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Nachrichten-Ticker

11.7.2007

„Keine abschließende Endstation“

Papst betont Einzigartigkeit der katholischen Kirche - Protestanten protestieren - Lehmann beschwichtigt

Der Papst hat die katholische Lehrmeinung bekräftigt, dass die Kirche Christi allein in der katholischen Kirche vollständig verwirklicht sei. Das geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Kommentar zu einem von Benedikt XVI. gebilligten Dokument der Glaubenskongregation hervor. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat dies als brüskierend für die Ökumene kritisiert. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, versucht zu beschwichtigen: Die katholische Kirche erblicke in „den anderen christlichen Glaubensgemeinschaften eine wirkliche Anteilnahme am Kirchesein“.

In dem Kommentar heißt es ferner, auch die von Rom getrennten christlichen Gemeinschaften hätten „wirklich kirchlichen Charakter“ und eine „wirklich kirchliche Dimension“. Das Dokument trägt den Titel „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“; der Kommentar wurde zeitgleich publiziert.

Man wolle irrigen Interpretationen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) entgegentreten, heißt es weiter. Der damals eingeführte Begriff, nach dem die von Christus gestiftete Kirche in der katholischen Kirche „subsistiert“ (verwirklicht ist), bedeute nicht, „dass die katholische Kirche von der Überzeugung ablasse, die einzige wahre Kirche Christi zu sein“. Er unterstreiche aber eine größere Offenheit für das ökumenische Anliegen, die „vielfältigen Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften anzuerkennen. Das Dokument besteht aus fünf Fragen und Antworten; dem ist ein Kommentar zu den einzelnen Abschnitten beigegeben.

„Keine Diskontinuität“
Gegenstand des Textes, der auf Latein und in mehreren Übersetzungen erschien, ist das lateinische „subsistit“ in der
1964 verabschiedeten Konzils-Konstitution Lumen gentium über die Kirche. Der begriffliche Wechsel von einem gleichsetzenden „ist“ zu „subsistiert“ besitze „keine besondere theologische Bedeutung im Sinn einer Diskontinuität mit der vorausgehenden katholischen Lehre“, unterstreicht die Glaubenskongregation. In dieser Formulierung komme jedoch zum Ausdruck, dass auch die anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften „keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heils“ seien.

Die Gemeinschaft mit dem Papst stelle ein „inneres Wesenselement“ für Kirchesein im vollen Sinn dar, heißt es in dem Dokument. Daher litten auch die von Rom getrennten Ostkirchen trotz der Übereinstimmung in der Sakramentenlehre und der apostolischen Nachfolge unter einem Mangel. Den aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangenen Gemeinschaften fehle mit der apostolischen Nachfolge „ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins“.

Durchgängig bezieht sich die Glaubenskongregation auch auf die Erklärung „Dominus Iesus“ aus dem Jahr 2000. Das von dem damaligen Glaubenspräfekten Kardinal Joseph Ratzinger herausgegebene Dokument ging ebenfalls auf das theologische Selbstverständnis der katholischen Kirche ein und rief vor allem in Deutschland heftige Reaktionen hervor.

EKD-Ratsvorsitzender Huber: Vatikanpapier „versäumte Chance“
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat das Vatikanpapier zum katholischen Kirchenverständnis unter der Überschrift „Versäumte Chance“ als brüskierend für die Ökumene kritisiert. Die römisch-katholische Kirche käme nicht auf die Idee, auch ihr könnten Elemente fehlen, die anderen Kirchen wichtig seien - „zum Beispiel der Respekt vor der Urteilsfähigkeit der Gemeinden, der gleiche Zugang von Frauen zum geistlichen Amt oder die Einsicht in die Fehlbarkeit des kirchlichen Lehramts“.

Die Hoffnung auf einen Wandel der ökumenischen Situation sei mit dem veröffentlichten Dokument zwar erneut in die Ferne gerückt. Aber „wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden“ (Römer 5,3-5), so Huber.

Kardinal Lehmann zum Kirchen-Dokument der Glaubenskongregation
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat in Bonn eine Erklärung zu den Dokumenten veröffentlicht. Die konkrete Existenzform der von Jesus Christus gestifteten Kirche finde man in der katholischen Kirche, ohne den anderen christlichen Gemeinschaften außerhalb von ihr die Existenz kirchlicher Elemente abzusprechen. Man müsse also beides festhalten, so Lehmann: „den Anspruch der katholischen Kirche auf substantielle Identität zwischen der Kirche Jesu Christi und ihr und der Anerkennung kirchlicher Elemente außerhalb von ihr selbst.“ Die katholische Kirche erblicke in den anderen christlichen Glaubensgemeinschaften eine wirkliche Anteilnahme am Kirchesein.

Die erneute katholische Stellungnahme der Glaubenskongregation möge besonders in ihrer Knappheit und Dichte hart erscheinen, aber sie lasse grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten.

Und Lehmann abschließend: „In diesem Sinne will der Text gelesen und verstanden werden: Es ist ein Dokument der Klarheit des eigenen Bekenntnisses und zugleich der Würdigung, ja auch einer - zwar begrenzten, aber wesentlichen - Anerkennung des ekklesialen Charakters der anderen christlichen Glaubensgemeinschaften. Das ökumenische Gespräch lebt von beidem.“

Ökumene-Institut: Vatikan will Konservative zurückgewinnen - Europäische protestantische Kirchen kritisch zu Vatikan-Papier
Das Ökumene-Institut der evangelischen Kirche hat den Protestanten empfohlen, sich von dem neuen Vatikan-Dokument nicht provozieren zu lassen. Das Papier spiegele vor allem eine innerkatholische Diskussion wieder, sagte der Geschäftsführer des Konfessionskundlichen Instituts im südhessischen Bensheim, Walter Fleischmann-Biesten, am Dienstag dem epd.

Papst Benedikt XVI. und der neue Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, wollten damit die katholischen Konservativen zurückgewinnen, so Fleischmann-Biesten. Die evangelischen Kirchen sollten dankbar für ihre eigene Kirchenstruktur sein und auf allen Ebenen theologische Argumente gegen jenes exklusive katholische konservative Lehramtsverständnis ins Spiel bringen. „Die Ökumene am Ort wird dies aber nicht mehr erschüttern können.“

Adressaten des heutigen Schreibens seien in erster Linie die Bischöfe, Theologen und Theologinnen der eigenen Kirche, hieß es weiter. Beispiel sei der vom Vatikan gemaßregelte frühere Franziskaner Leonardo Boff. Ihnen wie auch dem Präsidenten des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, der in jüngster Zeit von verschiedenen „Typen von Kirche“ sprach, werde klar widersprochen, so das Ökumene-Institut.

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) erklärte in Wien, sie nehme das Vatikan-Papier mit „Mit Befremden, aber ohne Beunruhigung“ zur Kenntnis. Dem Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche könne jedoch vom evangelischen Verständnis her nicht zugestimmt werden, erklärte GEKE-Präsident Thomas Wipf (Bern). Sowohl die Argumentation als auch die Kürze des Dokuments der Glaubenskongregation sorgten für Irritation.

(dr,epd,kna)


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