8.12.2011
Katholiken fordern Ende der Werbekampagne von Media Markt
"Weihnachten entscheidet sich in der Krippe"
"Die Frohe Botschaft von Weihnachten wird mit dieser Werbekampagne ad absurdum geführt", kritisierte Schick. Die Erklärung der Media Markt-Sprecherin, es liege dem Unternehmen fern, religiöse Symbole oder Glaubensinhalte herabzuwürdigen, sei nicht überzeugend. Die Media-Saturn-Holding habe auch schon mit dem Werbespruch "Geiz ist geil" eine der Hauptsünden in der christlichen Tradition als Werbespruch missbraucht.
Der Münchner Weihbischof Bischof beklagte, die Werbung reduziere eines der höchsten Feste der Christenheit auf einen Konsumwettbewerb, dessen vermeintliche Entscheidungsschlacht am Heiligen Abend geschlagen werde. Er unterstütze den Protest kirchlicher Gruppen gegen die Kampagne. Erzbischof Schick sprach der Initiatorin, der Bamberger Pastoralreferentin Melanie Zink, seinen Dank aus, diese Aktion für die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) ins Leben gerufen zu haben. Zinks Initiative im Sozialnetzwerk Facebook mache deutlich, dass für viele Menschen die "Ware Weihnacht" nicht die "wahre Weihnacht" sei, sagte Schick.
Die Facebook-Gruppe mit der Überschrift "Weihnachten wird an der Krippe entschieden" zählt inzwischen fast 16.000 Unterstützer. In einem Interview mit dem Internetportal katholisch.de sagte Zink zu den Motiven ihrer Aktion, ihr gehe es nicht um eine Kampagne gegen das Unternehmen. Sie wolle vielmehr eine "kritische Aufmerksamkeit" der Öffentlichkeit fördern und klar machen, "dass es an Weihnachten nicht um den Wettbewerb der Geschenke geht". An den Werbeauftritten von Media Markt störe sie insbesondere, dass das Unternehmen gezielt Milieus anspreche, für die eine bestimmte technische Ausstattung wichtig sei. Zink: "Diese Kundschaft springt auf die Art von Werbung an, kann sich die Produkte aber unter Umständen gar nicht leisten."
Evangelische Kirche reagiert gelassen
Der Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, Jens Peter Iven, reagiert dagegen gelassen. "Es ist doch wohl nicht zu bestreiten, dass sich viele Menschen zum Weihnachtsfest Plasmafernseher, Smartphones oder iPads schenken", sagte er am Donnerstag in Düsseldorf dem epd. "Aber viele von denen kommen auch an Heiligabend in unsere Gottesdienste. Und darüber freue ich mich."
In der Christvesper könne er den Menschen dann "gleich sagen, dass die Media-Markt-Werbung stimmt", fügte Iven hinzu: "Weihnachten wird tatsächlich unterm Baum entschieden - da steht bei uns in der Kirche die Krippe mit dem Kind, das Freude und Liebe bringt."
Das Unternehmen "Media Markt" mit Sitz in Ingolstadt hatte die Vorwürfe von Kirchen und einzelnen Christen gegen ihren Werbeslogan zurückgewiesen. Die Kampagne würdige keine religiösen Symbole, Glaubensinhalte oder das christliche Fest zu einem beliebigen Ereignis herab, hatte eine Sprecherin des Unternehmens bereits am Mittwoch erklärt.
Für eine Absetzung der umstritten Media Markt Kampagne plädiert dagegen der Familienbund der Katholiken. "Das kann nicht sein, dass ein Unternehmen hier ein zentrales Fest der Christen instrumentalisiert, um seinen Umsatz zu steigern", ärgert sich die Bundesgeschäftsführerin des Familienbundes, Claudia Hagen, im domradio.de-Interview. "Weihnachten entscheidet sich in der Krippe".
domradio.de: Der Werbeslogan "Weihnachten wird unter dem Baum entschieden" hat zu großen Protesten geführt. Warum?
Claudia Hagen: Weihnachten ist ja kein Geschenkewettkampf, der unter dem Baum entschieden wird und wer das größte und teuerste Geschenk macht und bekommt, der hat gewonnen. Also hier reduziert Media Markt die Botschaft des Weihnachtsfestes auf den reinen Konsum und das kann nicht sein, dass ein Unternehmen hier ein zentrales Fest der Christen instrumentalisiert, um seinen Umsatz zu steigern. Weihnachten ist das Fest, an dem Gott Mensch geworden ist. Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Familie. Weihnachten wird in der Krippe entschieden und nicht im Media Markt.
domradio.de: Nun hat sich ja der Konzern dabei etwas gedacht. Werbung orientiert sich am Puls der Zeit. Ist es nicht so, dass das Weihnachtsfest für viele Menschen tatsächlich eher zu einem Fest des Konsums, der Geschenke, des guten Essens, der edlen Weine gekommen ist?
Hagen: Ich denke, dass Weihnachten für die meisten Menschen noch immer ein Fest ist, das man in der Familie feiert. Das Zusammensein mit Familie und Freunden ist letztendlich wichtiger als die Geschenke. Die Geschenke spielen eine große Rolle, natürlich. Man möchte seine Lieben ja auch beschenken, auch die drei Heiligen Könige haben Geschenke mitgebracht. Und aus dieser Tradition heraus beschenken wir ja gerade auch unsere Kinder. Aber sie steht nicht im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt steht immer noch die Liebe und das Zusammensein mit seiner Familie.
domradio.de: Wie kann man es erreichen, dass trotz der Geschenke die eigentliche Botschaft des Weihnachtsfestes hoch gehalten wird?
Hagen: Man kann sich natürlich ein Fest machen, indem man diesen Sinn der Weihnachtsbotschaft in den Mittelpunkt stellt, indem man zum Beispiel eine Weihnachtsgeschichte vorliest, indem man ganz bewusst Zeit miteinander verbringt, Geschenke macht, die eben nicht so teuer sind, sondern vielleicht nur ein Symbol sind oder kleine Freuden bereiten. Ich weiß nicht, wie Ihnen das geht, aber meine Kinder freuen sich darüber, dass man ein paar Tage nur zusammen ist und sich Zeit miteinander nimmt. Ich denke, das ist das Wichtigste dabei, was man auch vermitteln kann und was bei allen Menschen auch wirklich gut ankommt.
domradio.de: Auch auf facebook gibt es eine Seite "Weihnachten wird in der Krippe entschieden", in Anlehnung an den Media Markt - Slogan. Ist das nicht auch Zeichen, dass sich auch junge Menschen gegen diesen reinen Konsum wehren?
Hagen: Junge Menschen sind sehr wertorientiert, das zeigen alle Umfrage. Sie legen schon großen Wert darauf, dass der Sinn hinterfragt wird und halten auch die Tradition und die Werte hoch und wehren sich natürlich gegen diesen Konsum. Ich finde das auch eine ganz tolle Kampagne, die die Katholische Landjugendbewegung ins Leben gerufen hat und bitte auch alle, diese Kampagne zu unterstützen und ihre Unterschrift da abzugeben, damit Media Markt diese Kampagne überdenkt und absetzt. Das ist unser Ziel.
Das Interview führte Christian Schlegel (domradio.de)
( kna / dr / epd )