Anti-Mafia-Richter auf Sizilien seliggesprochen

"Zeuge für die Gerechtigkeit des Gottesreiches"

Der im Kampf gegen das organisierte Verbrechen ermordete Richter Rosario Livatino ist am Sonntag im sizilianischen Agrigent seliggesprochen worden. Papst Franziskus bezeichnete Livatino beim Mittagsgebet als Vorbild für alle Richter.

Italienische Carabinieri vor einer Kirche / © Annamaria Loconsole (dpa)
Italienische Carabinieri vor einer Kirche / © Annamaria Loconsole ( dpa )

An der Zeremonie in der Kathedrale durften wegen anhaltender Corona-Pandemie nur wenige Kleriker, Angehörige und Gläubige teilnehmen. Das italienische Fernsehen übertrug die Feier live.

Kardinal Marcello Semeraro / © Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Marcello Semeraro / © Romano Siciliani ( KNA )

Kurienkardinal Marcello Semeraro, Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, würdigte den populären Juristen in seiner Predigt als "Märtyrer Christi". Livatino sei ein "Zeuge für die Gerechtigkeit des Gottesreiches". Das blutverschmierte Hemd des neuen Seligen wurde in einem Reliquienschrein ausgestellt. Künftiger Gedenktag für den Ermordeten ist der 29. Oktober.

Vorbild für alle Richter

Papst Franziskus / © Alessandra Tarantino/AP (dpa)
Papst Franziskus / © Alessandra Tarantino/AP ( dpa )

Papst Franziskus bezeichnete Livatino beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz als Vorbild für alle Richter. Der junge Mann habe sich im Kampf gegen die Mafia niemals korrumpieren lassen, lobte das Kirchenoberhaupt. Stattdessen sei der Sizilianer - bis zu seinem heldenhaften Tod - ein "Zeuge des Evangeliums" gewesen.

Livatino, Beamter der Staatsanwaltschaft in Agrigent und ab 1989 Richter, war am 21. September 1990 durch ein Kommando der kriminellen Organisation Stidda erschossen worden. Franziskus erkannte den Tod des 37 Jahre alten überzeugten Katholiken vor einigen Monaten per Dekret als Martyrium an.

Das Datum der nun erfolgten Seligsprechung erinnert an den Besuch von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) in Agrigent, wo er in einer historischen Rede am 9. Mai 1993 der Mafia das Gericht Gottes androhte.

Seligsprechung

Bei einer Seligsprechung stellt die katholische Kirche durch Urteil des Papstes fest, dass ein gestorbener Mensch vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist. Daraus ergibt sich die offizielle Empfehlung, diese Person als Vorbild und Fürsprecher bei Gott anzunehmen. Selige werden im Gegensatz zu Heiligen nur regional verehrt. Der Seligsprechung kann aber eine Heiligsprechung und damit die weltweite Verehrung der betreffenden Person folgen.

Unterlagen zum Seligsprechungsverfahren / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Unterlagen zum Seligsprechungsverfahren / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA