12.10.2018

Kater-Stimmung nach der Veröffentlichung der Missbrauchs-Studie

„Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs!“

Die Stimmung in den Reihen der Kirchen-Angehörigen ist geknickt. Missbrauchs-Studie, öffentlichen Debatte und die Kritik haben gewirkt. Eine Bestandsaufnahme mit ermutigendem Schluss von DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

Als die Wissenschaftler bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ihre Studie zum sexuellen Missbrauch vorstellten, wollten sie mit diesem Satz zum Ausdruck bringen, dass die von ihnen vorgelegten Daten lange nicht vollständig sein konnten. Es gab und gibt nach Ansicht aller Beteiligten viel mehr minderjährige Opfer und mehr Täter im Priester- oder Ordensgewand. Die genaue Dunkelziffer wird niemals ermittelt werden, genau so wenig wie sich das unvorstellbare Leid all der vielen Betroffenen erfassen oder dokumentieren lässt. Wo sich so viel Schatten auftut, da sucht man verzweifelt nach Licht. Selbst wenn nicht – wie in der MHG Studie dokumentiert – gut fünf Prozent, sondern vielleicht sogar doppelt so viele Geistliche Kinder und Jugendliche misshandelt haben sollten, bleiben immer noch 90 Prozent Kirchenmänner, die völlig unbescholten sind. Zugegeben, das sind nicht alles automatisch Lichtgestalten, sondern meistens Menschen wie Du und ich. Aber eben doch völlig unschuldige Priester und Ordensgeistliche, die Tag für Tag treu ihren Dienst im Weinberg des Herrn antreten. Auch wenn der gerade im tiefen Missbrauchsschatten liegt und die Arbeit schon leichter fiel.

Ich habe in den vergangen Tagen und Wochen mit einigen dieser Priester gesprochen. Viele von ihnen sind sehr frustriert und alles andere als motiviert. In kirchlichen Einrichtungen, Verwaltungen, Verbänden und Hilfswerken herrscht beim nichtklerikalen himmlischen Bodenpersonal bisweilen regelrechte Untergangsstimmung. Klar, schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Daten war die Stimmung nicht himmelhoch jauchzend: Steter Rückgang des Kirchenbesuchs, ausbleibender Nachwuchs in Priesterseminaren und Orden, finanzielle Ungereimtheiten und dubiose Machenschaften in einigen Bistümern, endlose, lähmende Strukturdebatten soweit das Auge reicht, der Streit der Bischöfe bei der Frage des Kommunionempfangs… Alles keine idealen Treibmittel für die Verkündigung der Frohen Botschaft. Da war die jüngste Missbrauchsstudie eben bei vielen der nötige Tropfen, der das Fass zum endgültigen Überlaufen brachte. Und nun? Wie soll es weitergehen?

Als Langstreckenläufer weiß ich, es gibt bisweilen quälend lange, nicht enden wollende Durststrecken. Die Marathonmanager oben in der Leitung helfen mit ihren klugen Strategieanweisungen da zumeist wenig, zumal viele Funktionäre lange aus der Übung sind und oft nur noch in der Theorie laufen… Es hilft der Vordermann, der einen mitzieht, und nicht die Schwäche ausnutzt und davonläuft. Da ist der Nebenmann, der – obwohl selber keuchend – Mut zuspricht. Der Hintermann, der einem nicht schonungslos in die Hacken tritt, sondern auf die Schulter klopft: „Komm, wir schaffen das!“ Mit vereinten Kräften erreicht diese Laufgruppe das Ziel. Abgekämpft, aber glücklich. Und nirgendwo steht geschrieben, dass sich die Christen auf ihren Bänken und bischöflichen Stühlen ausruhen sollen. Ganz im Gegenteil: Nur wer immer wieder neu aufbricht, darf sich auf die Weggemeinschaft mit Jesus Christus verlassen. Nur wer den Exodus wagt, dessen Kinder werden das gelobte Land erreichen. Ja – nur wer gegen alle Hoffnungslosigkeit dieser Welt hofft – dem steht am Ende des Lebens der Himmel offen.

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