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Nachrichten-Ticker

26.8.2008

Barinos Suche nach Gott

Wie ein Islamist zum Christentum findet

Ein beunruhigender Film sorgte vor einem Jahr für Aufsehen: Er dokumentierte den Weg eines jungen Deutschen in den islamischen Fundamentalismus. Seinen Weg zurück dokumentiert nun abermals eine Reportage.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens war Barino, Sohn einer Lehrerin und eines christlich-koptischen Computerfachmanns, in der Gemeinde der Abu-Bakr-Moschee in Köln gelandet. Er wurde Moslem und radikalisierte sich mehr und mehr.  Barino wurde ein Fundamentalist. Sätze wie „Dass für Allah zu sterben das Größte ist, was einem Mensch passieren kann, darüber besteht kein Zweifel“, gingen ihm leicht über die Lippen.

Kaum vorstellbar, dass aus einer solchen Position heraus eine Umkehr möglich ist. Doch Barino hat den Weg zurückgefunden, und der Kölner Journalist Antonio Cascais drehte zum zweiten Mal mit dem jungen Mann. „Menschen hautnah: Koran im Kopf II - Barinos Ausstieg“ zeigt am Mittwoch um 22.30 Uhr im WDR die Wandlung des Studenten.

Post von der Staatsanwaltschaft
Nach der Ausstrahlung des ersten Films bekam der bekennerfreudige junge Mann Post von der Staatsanwaltschaft. Man ermittelte gegen ihn, unter anderem wegen Volksverhetzung. Er wurde vorgeladen, und seine Mutter hoffte im Stillen, dass dieser Druck zu Denkanstößen bei ihrem Sohn führen würde. Außerdem meldeten sich bekannte Persönlichkeiten wie der in Köln lebende Ralph Giordano bei Barino.

Pater Tawadros von der koptischen Gemeinde in Düsseldorf lud ihn zum Gespräch ein. Ein Dialog begann, in dem Menschen aus dem demokratisch-jüdisch-christlichen Kulturkreis dem Gottsuchenden gegenüber ihre Überzeugung offensiv vertraten und verteidigten.

Barino, der Arabisch gelernt und fast alle Schriften des Propheten gelesen hatte, wurde nachdenklich. Außerdem fühlte er sich, nachdem er alles gründlich studiert hatte, plötzlich wie in einem geistigen Gefängnis. Der Film, so sagt er heute, habe den Prozess des Nachdenkens beschleunigt, in dem er sich bereits befunden habe.

Inzwischen getauft
„Jesus gibt uns kein formales System von 'Erlaubt - Verboten' an die Hand, sondern den Grundsatz: Tue es mit Liebe. Nachdem ich die Lehre Jesu und die Lehre Mohammeds verstand, fand ich die Wahrheit in der Liebe, nicht in einem formalen System“, erklärt Barino. Schließlich tat er den entscheidenden Schritt und entschied, sich vom Islam abzuwenden.

Das aber ist eine lebensgefährliche Entscheidung. In den heiligen Schriften des Islam steht: „Das Blut eines Muslim darf nicht vergossen werden außer in einem der drei Fälle: Im Fall der Vergeltung für Mord, im Fall des Ehebruchs und wenn derjenige vom muslimischen Glauben abfällt.“ Noch mutiger aber ist es, sich dazu öffentlich zu bekennen. In der Moschee gab man ihm deutlich zu verstehen, dass er mit Bestrafung rechnen müsse, wenn er öffentlich seinen Austritt erklärt. Vor der Kamera erklärt der junge Mann, der sich mittlerweile als Student der Wirtschaftsinformatik eingeschrieben hat, warum ihn die Drohungen nicht von seinem Schritt abhalten.

Unterstützt wird Barino von der koptischen-orthodoxen Gemeinde in Düsseldorf. Er lernte das Gemeindeleben dort schätzen.   Mittlerweile hat er, der als Kind nicht getauft wurde, die Taufe empfangen und ist Mitglied der Kirche geworden, in die sein Vater hineingeboren wurde. Noch deutlicher als der erste Film zeigt der Bericht, dass das Abdriften junger Menschen in den Fundamentalismus sehr viel zu tun hat mit der von ihnen empfundenen Beliebigkeit innerhalb der Gesellschaft.

Hinweis: „Menschen hautnah: Koran im Kopf II - Barinos Ausstieg“. Film von Antono Cascais. WDR-Fernsehen, Mi 27.8., 22.30 Uhr - 23.15 Uhr.
(Monika Herrmann-Schiel / kna)


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