Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen
08.10.2021

Es muss Schluss sein mit Vertuschen und Wegschauen
Unschuldige Scheinheiligkeit hilft nicht!

Kleine Kinder glauben, wenn sie nichts sehen können, kann man sie auch nicht sehen. Die Kirche aber muss endlich aufhören, sich die Augen zuzuhalten, fordert DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen, und bei Missbrauch wegzuschauen.

Kleinkinder haben es gut. Sie halten sich die Hände vor die Augen und rufen: "Such mich mal!" Aber lange funktioniert diese unschuldige Art des Versteckspielens nicht. Spätestens wenn die Kleinen erkennen, dass das Augenzuhalten einen nicht einfach unsichtbar macht, ist Schluss mit lustig.
Wie gerne hätte ich mir in dieser Woche wieder die Augen und Ohren zu gehalten. Mich unschuldig in meine heile katholische Welt zurückgezogen. Wie gerne hätte ich all diese erschreckenden Fakten über den kirchlichen Missbrauch in Frankreich, die in dieser Woche von einer unabhängigen Kommission vorgestellt wurden, einfach ausgeblendet. Ich habe doch schon so oft über kirchlichen Missbrauch geschrieben. "Irgendwann muss es doch auch mal gut sein, Herr Brüggenjürgen!" Nein - es wird aber nicht gut, wenn ich, wenn wir einfach unsere Augen zuhalten. Viel zu lange wurde weggeschaut, verschwiegen und vertuscht. Nicht nur bei uns, sondern wie der Bericht schonungslos zeigt, auch in unserer französischen katholischen Nachbarkirche: Geschätzte 216.000 unschuldige Minderjährige wurden seit 1950 von Priestern und Ordensleuten sexuell missbraucht. Überall das bekannte Bild. Ob in den USA, Irland, Deutschland oder jetzt in Frankreich: Der Papst und die Bischöfe entschuldigen sich für das, was nicht zu entschuldigen ist. Sie versuchen Worte zu finden, für das was einen sprachlos macht.

Nein - dieser sexuelle Missbrauch in unserer Kirche hört nicht von alleine auf! Nicht, wenn wir nicht endlich die längst bekannten systemischen Ursachen abschaffen. Und es braucht mehr Intervention und Prävention. Vor allem aber braucht es Christen, die vor unangenehmen Wahrheiten nicht länger ungläubig und scheinheilig Augen und Ohren zuhalten.

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