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26.3.2009

Ministerin Schavan enthüllt Edith-Stein-Büste in Berlin

„Wegweiser aus der Vergangenheit in die Zukunft“

Eine ganz eigene „Straße der Erinnerung“ ist in den vergangenen Jahren am Berliner Spree-Ufer entstanden. Bronzebüsten weisen dort deutsche wie ausländische Gäste der Hauptstadt darauf hin, dass es „jenseits der NS-Diktatur ein Deutschland gab, das Achtung und Respekt verdient“. Das ist das Anliegen der „Ernst-Freiberger-Stiftung“, die die ungewöhnliche Galerie im Spree-Bogen aufbaut. Seit gestern gibt es auch eine Edith-Stein-Statue.

Bild
  • Die Edith-Stein-Büste von Bert Gerresheim

    Die Edith-Stein-Büste von Bert Gerresheim

Audio Beitrag
  • Prälat Erich Läufer zu Edith Stein (9.8.2007)
  • Edith Stein - Gedanken zur Berufung, Fasten- und Osterzeit (28.6.2006)
  • Kardinal Meisner zu Edith Stein (anl. der Einweihung der Edith-Stein-Statue in Rom) (9.8.2007)
  • Edith Stein-Biographie (9.8.2007)
Links
  • Ernst-Freiberger-Stiftung

Insgesamt zwölf Bronzebüsten sollen künftig auf Persönlichkeiten hinweisen, die sich durch herausragende wissenschaftliche Leistungen, besondere Beiträge zur künstlerischen Kultur oder mutigen zivilen Ungehorsam gegenüber staatlicher Willkür hervorgetan haben.

Am Mittwoch weihte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) die siebte Büste ein. Sie gilt dem Andenken der jüdischstämmigen Philosophin und katholischen Ordensfrau Edith Stein. Die Bronzeplastik stammt aus der Hand des Düsseldorfer Bildhauers Bert Gerresheim. Er schuf bereits ein Edith-Stein-Denkmal in Köln.

Die Bronzebüste erinnere an das Werk Edith Steins „und ihren bis in den Tod konsequent gelebten Glauben“, sagte Schavan. Zugleich sei es Mahnmal an den Holocaust, dem auch Edith Stein zum Opfer fiel. Die Nazis hatten die 1891 in Breslau geborene Tochter aus jüdischem Elternhaus 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

„Unbeirrbare Wahrheitssuche“
Schavan würdigte als Theologin zugleich die unbeirrbare Wahrheitssuche der Schülerin des Philosophen Edmund Husserl, die 1922 zum Katholizimus konvertierte und 1933 in das Kölner Karmeliterinnenkloster eintrat. Papst Johannes Paul II. sprach sie 1998 heilig.

Für Schavan dienen Erinnerungsorte wie diese nicht zuletzt dazu, das tiefe menschliche Zeugnis der von den Nazis Verfolgten und Ermordeten an die kommenden Generationen weiterzugeben - zumal in einer Zeit, in der die Zeitzeugen immer weniger werden. Die Geschichte dürfe nicht zum Museum werden. „Denkmale wie diese sind Wegweiser aus unserer Vergangenheit in die Zukunft“, so die Ministerin. „Wer Aufzeichnungen von Überlebenden, von Hannah Arendt oder Victor Klemperer liest und sich von ihnen anrühren lässt, schärft das eigene Gewissen.“

Das gelte auch für die Sonette von Albrecht Haushofer, Geograf, Dichter und Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, betonte Schavan. Er war in dem nur wenige hundert Meter vom Spreebogen entfernten Gefängnis Moabit inhaftiert. Ihm widmete die Stiftung das erste Denkmal. Weitere Büsten erinnern an Konrad Zuse, der mit seiner ersten programmgesteuerten Rechenmaschine zwischen 1934 und 1941 die Grundlagen für die heutigen Computer schuf.

Ferner säumt die kleine „Straße der Erinnerung“ Büsten des deutschen Außenministers nach dem Ersten Weltkrieg, Walther Rathenau, des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann und des weltberühmten Architekten Mies van der Rohe. Im vergangenen Jahr hatte Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Statue des Widerstandskämpfers und Hitler-Attentäters Georg Elser enthüllt.

Die Denkmäler werden jeweils von wissenschaftlichen Untersuchungen begleitet. Diesmal verfassten der evangelische Theologe Wolfdietrich von Kloeden und die Dresdner Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz mit Unterstützung der Stiftung das im be.bra-Verlag erschienene Werk „Edith Stein“. Schavan überreichte es dem Unternehmer und Stiftungsgründer Freiberger. Die Galerie befindet sich auf dem Gelände der alten Bolle-Meierei, in der Freiberger 1976 sein erstes Unternehmen gegründet hatte.

(Christoph Scholz / kna)

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