Myanmar: Demonstranten halten Portraits von Aung San Suu Kyi hoch
Myanmar: Demonstranten halten Portraits von Aung San Suu Kyi hoch
Demonstrantin mit einem Schild "Pray for Myanmar"
Demonstrantin mit einem Schild "Pray for Myanmar"

01.04.2021

Myanmar-Expertin warnt vor Eskalation im Land "Niemand ist sicher"

Das Militär in Myanmar hat vor zwei Monaten die Macht übernommen. Doch trotz der sich immer weiter zuspitzenden Lage gebe es eine hohe Solidarität mit den Demonstrierenden im Land, sagt die Myanmar-Expertin Margarete Rosskopf.

DOMRADIO.DE: Das Auswärtige Amt hat am Mittwoch allen Deutschen die Ausreise aus Myanmar empfohlen. Hat sich die Lage nochmal geändert?

Margarethe Rosskopf (Myanmar-Expertin des Hilfswerks missio in Aachen): Die Lage hat sich drastisch verschärft. Es besteht daher die Gefahr einer blutigen Niederschlagung des Widerstands, wie wir das schon von 1988 und 2007 kennen.

In diesem Widerstand haben sich Phasen abgezeichnet. Der Putsch passierte am 8. Februar. Während der ersten vier Wochen hat sich das Militär auf eine einschüchternde Wirkung von gelegentlicher Gewaltanwendung beschränkt. Ab der fünften Woche kamen dann die harten Reaktionen. Es wird seitdem scharf geschossen. Zwischendurch wurden Drohungen ausgesprochen, dass die Leute ihren Tod riskieren. Seitdem eskaliert die Gewalt. In den letzten Tagen waren es über 500 Tote, wahrscheinlich sind es in der Zwischenzeit noch mehr.

Es werden in nächtlichen Razzien Häuser und Wohnungen durchsucht, Personen willkürlich verhaftet. Mit Hilfe von Überwachungstechnologien finden Überwachungen und Profiling statt. Die Devise des Militärs scheint zu lauten: Niemand ist sicher.

DOMRADIO.DE: Wie geht es den Menschen vor Ort?

Rosskopf: Die Lage für die Menschen verschlimmert sich auf verschiedene Weise. Zum einen natürlich durch die gezielt geschürte und wachsende Angst und Frustration. Trotzdem haben sie noch sehr viel Mut, vor allem die jungen Leute. Sie lassen sich nicht einschüchtern, weil sie um ihre Zukunft kämpfen.

Auf der anderen Seite ist natürlich die alltägliche Situation sehr schwierig. Es sind zum Beispiel die Banken geschlossen. Das heißt, selbst wenn Leute Geld haben, kommen sie an ihr Geld nicht ran. Viele haben keine Jobs mehr, auch durch den Generalstreik, aber auch durch die Folgen der Covid-19-Pandemie.

Viele Leute haben kein Geld. Das heißt aber auch kein Geld, um Lebensmittel zu kaufen. Und bei Krisen schießen die Preise für Grundnahrungsmittel und die wichtigsten Dinge des täglichen Bedarfs einfach in die Höhe. Das bringt viele Familien in große Schwierigkeiten. Partner haben uns mitgeteilt, dass viele Familien hungern, sodass sie dazu übergegangen sind, nicht nur Demonstrierende mit Nahrung und Wasser zu versorgen, sondern mittlerweile auch ganz normale Familien.

DOMRADIO.DE: Wie positioniert sich die katholische Kirche in Myanmar?

Rosskopf: Die katholische Kirche, zusammen mit allen christlichen Kirchen und unterstützt auch von etlichen anderen Religionen, bestärkt alle Formen des friedlichen Protests. Die Forderungen der Demonstrierenden, der Bevölkerung nach Ende des Militärregimes und für Demokratie unterstützt sie uneingeschränkt.

Kardinal Bo hat schon im Februar die jungen Leute, die den Protest wesentlich tragen, in seiner Ansprache wirklich bestärkt. Er beschwört alle, friedlich zu bleiben. In der Zwischenzeit unterstützen nicht nur die Bischofskonferenz Myanmars, sondern auch die Bischöfe der Asiatischen Bischofskonferenz diesen Aufstand. Es gibt viele Solidaritätsbriefe von den Bischöfen in Korea und Japan und vielen anderen Ländern.

DOMRADIO.DE: Auch Papst Franziskus hat sich eingeschaltet. Ist es denn für die Christen vor Ort wichtig, dass sich der Papst und auch verschiedene Bistümer da klar an der Seite der Demonstranten positionieren?

Rosskopf: Ja, das ist für die Bevölkerung extrem wichtig. Sie nehmen Kirche, aber auch andere Religionsgemeinschaften als unterstützende Faktoren wahr und sind sehr spirituelle Menschen, die gerade diese spirituelle Unterstützung sehr schätzen. Das gibt ihnen Kraft, das zu ertragen, was sie ertragen müssen.

Und unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit hat ja der Besuch von Papst Franziskus im November 2017 viele Bürger in Myanmar erreicht und auch sehr bewegt. Er hat damals mit Vertretern aus allen Gruppen gesprochen. Auch mit den Generälen hat er gesprochen und ihnen ins Gewissen geredet.

Das sind schon wichtige Faktoren. Wobei eben klar ist, was die Forderungen sind: Das Ende des Militärputsches und friedliche Lösungen auf dem Verhandlungsweg finden, weil alles andere nur in die absolute Katastrophe führen würde.

(DR)

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