Glaubenskongregation mit scharfen Worten insbesondere gegen die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare und betont nachdrücklich, dass in jedem Fall das Kindeswohl das oberste zu schützende Interesse darstelle.

In den „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der
Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen
“ durch die Kongregation für die Glaubenslehre in Rom aus dem Jahre 2003 wird klargestellt: „Gesetze, die eine Analogie zwischen der Ehe und homosexuellen Lebenspartnerschaften herstellen, verdunkeln den Wert der Ehe für das persönliche und gesellschaftliche Leben und untergraben so die Fundamente der gesellschaftlichen Ordnung.“ Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeute faktisch, „diesen Kindern Gewalt anzutun in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist“. Eine solche Vorgangsweise wäre, so das Vatikan-Papier „gewiss schwerwiegend unsittlich und würde offen einem Grundsatz widersprechen, der auch von der internationalen Konvention der UNO über die Rechte der Kinder anerkannt ist.“ Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßte diese Klarstellung.

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckhardt argumentiert dagegen, ein volles Adoptionsrecht für Schwule und Lesben diene den Kindern. Diese bräuchten „auch die Rechtssicherheit im Unterhalts- und Erbrecht, die ihnen bisher verwehrt ist„, schrieb Göring-Eckardt im Juni in der „taz“. „Schließlich übernehmen beide Elternteile Verantwortung und sorgen für sie.„ Die „Homoehe“, die eingetragene Lebenspartnerschaft, wurde vor rund zehn Jahren beschlossen, als die rot-grüne Koalition regierte.

(dr,epd,ddp,kna)

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