Symbolbild: Mann mit Farben der Revolution in Belarus im Gesicht
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Renovabis-Kongress
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Belarus, Minsk: Die weißrussische Polizei verhaftet den Journalisten Roman Protasewitsch (2.v.l).
Belarus, Minsk: Die weißrussische Polizei verhaftet den Journalisten Roman Protasewitsch (2.v.l).

25.05.2021

Renovabis ist besorgt über die Lage in Belarus Sogar weißrote Jogginghosen sind strafbar

Wie geht es dem verhafteten Blogger Roman Protasewitsch? Das katholische Osteuropahilfswerk Renovabis macht sich um den Oppositionllen und auch dessen Freundin große Sorgen und spricht von harten Repressionen in Belarus.

DOMRADIO.DE: Offenbar hatte die belarussische Regierung ein Passagierflugzeug, das auf dem Weg von Athen nach Vilnius war, unter Vorgabe einer falschen Bombendrohung über Belarus umgeleitet und mit einem Kampfjet zur Landung in Minsk gezwungen. Am Flughafen wurde der regimekritische Blogger Roman Protasewitsch dann verhaftet. Was haben Sie gedacht, als Sie von dem Vorfall gehört haben?

Dr. Angelika Schmähling (Referentin für Belarus bei Renovabis): Ich war natürlich absolut geschockt und sprachlos. Denn das ist doch ein sehr, sehr, sehr ungewöhnliches Vorgehen und letztlich ein neuer Tiefpunkt in einer Reihe von Repressionen. Natürlich denke ich besonders jetzt an Roman Protasewitsch und seine Freundin, die jetzt in belarusische Untersuchungshaft sind und wie die Haftbedingungen dort sind, wie es den beiden geht. Wahrscheinlich sehr schlimm.

DOMRADIO.DE: Noch gestern Abend strahlte das belarusische Fernsehen ein Geständnis-Video des Bloggers aus. Protasewitschs Mutter appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich für ihren Sohn einzusetzen. Was droht denn dem 26-jährigen Mann jetzt?

Schmähling: Wohl in jedem Fall eine längere Haftstrafe. Das sind diese Vorwürfe, Anstiftung von Massenunruhen, möglicherweise auch Terrorismus. Und so etwas wird derzeit sehr streng bestraft.

DOMRADIO.DE: In den vergangenen Monaten haben wir in den deutschen Medien eher wenig aus Belarus gehört. Was war denn zuletzt aus der Protestbewegung, den Massendemonstrationen geworden?

Schmähling: Ja, das ist tatsächlich sehr ruhig geworden. Diese Massenproteste sind einfach nicht mehr möglich, das würde alles schrittweise zurückgedrängt. Es gibt jetzt nur noch kleine Aktionen, wo Leute auch nur mal ganz kurz etwas im Internet posten können oder so.

Das Symbol der Proteste war und ist diese weißrotweiße Fahne. Sie wurde als extremistisches Symbol eingeordnet. Das heißt, allein die Verwendung dieser Farbkombination kann jetzt zu Geldstrafen und Haftstrafen führen. Tatsächlich kann es passieren, dass Leute vielleicht eine Jogginghose mit einem weißroten Streifen drauf anhaben. Das kann zu einer Verhaftung führen.

DOMRADIO.DE: 15 Prozent der Belarusen sind katholisch. Wie positioniert sich die Kirche zu dieser Protestbewegung?

Schmähling: Die Kirche hatte sich tatsächlich sehr deutlich geäußert. Und zwar gegen die Gewalt, die vom Sicherheitsapparat ausgegangen ist, der ja sehr brutal die Protestierenden verfolgt hat. Inzwischen ist die katholische Kirche auch etwas vorsichtiger geworden in ihren Äußerungen, einfach weil sie ihre Seelsorge und ihre sozialen Projekte nicht gefährden darf.

Trotzdem gibt es immer noch deutliche Stellungnahmen. Gerade aktuell hat der emeritierte Erzbischof von Minsk sich zu Pfingsten wieder geäußert. Er hat um den Heiligen Geist gebeten, um die Erneuerung von Belarus zu einem Land, in dem Respekt, Vergebung, Gerechtigkeit und Frieden herrschen. Das zitiere ich mal so. Und wenn man jetzt in Belarus Gerechtigkeit und Frieden fordert, dann ist das im Grunde eine hochpolitische Äußerung.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn schon katholische Reaktionen auf die Festnahme von Roman Protasewitsch und seiner Freundin?

Schmähling: Da gab es, soweit ich weiß, noch kein Statement. 

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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