31.08.2018

Zukunft, Zukunft, Zukunft...

Bleibt die Kirche im Dorf?

Die deutschen Bistümer überschlagen sich mit Lösungsansätzen, um die Christen Vorort in den Gemeinden zu halten. Doch ob damit das richtige Problem behandelt wird, stellt DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen in Frage. Er sieht das Problem bei: Verheimlichung, Vertuschung und Verrat!

Die Kirche, die im Dorf bleiben soll, ist fester Bestandteil unserer Umgangssprache. Mit gut 22.000 katholischen Kirchen und Kapellen ist Deutschland wirklich sehr gut versorgt. Aber eine andere Zahl bereitet schon Bauchschmerzen: Seit dem Jahr 2000 wurden 538 Kirchen aufgegeben. Genau 160 Kirchen wurden abgerissen – der Rest profaniert, verkauft oder anderweitig genutzt.

Meine Taufkirche steht noch. Die Kirche, in der ich zur Ersten Heiligen Kommunion ging, steht auch noch. In beiden Kirchen, sie gehören inzwischen zu einem neuen "Pastoralraum", beobachten wir aber das gleiche Bild wie fast überall. Es kommen immer weniger. Dort, wo in meiner Jugend am Sonntag drei Messen gefeiert wurden und Sitzplätze immer knapp waren – reicht heute ein einziger Gottesdienst. Die Kirche ist dann "halb voll" – bei wohlwollender Betrachtung. Die Ursachen dafür werden seit Jahren in teuren Studien, wissenschaftlichen Untersuchungen und Diskussionen vor Ort zusammengetragen. Nur die vielen klugen Analysen ändern gar nichts an der sonntäglichen Abstimmung mit den Füßen. Die kirchlichen Lösungsansätze heißen in jedem Bistum anders: Aber ganz egal ob "pastoraler Zukunftsweg", "Zukunftsbild" oder "Zukunftsforum", die Christen vor Ort in den Gemeinden sind verunsichert und bisweilen verärgert ob der ermüdenden Strukturdebatten.

Nur, wirklich hoffnungsvoll unterwegs ist das Volk Gottes meistens leider viel zu wenig. Es fehlen die Hoffnungsträger. Und immer dann, wenn man meint, die Talsohle sei jetzt aber durchschritten, kommen Dinge ans Tageslicht, die die kirchliche Zukunftswelt nur noch dunkler erscheinen lassen – wie gerade wieder die weltweit bekannt werdenden Fälle von sexuellem Missbrauch durch Geistliche. Alles längst keine Einzelfälle mehr, sondern ein Versagen mit System. Verheimlichung, Vertuschung und Verrat in katholischen Chefetagen macht es nur noch schlimmer.

Da Jammern noch nie geholfen hat: Was es jetzt braucht, ist in diesem Fall eine schonungslose Aufklärung. Die zwei Worte "Scham und Bedauern" aus dem Vatikan sind richtig, aber nicht genug. Das Kirchenvolk möchte auch Konsequenzen und Taten sehen. Nicht irgendwann, sondern hier und jetzt! Und wenn der Fehler auch im System liegt – welches der Papst "Klerikalismus" nennt – gehört auch das System auf den Prüfstand. Sonst bleibt die Kirche zwar im Dorf, aber noch mehr Gläubige werden dann einen weiten Bogen um ihr Gotteshaus machen. Christen, die ihren Namen nicht nur auf dem Taufschein stehen haben, müssen gerade jetzt selber aufstehen und aufbrechen. Nein, nicht nur "die da oben". Wir alle sind aufgerufen Träger der Hoffnung zu werden, die uns erfüllt (1. Petr 3,15). Neue Hoffnungsträger!

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