Papstmesse zu 500 Jahren Christentum auf den Philippinen
Papstmesse zu 500 Jahren Christentum auf den Philippinen
Eine Frau hält in der einen Hand einen Rosenkranz, in der anderen Hand die Fahne der Philippinen
Eine Frau hält in der einen Hand einen Rosenkranz, in der anderen Hand die Fahne der Philippinen
Fest des Schwarzen Nazareners auf den Philippinen
Fest des Schwarzen Nazareners auf den Philippinen
Inszenierte Kreuzigung auf den Philippinen
Inszenierte Kreuzigung auf den Philippinen

16.03.2021

Die Christianisierung der Philippinen begann vor 500 Jahren "Ein Ordensmann war hundert Soldaten wert"

1521 landete Fernando Magellan auf den Philippinen, womit die Kolonialisierung des Archipels begann. Dabei gingen die Eroberer weniger brutal vor als in Amerika und hinterließen das größte katholische Land Ostasiens.

Anno Domini 1564: Aus dem Expeditionsauftrag im Namen des Vizekönigs von Mexiko an Miguel Lopez de Legazpi: "Innerhalb der Ansiedlung, die Sie (getrennt von den Wohnstätten der Eingeborenen) errichten werden, haben Sie eine Kirche zu erbauen, damit die Messe gelesen werden kann, und daneben ein Haus und eine Herberge für Ordensleute, die mit Ihnen gehen.

Sie sollen jede Bequemlichkeit finden und die nötige Ruhe haben, damit die Spanier in ihren geistlichen Nöten zu ihnen kommen und die Eingeborenen umso lieber mit ihnen verkehren können."

Für Spanier und Portugiesen stand im 16. Jahrhundert die katholische Mission mit an vorderster Stelle ihrer Kolonialexpeditionen. Eine Folge der Reconquista des eigenen Landes im 15. Jahrhundert wie auch eine externe Reaktion auf die europäische Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

Magellan landet in Cebu

Und so stach am Morgen des 21. November 1564 Comandante Legazpi mit fünf bewaffneten Schiffen von Barra de Navidad an der mexikanischen Westküste in See. Mit dem Auftrag, "die Gewürzinseln" zu finden und den katholischen Glauben zu verbreiten, landete er am 13. Februar auf der Insel Cebu.

Die Philippinen, zu denen Cebu gehört, tragen ihre Kolonialgeschichte bis heute im Namen: "Las Felipinas" waren sie getauft worden zu Ehren des spanischen Infanten Philipp (Felipe). Für Europa entdeckt hatte sie vor 500 Jahren Fernando Magellan: ein abtrünniger Portugiese im Dienst des spanischen Königs, Kaiser Karl V., in dessen Reich die Sonne seither nie untergehen sollte.

Anfang März 1521, nach fast vier Monaten auf dem Pazifik, ohne Land in Sicht, krank und dem Hungertod nahe - 19 Mann waren bei der Überfahrt gestorben - erreichten Magellan und seine verbliebenen 150 Mann vermutlich Guam und zehn Tage später, am 16. März, die Insel Homonhon. Den malaiischen Namen gab Magellan selber dem Eiland: "Insel der Wasserstelle voll guter Zeichen". Doch die "guten Zeichen" trogen.

Zwar schafften Magellan und seine Leute es, den Fürsten von Cebu zum Christentum zu bekehren. Auf der kleineren Nachbarinsel Mactan jedoch wollte Häuptling Lapu-Lapu weder vom Christentum noch von spanischer Herrschaft etwas wissen. Ein Angriff auf Mactan am 27. April scheiterte, Magellan selber starb beim Rückzugsgefecht. Berichten zufolge war es Lapu-Lapu selber, der Magellan mittels der bis heute praktizierten philippinischen Kampfkunst niederstreckte. Ein Denkmal an dem Ort preist den Nationalhelden als "ersten Filipino, der europäische Aggression zurückschlug".

Gut 40 Jahre später fassten die Spanier dennoch Fuß - und blieben fast 400 Jahre lang. Da aber verhältnismäßig wenige Siedler die Philippinen interessant genug fanden sich niederzulassen, prägten sie das Land weniger als Lateinamerika.

Im Expeditionsauftrag von 1564 an Legazpi, der die Kolonialisierung der Philippinen begründete, hieß es weiter: Die Expediteure "haben besonders darauf zu achten, dass bei allen mit den Eingeborenen zu führenden Verhandlungen einer der Ordensleute (...) anwesend sei, damit Sie sich seinen Rat und seine Anschauung zu Nutzen machen können, und auch damit die Eingeborenen sehen und verstehen können, wie angesehen diese sind; wenn sie sehen und bemerken, welche Verehrung die Soldaten diesen bezeigen".

"Ein Ordensmann war hundert Soldaten wert"

Während staatliche Verwaltungsbeamte meist nur wenige Jahre auf den Philippinen blieben, Ordensleute aber ihr Leben lang, lebten diese sich besser ein und erhielten mehr Einfluss. "Ein Ordensmann war hundert Soldaten wert", hieß es 1605 in einem Brief an den spanischen König. Und so trafen immer mehr Missionsorden ein: mit Legazpi bereits 1565 die Augustiner-Eremiten, 1578 die Franziskaner, drei Jahre später die Jesuiten, gefolgt von den Dominikanern 1587.

Obwohl der Kolonialstaat auf den Philippinen "keineswegs ohne politisch-militärischen Druck auskam", so der Kolonialismus-Experte Horst Gründer, "besaß eine christlich motivierte Kolonialethik und eine tolerantere Kolonialmethode auf den Philippinen doch eine gewisse Chance". Vor allem weil die Orden diese Methode konsequent beibehielten, sei der philippinische Archipel zum einzigen katholischen Land des Orients geworden - wenn man vom kleinen Ost-Timor absieht.

Andererseits gingen die Spanier auf den Philippinen auch deshalb weniger gewaltsam vor, weil es dort weniger zu holen gab. Es gab kaum Gewürze und Bodenschätze; lange Zeit blieb das Land der 7.000 Inseln eine Zuschuss-Kolonie.

"Was ferner von besonderer Wichtigkeit ist", schloss die Expeditionsanweisung von 1546, sei, "dass die Ordensleute so bald wie möglich ihre Sprache (der Eingeborenen) verstehen oder Dolmetscher nehmen, um ihnen all das, was zur Erkenntnis unseres heiligen katholischen Glaubens nötig ist, verständlich zu machen, und damit sie ihnen andererseits volles Vertrauen entgegenbringen können."

Leichter hatten es die Missionare auch, weil es dort - mit Ausnahme des Islam im Süden um Mindanao - keine fest verankerte Hochreligion wie in Indien oder China gab. Das christliche Weltbild passte gut auf die eher vage einheimische Religiosität. Am Ende war die im 19. Jahrhundert um sich greifende Unabhängigkeitsbewegung auch inspiriert durch einheimische Seelsorger und andere katholische Intelligenz.

Dem wenig glorreichen Ende spanischer Kolonialherrschaft gedenkt dieser Tage eine Produktion auf Netflix: "1898: Los ultimos de Filipinas" erzählt von einer Gruppe spanischer Soldaten, die in einer Kirche verschanzt sich 337 Tage lang gegen Aufständische wehren.

Zuvor hatten sie die Mahnungen eines Ordensmannes vor Gewalt und Provokation missachtet. Die Konquistadoren wollten es noch einmal wissen - und wurden eines Besseren belehrt.

Roland Juchem
(KNA)

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