Predigt aus dem Kölner Dom vom 10.08.08

Predigten: Predigt aus dem Kölner Dom vom 10.08.08 (11.08.2008)

19. Sonntag im Jahreskreis
Kapitelsamt aus dem Kölner Dom
domradio übertrug am 19. Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom. Dompropst Dr. Norbert Feldhoff zelebrierte. Hören und schauen Sie hier seine Predigt nach.
Der "Ferienchor der Kölner Dommusik" sang unter der Leitung von Eberhard Metternich die "messe solennelle" in cis-Moll für zwei Orgeln von Louis Vierne. An den beiden Domorgeln spielten die musikalischen Assistenten des Domchores und des Mädchenchores, Frau Natalie Badura an der Langhausorgel und Herr Martin Meyer an der Querhausorgel.

In der Bibel sind Erfahrungen aufgeschrieben, die Menschen im Laufe verschiedenster Jahrhunderte mit Gott gemacht haben. Dabei ist das Erstaunliche: Es sind nicht nur vergangene Erfahrungen, sondern Menschen entdecken immer wieder im Kern dieser Geschichten, was Psalm 40,8 so ausdrückt: "In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist." Insofern können diese Erzählungen, in denen sich Gottesbegegnung verdichtet hat, immer wieder helfen, die eigenen Glaubenserfahrungen ins Wort zu bringen, Gott auch heute zu entdecken: ihn, der auch aktuell zu uns spricht, uns ermutigt und tröstet, uns herausruft, uns ergreift, uns, wenn nötig, auch konfrontiert.

Wortgottesdienst

Erste Lesung
Elija, einer der frühen Propheten Israels, lebte zur Zeit des Königs Ahab (ca. 873-853 vor Christus). Es ist eine Zeit, in der die Baalsreligion immer mehr an Einfluss gewinnt. Elija stellt sich dagegen, wird verfolgt und zieht sich deshalb in die Wüste im Süden Israels zurück. Er geht zum Gottesberg, zum Ursprungsort des Glaubens an Jahwe, dorthin, wo nach alter Tradition Mose und das Volk Gesetz und Bund erhal-ten hatten. Aber Gott erscheint ihm nicht wie einst dem Mose in Feuer, Erdbeben, Rauch und Donner (Ex 19,16-19), sondern ganz anders, ganz neu: in einem sanften Windhauch, oder wie Martin Buber übersetzt, in "einer Stimme verschwebendem Schweigens", in einer Stille, in der Elija die Nähe des heiligen, des ganz anderen Gottes erfährt. Viele Menschen heute brauchen genau dies und suchen es in verschiedenen Arten von Meditation: Stille, Schweigen, Kontemplation.

Zweite Lesung
Paulus steht vor einem Problem, das seinem Glaubensverständnis fast den Boden unter den Füßen wegzieht. In Röm 1-8 hat er beschrieben, welches befreiende Geschenk Gott Juden wie Heiden in Jesus gemacht hat. Wie kann es dann aber sein, dass Israel - das Volk, zu dem Paulus selbst gehört, und das Gott sich als besonderes Eigentum erwählt hat - in seiner Mehrheit den Christus Jesus abgelehnt hat?! Diesem Volk gelten doch nicht nur die Verheißungen des Bundes, sondern auch die Verheißung des kommenden Messias! Der Gott Israels ist doch auch der Gott des Evangeliums! Ist die Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk zerbrochen? Gott stellt uns manchmal vor Abgründe. Allerdings - der weitere Fortgang des Römerbriefes zeigt es - vertraut Paulus darauf, dass Gott in seinem Erbarmen zusammenführen wird, was zusammengehört.

Evangelium
Diese Geschichte hat einen doppelten Boden. Man kann sie oberflächlich verstehen oder symbolisch tief. Denn in allem, was hier geschildert ist, verdichtet sich menschheitliche und biblische Gotteserfahrung. Dazu gehört die Fahrt zu neuen Ufern, die gewöhnlich immer zu Turbulenzen führt, wo Ängste und Stürme zu bestehen sind; die Urerfahrung des glaubenden Menschen, herausgerufen zu werden: Komm!; das Wunder, dass es das gibt: wie auf Wasser zu gehen; die Erfahrung, der Abgrund reißt mich nicht in die Tiefe, sondern ich bin getragen, wenn ich Gott, wenn ich Jesus im Blick behalte; das erneute Aufbrechen der Angst, wenn ich ihn aus dem Auge verliere; und schließlich die Erfahrung der menschlichen oder göttlichen Hand, die mich in meiner Not nicht alleinlässt. Hier geht es nicht nur um Petrus, hier geht es um uns alle.
(Quelle: Messbuch 2008, Butzon & Bercker Verlag) Ein Beitrag vom Domradio Köln