18.09.2020

Warum die Hilfe vor der Selbsthilfe kommt
„Ich verteile solange Suppe!“

Es ist eine alte Binse: Wer Bedürftigen wirklich helfen will, muss die Strukturen ändern, die zu ihrer Bedürftigkeit geführt haben. Konkret hilft das den Menschen allerdings wenig. Wir dürfen Sie nicht vergessen, fordert DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen in seinem Wochenkommentar.

Hier in Köln gibt es den gut katholischen Pfarrer Franz Meurer. Er hat sich als Seelsorger für die Armen und rheinischer Don Camillo einen Namen gemacht hat. Von diesem sozial sehr pragmatisch engagierten Seelsorger gibt es eine wunderbare Geschichte:

Als Pfarrer Meurer in seinem Veedel heiße Suppe an bedürftige Kinder verteilte, wies ihn der damalige Sozialdezernent der Stadt Köln darauf hin, dass diese gute Tat reichlich wenig bringe – er müsse, wenn er wirklich etwas verändern wolle, doch lieber die Strukturen verändern, als einfach nur Suppe zu verteilen. Franz Meurer sagte dann diesen wunderbaren Satz: „Da mögen sie wohl recht haben – aber bis Sie die Strukturen gegen die Armut verändert haben, verteile ich doch lieber meine Suppe!“

Herrlich – oder? Man wäre zu gerne dabei gewesen und hätte das Gesicht des städtischen Beamten gesehen. Wenn heute in unserer Gesellschaft und auch bei uns in der Kirche über die dringend notwendigen Strukturveränderungen diskutiert wird – oft leidenschaftlich – oft aber auch ohne Ende und ohne konkrete Veränderungen – dann muss ich schmunzelnd an Pfarrer Meurers Satz denken. Natürlich können wir jahrelang auf eine notwendige gesamteuropäische Flüchtlingslösung hinwirken – aber wirklich hilfreich ist es, wenn wir wenigstens einmal anfangen und einige Flüchtlingsfamilien aufnehmen. (Es können übrigens gerne noch ein wenig mehr sein, Herr Innenminister!)

Ja – natürlich braucht unsere Kirche frische Luft und strukturelle Veränderung – aber wie wäre es, wenn wir einfach einmal anfangen? Mehr lieben – mehr helfen – mehr handeln! Wie hat das Wilhelm Busch auf den Punkt gebracht? „Das Gute, dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, das man lässt!“ Oder genauso prägnant bei Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes – außer man tut es!“ Dann wollen wir mal mutig und schnell anfangen…

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