Konflikt in Afghanistan
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Deutsche Bischöfe
Deutsche Bischöfe

21.09.2021

Bischöfe wollen weitere humanitäre Hilfe für Afghanistan Spielräume für Hilfen auszuloten

Die deutschen Bischöfe haben auch nach der Taliban-Machtübernahme zu weiterer humanitärer Hilfe in Afghanistan aufgerufen. Es sei eine moralische Pflicht zu helfen, sagte Bischof Heiner Wilmer mit Sorge.

"Wir müssen mit den Taliban reden, um Hilfen fortzuführen und auszuweiten", sagte der Leiter der bischöflichen Kommission Weltkirche, Erzbischof Ludwig Schick, am Dienstag in Fulda. "Es droht eine Hungerkatastrophe, das darf uns nicht gleichgültig sein." Es gelte jetzt, neue Spielräume für Hilfen auszuloten, insbesondere auch für Frauen.

Nach Angaben der Bischofskonferenz sind derzeit noch die beiden kirchlichen Hilfsorganisationen Misereor und Caritas international in Afghanistan tätig. Viele laufende Projekte könnten derzeit aber nicht fortgeführt werden. Alle deutschen Mitarbeiter hätten das Land verlassen.

Pflicht zur Hilfe

Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Heiner Wilmer, sprach von einer moralischen Pflicht zur Hilfe. Er sorge sich insbesondere um die Afghaninnen und Afghanen, die mit deutschen Entwicklungsorganisationen zusammengearbeitet haben.

"Wir haben Informationen, dass die Taliban derzeit entsprechende Namenslisten erstellen, das verheißt nichts Gutes", sagte der Hildesheimer Bischof. Er befürchte, dass die in den vergangenen Jahren gelungene Bildung und Emanzipation von Mädchen und Frauen in einer Katastrophe ende.

Zugleich forderte Wilmer eine umfassende Analyse, warum viele Ziele des Afghanistan-Einsatzes nicht erreicht worden seien und der Westen nun vor den "Trümmern des internationalen Engagements" stehe. Er kritisierte, das militärische Eingreifen in Afghanistan habe zu wenig die Interessen und die Kultur der Menschen vor Ort berücksichtigt. Es sei von eigenen "kurzfristigen Sicherheitsinteressen" geprägt gewesen.

Einsatz der Bundeswehrsoldaten würdigen

Der katholische deutsche Militärbischof Franz-Josef Overbeck betonte, auch Bundeswehrsoldaten und ihre Angehörigen hätten einen hohen Preis für den Einsatz gezahlt. Auch deshalb müssten die deutsche Gesellschaft und die Politik den Einsatz der Bundeswehrsoldaten würdigen und aufarbeiten.

Den Soldatinnen und Soldaten solle in der "Bewältigung der Folgen" jede Unterstützung zuteilwerden, die sie benötigten, forderte der Essener Bischof. Er beschrieb zugleich das große Leid der afghanischen Bevölkerung, die "jetzt unter dem Regime der Taliban leben muss".

Schwere Belastung

Overbeck erinnerte an 59 in Afghanistan getötete Bundeswehrsoldaten; viele weitere seien an Körper und Seele verwundet worden: "Das, was die Soldaten im Einsatz erleben und erleiden mussten, prägte und veränderte häufig auch den Lebensalltag vieler Angehöriger in Deutschland."

Zuletzt hätten der Abzug der Soldaten und das Chaos am Flughafen Kabul tiefe Spuren hinterlassen, sagte Overbeck. "Soldaten mussten vor Ort miterleben, wie alles, wofür sie jahrelang eingetreten sind, in einem Desaster endete. Die Gewissheit, zahlreiche Menschen nicht weiter vor dem Zugriff der Taliban schützen zu können, bleibt für viele Soldaten eine schwere Belastung."

Der Bischof sicherte den Soldatinnen und Soldaten weitere Unterstützung und Hilfen der Militärseelsorger zu. Dazu gehöre auch, die Erfahrungen des Afghanistan-Einsatzes intensiv aufzuarbeiten.

Volker Hasenauer
(KNA)

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