Leere Fleischhaken in einem Schlachthof
Leere Fleischhaken in einem Schlachthof
15.05.2020

Missstände in der Fleischindustrie
Zurück zu den Fleischtöpfen?

Nicht nur Unternehmer, auch jeder Konsument ist verantwortlich für Massentierhaltung und schlecht bezahlte Arbeiter. DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen mahnt: Wir müssen unser Verhalten kritisch hinterfragen.

Die Würstchen auf meinem Grill zeigen, worum es geht: Jeder von uns ist mitverantwortlich - für die Schweine, Rinder und Hühner, all die Tiere, die oft viel zu dicht in unserer Massentierhaltung zusammengepfercht werden. Für die preiswerten Arbeitskräfte in unseren Schlachthöfen. Oft kommen die aus Osteuropa, arbeiten für Dumping-Löhne und leben hier in Massenunterkünften auch viel zu dicht aufeinander. „Diese Wirtschaft tötet!“ hat Papst Franziskus beklagt - in der Fleischindustrie darf man das ruhig wörtlich nehmen. Die Gesetze des freien Marktes funktionieren: Massentierhaltung, Massenschlachtung und Massenunterkünfte garantieren billiges Grillfleisch für die breite Masse. Alleine der Schlachthof hier in meiner Heimatstadt - übrigens systemrelevant - schlachtet 30.000 Schweine pro Tag! Für Schweine gibt es inzwischen immerhin eine Tierwohl-Lobby, aber für die Schlachter aus Rumänien und Bulgarien? Ehrlich gesagt: Seit Jahren interessiert deren Wohl kaum ein Schwein. Aber jetzt, wo wegen Corona plötzlich unsere eigene Gesundheit in Gefahr ist, da schauen wir besorgt genauer hin.

Verantwortlich für die Missstände in der Fleischindustrie ist jeder Unternehmer, der hier nur seinen Profit macht, die Probleme aber auf Subunternehmen abschiebt. Jeder Subunternehmer, der mit diesem Geschäftsmodell nochmal Gewinn macht. Jeder politische Verantwortliche, der in der Fleischindustrie seit Jahren lieber fünf gerade sein lässt, als sich mit den mächtigen Fleischbossen anzulegen. Aber eben auch jeder, der die Schlachter aus Bulgaren und Rumänen nicht in seiner Nachbarschaft wohnen haben will, gerne aber am Abend die von denen produzierten Würstchen auf den Grill legt. Nein, jeder von uns, der trotz der bekannten schlechten Öko-  und Umweltbilanz auf Fleischberge auf seinem Tisch nicht verzichten will. Wirklich jeder von uns, der hier sein Konsumverhalten nicht kritisch hinterfragt. Weniger muss gerade bei uns deutschen Profi-Grillern künftig mehr sein! Ein Zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens darf es nicht geben. Und murrende Israeliten, die zwar das gelobte Land erreichen wollen, aber eben doch gerne an unsere altbekannten Fleischtöpfe zurück wollen, sind wir in diesem Fall leider alle.

 

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