Museumsnacht: die Domgrabung eigenständig erkunden

"Quer durch die Stadtgeschichte"

Unter dem Kölner Dom liegt eine Menge Geschichte. Die Fundamente der Kathedrale wurden jahrzehntelang archäologisch ausgegraben. Durch die Grabungen gibt es Führungen. An diesem Samstag kann man sie sogar auf eigene Faust erkunden.

 Unter dem Kölner Dom  (Dombauhütte Köln)

DOMRADIO.DE: Was finden sie in der Domgrabung am faszinierendsten?

Ruth Stinnesbeck (Archäologin bei der Domgrabung): Schon in dem Moment, wenn man hereinkommt, finde ich persönlich die unglaublich riesigen, massiven Fundamente der heutigen Kathedrale ausgesprochen eindrucksvoll.

Archäologin der Domgrabung, Ruth Stinnesbeck / © Marion Sendker (DR)
Archäologin der Domgrabung, Ruth Stinnesbeck / © Marion Sendker ( DR )

Man kommt durch die beiden Tunnelröhren, die durch das Fundament des Südturmes gebohrt sind und sieht eigentlich nur das filigrane obere Ende von dieser riesigen Masse an Mauerwerk, die noch im Boden verborgen liegt.

DOMRADIO.DE: Was kann man in der Domgrabung zum Beispiel über die Stadtgeschichte Kölns erfahren?

Stinnesbeck: Man darf nicht unterschätzen, dass der Dom nahezu komplett innerhalb des römischen Stadtareals steht. Das heißt, die Bebauungsgeschichte geht vor rund 2.000 Jahren los.

Archäologin Ruth Stinnesbeck

​"Die Kölner Kathedrale ist unter anderem ein riesiger Schutzbau für das Gelände darunter."

Und anders als in anderen Bereichen der Stadt steht seit dem 13. Jahrhundert der heutige Dom auf diesem Areal.

So schön die Kölner Kathedrale auch ist, sie ist unter anderem ein riesiger Schutzbau für das Gelände darunter. Das heißt, man kommt einmal quer durch die gesamte Stadtgeschichte.

DOMRADIO.DE: Besucher und Besucherinnen können auch außerhalb der langen Nacht der Museen die Grabungen unter dem Dom besichtigen. Haben Sie etwas Besonderes für die Museumsnacht vorbereitet?

Ruth Stinnesbeck

"In der Museumsnacht hat man die Möglichkeit, im eigenen Tempo durchzugehen."

Stinnesbeck: Na ja, wir sind kein Museum im eigentlichen Sinne. Das ist ein Areal, das man nur im Rahmen von Führungen besuchen kann. Dort wird man unter fachkundiger Begleitung durch das Gelände gebracht und erfährt, was es alles zu sehen gibt. In anderthalb Stunden ist man wieder draußen.

 © Alexander Foxius (DR)
© Alexander Foxius ( DR )

In der Museumsnacht hat man die Möglichkeit, im eigenen Tempo durchzugehen; sich anzuschauen, was einen primär interessiert und andere Bereiche eher links liegen zu lassen.

Wir haben ein gut zusammengestelltes Team von Mitarbeitern und an allen neuralgischen Punkten steht jemand, dem man wirklich Löcher in den Bauch fragen kann.

DOMRADIO.DE: Wonach sollte man Ihre Kollegen und Kolleginnen unter dem Dom denn fragen? Oder wo lohnt es sich mal genauer hinzugucken?

Stinnesbeck: Ich finde die freigelegten römischen Ausgrabungen spannend zu gucken. Beispielsweise die Hypocaustenanlage, also die Fußbodenheizung.

Auch Wandmalereien sind dort zu sehen. Nicht unbedingt in einem besonders eindrucksvollen Stil, aber in einer absolut eindrucksvollen Erhaltung. Die gesamte Raumhöhe ist dort heute noch auf dem Mauerwerk zu sehen.

Was ich persönlich ganz besonders toll finde, ist die Verbindung zwischen dem Vorgängerbau und der heutigen Kathedrale. Also zwischen dem alten Dom aus der Zeit Karls des Großen und dem gotischen Neubau zur damaligen Zeit.

Es gibt in der Tat eine Treppe, die dort von dem noch teilweise in Benutzung befindlichen alten Dom in den gotischen Chor heraufführte. Heute sind da Stufen, die aus dem Nichts nach oben in die Decke verschwinden. Aber man muss sich vorstellen, was die Menschen damals gesehen haben, in der Zeit kurz vor 1322, der Weihe des gotischen Chores.

 © Alexander Foxius (DR)
© Alexander Foxius ( DR )

DOMRADIO.DE: Jetzt schwärmen Sie so vom Keller vom Kölner Dom, wie ich eben gesagt habe. Haben Sie überhaupt noch Lust, in den "normalen" Dom reinzugehen?

Ruth Stinnesbeck

"Ich finde es immer noch unglaublich erhebend, in dieses riesige Bauwerk (den Kölner Dom) hineinzukommen."

Stinnesbeck: Ich bin schon wirklich lange hier dabei, und ich finde es immer noch unglaublich erhebend, in dieses riesige Bauwerk hineinzukommen, was ja wirklich wirkt wie aus einem Guss. Eine unglaubliche Meisterleistung!

Aber gerade in dem Zusammenhang sind auch die Fundamente so spannend, denn an ihnen kann man wirklich ablesen, an welcher Zeit die einzelnen Bauteile begonnen wurden, Sie zeigen große Unterschiede.

DOMRADIO.DE: Samstagnacht, am 4. November, findet in Köln zwischen 19:00 und 2:00 Uhr die Museumsnacht statt. 51 Orte sind mit dabei, auch die Domgrabung in Köln. Wichtige Hinweise, wenn sie zur Domgrabung gehen: Taschen und Rucksäcke dürfen nicht mit hinein und um 23:30 Uhr ist der letzte Einlass in die Domgrabung. Es geht nicht komplett bis 2:00 Uhr. Tickets und Programm finden Sie aber auch im Internet unter www.museumsnacht-koeln.de.

Das Interview führte Michelle Olion. 

Kölner Dom

Blick auf den Kölner Dom / © BalkansCat (shutterstock)
Blick auf den Kölner Dom / © BalkansCat ( shutterstock )

Der Kölner Dom ist eine der bedeutendsten Kirchen der Welt und die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Deutschland. Das Gotteshaus beherbergt die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die Erzbischof Rainald von Dassel 1164 aus Mailand nach Köln brachte.

Der Grundstein für den gotischen Neubau an der Stelle mehrerer Vorgängerkirchen wurde 1248 gelegt; 1322 wurde der Chor geweiht. Mittelschiff, Querhäuser und Seitenschiffe der Kölner Bischofskirche folgten bis 1560. Dann stoppten die Querelen um die Reformation und Geldmangel den Baubetrieb.

Quelle:
DR