Ein "Thanksgiving"-Truthahn
Ein "Thanksgiving"-Truthahn

25.11.2021

Vor 400 Jahren wurde erstmals Thanksgiving gefeiert Vom Truthahn zum Kaufrausch

Thanksgiving ist in den USA das vielleicht wichtigste Familienfest, noch vor Weihnachten. Wenn der US-Präsident zwei Truthähne begnadigt, weiß man, es ist wieder soweit. 2021 jährt sich die Tradition zum 400. Mal.

Am vierten Donnerstag im November kommt in den USA die Familie zusammen und versammelt sich um einen dampfenden Truthahn. Das Land steht still - es ist Thanksgiving. Die Menschen sagen Dank, bevor gemeinsam das traditionelle Festmahl verspeist wird.

Manche US-Amerikaner verkleiden sich sogar als Pilgerväter, wie jene Menschen genannt werden, die 1620 mit dem Schiff «Mayflower» von England in die Neue Welt kamen. Sie feierten 1621, also vor 400 Jahren, ihr erstes Thanksgiving; als Dank für eine reichhaltige Ernte nach einem schwierigen Start.

Vierter Donnerstag im November

Das Datum ist nicht unumstritten, denn im heutigen Bundesstaat Virginia soll bereits 1619 ein gut dokumentiertes Fest englischer Siedler stattgefunden haben. Einige Historiker verweisen sogar auf das 16. Jahrhundert, als spanische Siedler in Texas oder Florida schon Dank sagten. Weitere Beispiele ließen sich anführen.

Auch das Datum variierte, bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts dann in der Regel der vierte Donnerstag im November sich durchsetzte.

US-Präsident Abraham Lincoln bestimmte dann im Oktober 1863, mitten im Amerikanischen Bürgerkrieg, dass von nun an der letzte Donnerstag im November dem Dank an «unseren liebenden Vater, der da wohnt im Himmel», gewidmet sein solle. Seit 1942 ist es wieder der vierte Donnerstag. Thanksgiving ist ein nationaler Feiertag.

Thanksgiving erinnert an erste Siedler Amerikas

Egal, ob und wo zum ersten Mal ein Fest der Danksagung gefeiert wurde: Im allgemeinen Bewusstsein ist Thanksgiving mit den Pilgervätern und der «Mayflower» verbunden, einem Gründungsmythos der USA. Sie ließen sich im heutigen Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts nieder, wo mit einem Museum das Andenken an die Siedler wachgehalten wird.

Der erste Winter war schrecklich; mehr als die Hälfte der Besatzung starb. Im März 1621 nahm die indigene Gemeinschaft der Wampanoag den ersten Kontakt zu den Überlebenden auf. Sie zeigten ihnen, wie sie Mais anpflanzen konnten, wo man fischen ging und wie man Biber jagte.

Im Herbst fuhren die Siedler eine fantastische Ernte ein - und beschlossen, ein großes Fest der Danksagung zu feiern, gemeinsam mit den Wampanoag.

Das gute Einvernehmen zwischen den Siedlern und den indigenen Gemeinschaften zerbrach allerdings sehr schnell. Für die First Nations ist Thanksgiving daher kein Tag der Freude - im Gegenteil.

Ein umstrittenes Andenken

Die Organisation United American Indians of New England ruft auch in diesem Jahr, wie seit 1970, dazu auf, Thanksgiving als Tag der Trauer zu begehen. Für sie ist der Tag eine Erinnerung an «den Genozid an Millionen von Natives, an den Diebstahl ihres Landes und der Auslöschung ihrer Kultur». Sie wollen an diesem Tag ihre Vorfahren ehren und die Resilienz der Indigenen feiern.

So oder so ist Thanksgiving ein Tag mit besonderen Herausforderungen.

Thanksgiving heute

Einen Truthahn plus die traditionellen Beilagen auf den Tisch zu bringen, bedeutet viel Arbeit, die zudem von Vegetariern oder Veganern in der Verwandtschaft nicht unbedingt geschätzt wird.

Hinzu kommen auch in diesem Jahr wieder die Zusatzbelastungen durch die Corona-Pandemie. Und eine Frage schafft es, schon im Vorfeld die gute Stimmung komplett zu zerstören: Nur Geimpfte an den Tisch? In den USA ist Impfen zu einem Glaubenssatz geworden, dessen Bruchlinie ziemlich genau mit der Parteipolitik übereinstimmt.

Auf Thanksgiving folgt dann der «Black Friday», auf Deutsch «Schwarzer Freitag». An diesem Brückentag fällt der Startschuss für den Weihnachtseinkauf, wenn der Einzelhandel in den USA versucht, mit Rabatten die Kauflaune anzukurbeln.

Thanksgiving hat sich in Deutschland nicht durchsetzen können; die klassische Tradition des Erntedankfests ist zu stark. Doch im Internet laufen auch schon die ersten Black-Friday-Aktionen, mit denen auch Käufer in Deutschland umworben werden.

Christiane Laudage
(KNA)

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