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Hans-Bernd Serries Samstag,
4. Februar
Mk 6,30-34

Hans-Bernd Serries


Papstbesuch
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17.6.2010

Allensbach-Institut legt Studie über Religion und Kirche vor

„Vorschriften unerwünscht“

Kein religiöser Aufbruch, aber auch kein Absturz: 70 Prozent der Katholiken in Westdeutschland bezeichnen sich als „religiös“ - genau so viele wie vor 10 Jahren. Dies ist eines der Ergebnisse des Trendmonitors „Religiöse Kommunikation 2010“, der am Mittwoch in Freiburg vorgestellt wurde.

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    Auf konstant hohem Niveau: Zahl der Gläubigen (©ddp)

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Audio Beitrag
  • Ein Interview mit Marc Calmbach (Heidelberger Trendforschungsinstitut Sinus Sociovision): Folgen der Studie für die Kirche (17.6.2010)
  • Ein Interview mit Petra Dierkes (Erzbistum Köln): Neue Studie zu Kirche und Gesellschaft (16.6.2010)

Einerseits hat die Wahl eines Deutschen zum Papst nicht für Ausschläge nach oben gesorgt, andererseits löste der Missbrauchskandal in Glaubensdingen auch keine Verschiebungen nach unten aus. Der religiöse Grundwasserspiegel hat sich also auf recht stabilem Niveau eingependelt.

Kein Anlass zu voreiligem Jubel
Die Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach bestätigt eine Bertelsmann-Untersuchung von 2008. In dieser gaben ebenfalls 70 Prozent der Bevölkerung an, religiös oder gar hochreligiös zu sein. Für die Kirchen allerdings besteht kein Anlass zu voreiligem Jubel: „Sich als religiösen Menschen zu bezeichnen, ist etwas ganz anderes als sich als kirchlich zu erklären“, so Rüdiger Schulz vom Allensbach-Institut.

Seiner Analyse zufolge tauchen „die großen Probleme“ vor allem bei heißen Eisen auf. Nur 13 Prozent der Befragten seien mit dem Pflichtzölibat für katholische Priester einverstanden, ebenso viele oder wenige wie mit der katholischen Sexualmoral. Insbesondere die offizielle Lehre zum Thema Verhütung findet bei weniger als jedem zehnten Katholiken Zustimmung. Schulz, der die Studie im Auftrag der kirchlichen Medien Dienstleistung GmbH (MDG) geleitet hat, kommt zu dem Ergebnis: „Vorschriften, die die persönliche Lebensführung betreffen, sind nicht erwünscht.“

Gefragter Gesprächspartner für gesellschaftliche Fragen
Aber: Sehr wohl gefragt ist die Stimme der Kirche, wenn es um gesellschaftliche Probleme geht. Mit ihren Stellungnahmen in Sachen Frieden erklären sich 77 Prozent einverstanden (vorherige Studie: 69), beim Thema Menschenrechte sind es 68 (66) Prozent, zum Bereich Arbeitswelt 65 (56) Prozent. Angesichts der gewachsenen Zustimmung auf diesen Feldern lehnt Schulz die These von einer Kirchenfeindlichkeit ab. Vielmehr herrsche „latentes Wohlwollen“ - und die Überzeugung, dass „die Welt ohne die Kirchen um Vieles ärmer“ wäre. Überaus geschätzt ist zudem das kirchliche Engagement etwa in Kindergärten oder in der Krankenpflege.

Doch die Kirchenoberen wollen auch die für sie sorgenvollen Trends stärker in den Blick nehmen und nicht mit Scheuklappen durch „die Welt von heute“ laufen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat dazu eigens eine Arbeitsgruppe gebildet. Diese „Steuerungsgruppe“ soll im Sommer erstmals zusammenkommen. Ihr gehören der Münchner Erzbischof Reinhard Marx an, der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Laut Pressemitteilung werden sie sich auch beschäftigen mit dem „besonderen Einfluss des kulturellen Pluralismus in der deutschen Gegenwartsgesellschaft, der auch vor der Kirche nicht Halt macht“.

Kirchlichen Medien vor Herausforderungen
Dieser Trend stellt insbesondere die kirchlichen Medien vor Herausforderungen. Sind beispielsweise die Bistumszeitungen Sprachrohr ihrer Herausgeber oder Forum für unterschiedliche Meinungen? Die Allensbach-Studie hat die Nutzung der Bistumspresse untersucht und fasst die Ergebnisse in einem Dossier so zusammen: „Die großen Anstrengungen bei den Bistumszeitungen können deren Rückgang nicht aufhalten.“ Gleichzeitig blieben sie wichtige Kommunikationsorgane.

Katholiken, die von den traditionellen kirchlichen Medien nicht erreicht werden, nutzen laut MDG-Untersuchung „in sehr hohem Anteil“ das Internet - allerdings nur selten, um sich über religiöse Themen zu informieren. Marc Calmbach vom Heidelberger Trendforschungsinstitut Sinus Sociovision sieht hier jedoch Anknüpfungspunkte für kirchliche Themen. Insbesondere die Gruppe der „Experimentalisten“ sei an Angeboten zum Sinn des Lebens interessiert. Das Papier macht hier kirchlichen „Nachholbedarf“ aus, denn: „Gerade bei der Erreichung neuer, jüngerer Zielgruppen könnte das Internet eine wichtige Rolle spielen.“ Der Link ins Web, um den Grundwasserstand zu halten - für viele Beobachter kommt das Rezept nicht ganz überraschend.

Fürst: Gegenseitig bewerben
Der in der Deutschen Bischofskonferenz für Medienfragen zuständige Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst sieht die Notwendigkeit, für die verschiedenen gesellschaftlichen Milieus jeweils eigene kirchliche Kommunikationsstrategien zu entwickeln. Die Kirche als Institution habe die Aufgabe, eine Botschaft an alle weiterzugeben.

Zugleich plädierte Fürst für eine stärkere Kooperation der einzelnen Medienformate, das sogenannte crossmediale Arbeiten. Er bedauerte, dass etwa die Bistumspresse nicht für kirchliche Internetseiten werbe, weil sie darin eine Konkurrenz sehe. Er berichtete von Erkenntnissen aus den USA, dass sich beide Medienformen gegenseitig stützten. Er rief die Bischöfe auf, die Internetseite katholisch.de bekannter zu machen und dafür zu werben. Ernüchternd nannte Fürst die Nutzerzahl und die Verweildauer auf der Internetseite seines Bistums. Kommunikation, so der Bischof, sei heute „sehr komplex und sehr plural“ geworden.


(kna)

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