Domkapitular Markus Bosbach am fünfzehnten Sonntag im Jahreskreis

Predigten: Domkapitular Markus Bosbach am fünfzehnten Sonntag im Jahreskreis (12.07.2020)

In seiner Predigt sprach Domkapitular Markus Bosbach über die Sehnsucht der Menschen nach Eindeutigkeit. "Manche Last würden wir gerne auf uns nehmen, manchem Schmerzen ertragen, wenn der Ausgang nicht so ungewiss wäre, ob sich das alles lohnt", so der Domkapitular. 

Der Apostel Paulus vertrete leidenschaftlich die Uneindeutigkeit der Hoffnung. Diese wurzele in der Gegenwart, blicke aber in die Zukunft.

Paulus sehe kein Heil darin, sich auf "Gesetze zu beschränken, die fisselig genug sind, um alles zu regeln, weil er weiß, dass dadurch alleine das Heil nicht zu finden ist." Gemeint seien die Ver- und Gebote des pharisäischen Judentums. Ein Glaube, der sich in Regeln einigele und dadurch das Heil finden wolle, dieser Glaube gaukele eine Eindeutigkeit vor, die so einfach nicht da sei.

Auch die Schöpfung wartet auf Eindeutigkeit

"Wir dürfen darauf vertrauen, dass offenbar wird, was jetzt noch verhüllt ist", sagte Bosbach. "Wir können die Eindeutigkeit nicht von uns aus schaffen", fügte er hinzu. Das gehe nur in der vertrauenden Hoffnung auf Gott. Und darauf warte laut Paulus die ganze Schöpfung in Sehnsucht. Für Bosbach ist klar: "Paulus hatte keine Ahnung von der Umweltzerstörung, die der Mensch noch anrichten würde. Er hätte sich aber in seiner Ansicht bestätigt gefühlt."

Aus der Sicht des Glaubens sei entscheidend, in welcher Beziehung der Mensch zur Schöpfung oder umgekehrt stehe. Bosbach zitierte Paulus: "Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, aber nicht aus eigenem Willen." Die Freiheit und der Wille in Gottes Schöpfung sei der Mensch. "Ihm hat Er die Schöpfung. Anvertraut: Deswegen seufzt und wartet die ganze Schöpfung darauf, dass sich der Mensch nicht länger zeigt als Sklavenhalter, sondern als das, wozu wir berufen sind: Kinder Gottes, Erben seines Reiches."

Der Sinn der Schöpfung bestehe darin, dass der Mensch Gott finde: in Freiheit und Liebe.

Die Bibel denkt größer vom Menschen

"Wer glaubt, müsste bekennen: Die ganze Schöpfung, die ganze Welt, der ganze Kosmos sind einzig der Liebe Gottes zum Menschen da." Die Bibel denke größer vom Menschen, als der Mensch es ahne und oft selbst denke. "Wahrscheinlich würden wir den Gedanken zurückweisen, weil er uns zu groß vorkommt", überlegte Bosbach. Dann aber würde der Mensch auch von Gott zu klein denken.

"Alles kann wertvoll sein", so Bosbach. Er machte einen Appell: "Liebe Schwestern und Brüder, was auch immer Sie heute getan haben und tun werden, es kann bleibenden Wert haben. Es kann diesen bleibenden Wert aber nur haben, wenn es eingeht in die große Umwandlung der Welt." Denn alles Fleisch sei berufen mitzubauen an Gottes Reich.

"Wir haben als Erstlingsgabe den Heiligen Geist"

Dazu bedürfe es aber der Überwindung von Subjektivismus: "Nichts von dem, was uns als Subjekt und Person ausmacht, soll an der Garderobe abgegeben werden." Das heißt: Wenn jeder nur für sich in eingegrenzter Subjektivität, in Egoismus oder im Schauen auf die eigenen Grenzen vor sich hinarbeite, sei die Mühe vergebens.

"Hier aber in der Kirche sind wir zusammengekommen, um uns gemeinsam auszurichten auf Gott hin." Und so könne das, was jeder sei und leiste beitragen zu dem einen Werk. Das gelte auch, wenn die Menschen manchmal aus tiefem Herzen seufzten, weil die Fakten so wenig eindeutig scheinen würden. "Wir haben als Erstlingsgabe den Heiligen Geist", erinnerte der Domkapitular. Gott selbst spreche zum Herzen des Menschen.

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