Christus Kirche in Malakka, Malaysia
Christus Kirche in Malakka, Malaysia

24.03.2021

Neuer Streit über Gebrauch des Wortes "Allah" in Malaysia Hass auf Christen entlädt sich

In Malaysia erlebt die Allah-Kontroverse ein Comeback. Ein Gericht entschied im März im Fall zugunsten der Christin Jill Ireland. Seitdem werden Christen im mehrheitlich islamischen Malaysia beleidigt und bedroht.

Die Christin Jill Ireland klagte vor 13 Jahren in Malaysia gegen das Allah-Verbot, nachdem der malaysische Zoll bei ihrer Rückkehr aus Indonesien acht christliche CDs mit der Aufschrift "Allah" beschlagnahmt hatte. Während des ersten Prozesses im Fall von Ireland wurden 2010 in Malaysia elf Kirchen von islamischen Fanatikern mit Brandbomben verwüstet. Jetzt, nach mehr als zehn Jahren, hob das oberste Gericht ein entsprechendes Verbot der malaysischen Regierung auf, "Allah" in christlichen Texten zu gebrauchen.

Seit der ersten Bibelübersetzung in die malaiische Sprache vor über 400 Jahren benutzen malaiische Christen in ihrer Landessprache das arabische Wort für Gott - Allah. Vor mehr als 30 Jahren setzte jedoch die Instrumentalisierung des Islam zum Machterhalt der seit Ende der Kolonialzeit regierenden nationalistisch-islamischen Partei UMNO der Malaien ein.

Die Benutzung des arabischen Wortes für Gott durch Christen könne Muslime verstören und zu Unruhen führen, hieß es. 2013 verbot die UMNO-Regierung von Premierminister Najib Razak der katholischen Wochenzeitung "The Herald" die Verwendung von Allah in ihrer malaiischsprachigen Ausgabe. In den folgenden Jahren verlor die Kirche eine Reihe von Klagen gegen das Allah-Verbot.

Politisch heikle Situation

Durch den juristischen Sieg von Ireland ist der Allah-Streit in einer politisch heiklen und instabilen Situation wieder aufgelebt. Vor einem Jahr wurde die im Mai 2018 gewählte Reformregierung von Mohammed Mahathir gestürzt. Nachfolger Muhammad Yassin regiert mit einer dünnen Mehrheit und - offiziell wegen Corona - einer Notstandsgesetzgebung. Die von Yassin versprochenen vorgezogenen Neuwahlen, sobald es die Coronasituation zulässt, könnten schon in der zweiten Jahreshälfte stattfinden. Religion wird dabei einmal mehr zur politischen Waffe im Kampf um die wahlentscheidenden Stimmen der konservativen ländlichen Muslime.

Würden die Religionen Malaysias auf Facebook ihren Beziehungsstatus definieren, müssten sie "it's complicated" anklicken. 60 Prozent der 32 Millionen Malaysier sind Muslime. Mit einem Bevölkerungsanteil von mehr als 10 Prozent sind Christen nach den Muslimen und den Buddhisten die drittgrößte Religionsgemeinschaft.

um multireligiösen Gesicht Malaysias kommt ein multiethnisches. Die muslimischen Malaien stellen die Mehrheit der Bevölkerung. Minderheiten sind - in der Reihenfolge - Chinesen, Inder sowie die Ureinwohner in Sabah und Sarawak, und in diesen beiden malaysischen Bundesstaaten auf der Insel Borneo leben 60 Prozent der Christen. Bei Neuwahlen ist es nicht ausgeschlossen, dass wie 2018 wieder eine multireligiöse und multiethnische Parteienkoalition der Sieger sein wird.

Christenfeindliche Stimmung

In dieser Gemengelage, so politische Beobachter, hat die islamisch-nationalistische Regierung von Muhammad Yassin keine andere Wahl, als gegen das Urteil Berufung einzulegen, wenn sie nicht von den Hardlinern als "anti-islamisch" gebrandmarkt werden will.

Nach dem Ireland-Urteil machte sich in den sozialen Medien eine christenfeindliche Stimmung Luft. In einem zwölfminütigen Facebook-Hassvideo, das tausendfach geteilt und gemocht wurde, rief eine Muslimin zur "Zerstörung der Christen" auf, "wenn sie es wagen, das Wort Allah für Gott benutzen".

Die protestantischen Kirchen Malaysias zeigen in der Allah-Kontroverse Flagge. In einer Stellungnahme lehnte deren Dachverband Council of Churches of Malaysia am 19. März die Initiative des Innenministeriums für einen Dialog zwischen christlichen und islamischen Theologen ab. Es sei "höchst unangemessen, das Problem durch einen vom Innenministerium initiierten Dialog zu lösen", weil eben jenes Innenministerium Berufung gegen das Urteil eingelegt habe, betonte Melter Jiki Tais, Vorsitzender des CCM und anglikanischer Erzbischof von Sabah, in einer Stellungnahme.

Die Katholische Kirche hält sich indes bedeckt. Eine Bitte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) um Stellungnahme zum neuen Allah-Streit lehnte der Erzbischof Julian Leow von Kuala Lumpur "zum jetzigen Zeitpunkt angesichts der Sensibilität des Themas" durch eine Sprecherin ab.

Beugt sich die Regierung dem Druck?

Unterdessen fordern Politiker aller Religionen und fast aller Parteien aus den Landesparlamenten von Sabah und Sarawak die Regierung in Kuala Lumpur auf, die Berufung zurückzunehmen. Lässt sich Malaysias Regierung von den Forderungen der Politiker aus Sabah und Sarawak beeindrucken? "Nein", sagte der Katholik Andrew Khoo mit Bestimmtheit gegenüber KNA.

Khoo, der während des Regimes von Najib einer der Anwälte der katholischen Kirche im Allah-Fall war, sagte weiter: "Es geht um die Rolle der Religion in der Politik auf der (malaiischen) Halbinsel. Die Regierung will als Verfechter und Beschützer des Islam wahrgenommen werden."

Andere mehrheitlich islamische Staaten verfolgen seit Jahren verwundert die Allah-Kontroverse in Malaysia. In einem Editorial schrieb die staatliche Tageszeitung "The National" der Vereinigten Arabischen Emirate schon 2013: "Der Wort Allah war nie ausschließlich für den Islam - in Wirklichkeit haben Christen und Juden das Wort 'Allah' als Bezeichnung für Gott schon vor dem Aufkommen des Islam benutzt." Und weiter: "Das Wort 'Allah' kommt aus dem arabischen 'al-ilah', der Gott. Als solches hat es seinen Weg in die Welt gefunden und kam aus Arabien in die malaiische Sprache."

Michael Lenz
(KNA)

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