02.11.2018

Vom Gräberwettbewerb zum Liebe Gottes

Friedhofskirmes?

Ganz schön viel los auf den Friedhöfen an den Tagen vor Allerheiligen und Allerseelen. In seinem Wochenkommentar erklärt DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen warum das Zurschaustellen der Gräber am eigentlichen Sinn des Hochfestes vorbeigeht.

Meine Schwiegermutter wohnt in direkter Nachbarschaft zum Friedhof. Wenn man in ihrem Wohnzimmer Platz nimmt, sitzt man quasi in der ersten Reihe. Die Tage rund um Allerheiligen und Allerseelen hat schon mein Schwiegervater, der ist leider bereits auf diesem Friedhof begraben, liebevoll "Friedhofskirmes" getauft. Und es ist auch in der Tat lustig anzusehen, wie Menschenmassen, die man sonst nur vom Schützenfest oder von der Dorfkirmes kennt, sich über den Friedhof hermachen. Die Gräber werden auf Hochglanz gebracht, Sträucher beschnitten, Blumen in der Vase zurechtgezupft, sündhaft teure Grabgestecke niedergelegt und jedes noch so kleine Laubblättchen entsorgt. Bisweilen lässt sich ein richtiger Gräberwettbewerb beobachten. Niemand möchte sich schließlich nachsagen lassen, dass er das Familiengrab nicht pflege. Was sollen denn die Nachbarn denken?

Vielleicht sind diese Nachbarn aber auch bibelfest und haben noch das Jesuswort im Kopf: "Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber geh und verkündige das Wort Gottes!" (Lk 9,60). Es ist eine der radikalsten Botschaften. Jesus weiß, dass er provoziert. Dem, der da Jesus nachfolgen will und sagt, er wolle erst noch seinen Vater beerdigen, kontert er hart und schroff. Jesus macht damit deutlich: Seine Nachfolge ist kein Schmusekurs, keine Wohlfühlbotschaft. Und was bedeutet das jetzt für uns Christen heute, Allerheiligen 2018? Ich denke, wir sollten jede Art von "Friedhofskirmes" vermeiden. Das Andenken unserer Verstorbenen hängt nicht von der Größe und vom Preis des Grabgestecks ab. Auch habe ich es mir angewöhnt, nicht nur einmal im Jahr den Friedhof zu besuchen. An den Gräbern unserer lieben Verstorbenen lässt sich meiner Erfahrung nach besonders gut beten. Man spürt, dass jeder menschliche Weg hier auf Erden irgendwann zu Ende ist.

Nach meiner festen Überzeugung kommt das Beste dann aber erst: Das ewige Leben bei Gott. Wenn ich auf dem Friedhof bete, habe ich alle vor Augen, die es schon geschafft haben und im himmlischen Jerusalem angekommen sind. Sie alle sind in meinen Augen Heilige – ohne jede Ausnahme. Ich bitte sie alle, also Alle-Heiligen, da oben ein gutes Wort für mich einzulegen. Trotz meines unerschütterlichen Glaubens an ein Leben nach dem Tod bitte ich Gott aber auch darum, dass der Himmel auf mich noch ein wenig warten möge. Denn das Leben hat so wunderbare, kostbare Momente.

Wenn ich an diesen Tagen spät am Abend in der Dunkelheit ganz in Ruhe über den Friedhof spaziere und all die vielen brennenden Kerzen sehe, spüre ich, dass der liebe Gott es verdammt gut mit uns meint. Jede brennende Kerze zeigt mir: Das sehe nicht nur ich so! Jede Kerze in der Dunkelheit ist ein flackerndes Zeugnis der Liebe: Der Liebe zu unseren Verstorbenen und der Liebe Gottes.

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