Domkapitular Günter Assenmacher am Zweiten Fastensonntag

Predigten: Domkapitular Günter Assenmacher am Zweiten Fastensonntag (25.02.2018)

Dem Bericht über die Verklärung Jesu ging das Bekenntnis des Petrus voraus: Du bist der Messias. Und Jesus habe sein bevorstehendes Leiden angekündigt. Beides gehöre zur Aussage über Jesus: das Kreuz und die messianische Würde und Herrlichkeit. „Mein geliebter Sohn - auf ihn sollt ihr hören“.

Was ist das für ein Gott?

Domkapitular Günter Assenmacher stellt am Beginn der Predigt folgende Fragen: Was ist das für ein Gott, der nicht nur den Abraham in dieser ungeheuerlichen Weise eine Probe auferlegt, sondern, der diesen Weg mit seinem eigenen Sohn durchzieht? Warum konnte Jesus nicht, wie andere große Menschen auch, in Frieden seine Lehre verkünden und dann in Frieden sterben? Was ist das für ein Gott, der von Abraham die Bereitschaft erfordert, seinen Sohn zu opfern? Was ist das für ein Opfer, das er mit seinem eigenen Sohn selbst bringt?

Wenn man sich allerdings mit diesen Fragen weiter auseinandersetze, komme man in eine Sackgasse. Vielleicht müsse man daher fragen: Was ist das für eine Welt, die nur für diesen Preis erlöst werden können? "Homo homini lupus": "Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist". Wir Menschen leben auf Kosten anderer Menschen und machen andere Menschen zu Opfern. Daher sei Jesus von seinem Vater für uns Menschen in diese Welt geschickt worden. Allein würden wir mit all dem Leid nicht fertig werden, auch wenn wir uns gegenseitig helfen – dafür musste Gott seinen Sohn in die Welt senden.

Blick von oben: Jesus am Kreuz

Wir sind auf dem Weg nach Jerusalem und dürfen nicht vergessen, was bis Ostern geschieht. Wir wissen, dass sich an Ostern alles wendet – müssen aber bis dahin aushalten und hinschauen. In seinem Portemonnaie habe Domkapitular Assenmacher nicht nur alle wichtigen Dokumente und Geld für den Alltag, sondern auch ein Andachtsbildchen von Schwester Ancilla, der Priorin des hiesigen Karmelklosters.

Es zeigt Jesus am Kreuz, aus einer Perspektive, die man nicht gewohnt sei: aus der Sicht von oben. Es ist keine Perspektive, die ein Mensch einnehmen konnte, sondern die Sicht, die göttlich ist. Gott stehe nicht abseits und unbeteiligt, sondern er schaut auf seinen Sohn und sieht, dass er am Kreuz stirbt und leidet. Gott leidet mit ihm und mit allen, die leiden. Diese Zusage dürfe man nicht vergessen, wenn man das Evangelium von der Verklärung höre.

DOMRADIO.DE übertrug am zweiten Fastensonntag das Kapitelsamt in lateinischer Sprache aus dem Kölner Dom mit Domkapitular Günter Assenmacher.

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