Katholischer Medienpreis 2008 - Teil2

Reportage: Katholischer Medienpreis 2008 - Teil2 (28.10.2008)

Es geht auch anders! Katholischer Medienpreis verliehen - Zollitsch appelliert an Moral der Medienmacher
Die Journalisten Ilka Piepgras und Benedikt Fischer haben den Katholischen Medienpreis 2008 erhalten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, überreichte die mit jeweils 5.000 Euro dotierte Auszeichnung am Montagabend in Bonn und zeigte sich als profunder Medienkritiker. Ein Videomitschnitt der gesamten Veranstaltung ist hier abrufbar.
Piepgras erhält den Preis in der Kategorie Print-Medien für ihre Reportage "Meine Freundin, die Nonne", erschienen im "ZEIT-Magazin Leben". Darin schildert die Autorin das Wiedersehen mit ihrer besten Freundin, die inzwischen Ordensfrau und Äbtissin eines Klosters bei Athen ist. Beispielhaft werde in dem Beitrag das Ost-West-Verhältnis, aber auch das Spannungsfeld von Aktion und Kontemplation, letztlich von Vernunft und Glaube geschildert, so die Jury.

Fischers Dokumentarfilm "Meine Eltern" wurde in der Kategorie elektronische Medien ausgezeichnet. In dem vom Hessischen Rundfunk ausgestrahlten Stück erzählt er die Geschichte seines demenzkranken Vaters und seiner Mutter, die nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist. Die großartige Kameraführung, der hervorragende Musik- und Geräuscheinsatz sowie der sparsame Umgang mit Sprache machen aus dem Film nach Ansicht der Juroren "ein kleines Meisterwerk".

Der Katholische Medienpreis wurde in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehen. Die Auszeichnung wird von der Bischofskonferenz zusammen mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM) ausgeschrieben. Insgesamt hatte die aus sechs Experten bestehende Jury unter Vorsitz von Medienbischof Gebhard Fürst 194 Filme, Print-Artikel und Internetangebote zu sichten. Im Vorjahr standen 143 Beiträge zur Wahl.

"Respekt mit Füßen getreten"
Zollitsch appellierte in seiner Ansprache an die Moral der Medienmacher. Es gelte, "Formen alltäglicher Achtlosigkeit gegen den Nächsten zu überwinden". So gebe es Castingshows und viele andere Medienformate, "wo der Respekt, dem man dem anderen Menschen schuldet, mit Füssen getreten wird". Der Erzbischof kritisierte auch Internetangebote "religiös daher kommender Gruppierungen", die sich als christlich bezeichneten, aber "mit autoritärem Gehabe auftreten und auch vor unerträglichen Diffamierungen anderer nicht zurückschrecken".

Der Konferenz-Vorsitzende fordert dazu auf, sich auf die Folgen der "digitalen Medienrevolution" einzustellen. Diese habe zu einer "nachhaltigen Zersplitterung" der Öffentlichkeit geführt. In der Nachkriegszeit hätten Printmedien, Fernsehen und Hörfunk die Menschen eher um einen "Runden Tisch" versammelt. Nun führe besonders das Internet zu einer unüberschaubar großen Zahl von "selbst organisierten Stammtischen". So zeige die Resonanz der Plattform "schülerVZ", welche Faszination diese "Stammtisch-Öffentlichkeiten" hätten. Zollitsch warf die Frage auf, ob und wie die digitale und extrem virtuelle Öffentlichkeit künftig zur gesellschaftlichen Integration beitragen könne.

Auch Fürst rief dazu auf, die elektronischen Medien nicht nur von ihren technischen Möglichkeiten her zu beleuchten. Vielmehr müsse es um die Inhalte gehen. Die Preisträger hätten mit ihren Beiträgen das Verantwortungsbewusstsein füreinander und das Zusammenleben miteinander gefördert.
(kna)

Ein Film vom Domradio / Medienzentrale Köln

Redaktion, Kamera und Schnitt: Marcus Laufenberg