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28.2.2010

Immer mehr afrikanische Flüchtlinge kommen nach Lateinamerika

Flucht über den Atlantik

Ob Brasilia, Buenos Aires oder Bogota: Täglich stranden in den lateinamerikanischen Hauptstädten illegale Flüchtlinge aus Afrika. Offenbar reagieren die Schlepperbanden auf die immer restriktivere Einwanderungspolitik der EU.

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Mit letzter Kraft schafften es die 78 Afrikaner bis nach Bluefields: In kleinen Booten hatten sich die Migranten knapp vier Monaten zuvor aus Somalia und Eritrea auf den Weg gemacht.Eigentlich wollten sie in die USA, doch angekommen sind sie in der Kleinstadt an der Atlantikküste Nicaraguas. Dort überließen Schlepperbanden die Menschen ihrem Schicksal. „In unserer Heimat gibt es Krieg, deswegen sind wir geflohen. Jetzt hoffen wir auf ein wenig Hilfe - und dass wir nicht zurückkehren müssen“, sagt einer der Flüchtlinge einem lokalen Radiosender. Szenen wie diese spielen sich mittlerweile fast täglich in Lateinamerika ab.

„Derzeit gibt es eine Suche nach neuen Zielen“, vermutet Carolina Podesta vom argentinischen Büro des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR). Und auch lateinamerikanische Einwanderungsbehörden schlagen Alarm: Weil die Europäische Union ihre Grenzen nahezu undurchdringbar mache, schleusten Schlepperbanden immer mehr Flüchtlinge über den Atlantik nach Lateinamerika. Das UNHCR teilt mit, dass die Zahl afrikanischer Migranten in Südamerika deutlich zugenommen habe; die meisten afrikanischen Flüchtlinge kämen aus dem Senegal und von der Elfenbeinküste.

Stärkste Asylbewerbergruppe in Brasilien
In Brasilien bilden die illegalen Einwanderer aus Afrika nach offiziellen Angaben mittlerweile die stärkste Asylbewerbergruppe. Fast zwei Drittel aller Asylsuchenden im größten lateinamerikanischen Land stammen aus afrikanischen Staaten. Eine ähnliche Entwicklung melden Behörden aus Argentinien: In Buenos Aires prüften die Behörden im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Asylanträge - doppelt so viel wie im Vorjahr. Bislang galten vor allem Guatemala und Mexiko als klassische Zielorte für Flüchtlinge aus Afrika, die hofften aus diesen nördlichsten lateinamerikanischen Ländern in die USA zu gelangen. Doch jetzt werden immer mehr Länder des Subkontinents Zielorte afrikanischer Flüchtlinge.

Die Menschen gehen bei der Flucht über den Atlantik ein hohes Risiko ein. Unter lebensbedrohenden Umständen treten sie auf Frachtschiffen oder in kleinen Booten die lange Überfahrt nach Lateinamerika an, oft nur mit wenig Trinkwasser und Nahrung ausgestattet. Nicht immer ist den Auswanderern klar, wo sie am Ende der Reise landen. Aufgegriffene Flüchtlinge berichteten, sie wollten eigentlich nach Europa, seien aber gegen ihren Willen nach Lateinamerika gebracht worden.

Freundlicheres Klima als in Europa
Dort angekommen erwartet die Flüchtlinge allerdings oft ein freundlicheres Klima als in Europa. In Argentinien beispielsweise können afrikanische Asylsuchende bereits nach wenigen Wochen mit einer Arbeitserlaubnis rechnen; kostenlose Gesundheitsversorgung und Sprachkurse erleichtern den Start in ein neues Leben.

Und so öffnen sich fast täglich neue Wege nach Lateinamerika. Wie die Tageszeitung „La Estrella“ aus Panama berichtet, ließen erst in dieser Woche kolumbianische Schlepperbanden Flüchtlinge via Flugzeug aus Eritrea nach Ecuador einfliegen. Von dort aus ging die Reise über Land weiter nach Panama, wo die Behörden die Gruppe aus Afrika aufgriff. In Panama hatten die Schlepper die Flüchtlinge einfach ihrem Schicksal überlassen. Acht Tage irrten die verängstigten Menschen umher, ehe die Polizei auf sie aufmerksam wurde. Ihr weiteres Schicksal ist bisher unklar.

(Tobias Käufer / kna)

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