Schwestern vom Guten Hirten protestieren in Myanmar
Schwestern vom Guten Hirten protestieren in Myanmar
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Schwestern vom Guten Hirten protestieren in Myanmar
Schwestern vom Guten Hirten protestieren in Myanmar

12.03.2021

Ordensfrauen demonstrieren in Myanmar und fordern internationale Hilfe "Es gibt viele Menschen, die sogar ihr Leben geben würden"

Schwester Rebecca und Schwester Eunan sind schockiert vom Militärputsch in Myanmar. Sie selbst waren bei den Protesten und verpflegen die Demonstranten. Man könne nicht in den Kirchen bleiben, so die Schwestern: "Wir müssen kämpfen."

DOMRADIO.DE: Wie denken die Katholiken in Myanmar über den Militärputsch?

Sr. Rebecca Kay Thi Oo (Provinzleiterin für Ostasien, Schwestern vom Guten Hirten): Wie jeder andere in Myanmar, wie alle Menschen. Die Katholiken sind sehr wütend über die Situation. Es ist eine sehr unglückliche und unerwartete Lage. Am 1. Februar sind wir mit diesen schlechten Nachrichten aufgewacht. Niemand hat es erwartet, weil unser Land schon auf dem Weg in die Demokratie war. Aber jetzt, durch den Militärputsch, geht es wieder zurück.

DOMRADIO.DE: Glauben die Menschen dem Militär, dass es nach einem Jahr eine Rückkehr zur Demokratie geben wird?

Sr. Eunan Lawrence (Teil des Leitungsteams der Provinz): Als eine der Bürgerinnen von Myanmar glaube ich nicht, dass das Militär ewig so weitermachen kann. Denn jeder hier hat die starke Hoffnung und den Glauben, dass die Militärdiktatur eliminiert werden muss. Mit all unserer Kraft und unserer Hoffnung versuchen wir unser Bestes dafür zu tun, dass der Militärputsch schnell zu Ende ist.

Diese Situation darf es nie wieder in unserem Land geben. Sie sagen, dass sie das Land nur für ein Jahr übernehmen wollen. Wir wissen aber genau, dass sie nicht glaubwürdig sind. Sie übernehmen das Land für ein Jahr und machen dann über Jahre so weiter. So ist es in der Vergangenheit viele Male passiert. Wir wollen nicht, dass sich diese Geschichte wiederholt.

Das Militär, das sind nur eine Handvoll Leute. Natürlich haben wir Angst vor ihnen, weil sie Waffen tragen. Wenn sie die Waffen nicht hätten, dann wäre die Macht des Volkes viel stärker als sie.

DOMRADIO.DE: Warum machen bei den Demonstrationen auch viele Ordensschwestern mit?

Sr. Rebecca: Weil wir Bürger von Myanmar sind. Alles, was in Myanmar passiert, betrifft auch die Ordensleute. Bereits in der Vergangenheit hat es Menschenrechtsverletzungen gegeben. In den letzten Jahren mussten wir sogar feststellen, dass unsere Rechte als Ordensleute nicht geachtet werden. Wir als Ordensleute können immer noch nicht wählen. Für viele, viele Jahre sind Rechte verletzt worden. Wir können unsere Augen und unsere Ohren nicht schließen, während Menschen nach sozialer Gerechtigkeit rufen. Die katholische Kirche lehrt, dass wir die Menschenrechte verteidigen müssen und die Würde aller Kinder Gottes.

Also müssen wir uns mit den Menschen zusammenschließen und sie unterstützen. Als Ordensfrauen ist die Mission unserer Gemeinschaft, die Rechte und die Würde der Menschen hochzuhalten. Wie Papst Franziskus sagt: Wir müssen auf die Straße. Wir können nicht in unseren Kirchen beten und uns in Sicherheit wiegen. Wir müssen handeln und zusammen mit den Menschen kämpfen.

DOMRADIO.DE: Nehmen die Schwestern Ihrer Gemeinschaft auch an den Demonstrationen teil?

Sr. Rebecca: Ja, natürlich. Wir waren die Ersten, die raus auf die Straße zu den Menschen gegangen sind. Junge Menschen sind es, die die Proteste anführen. Sie haben einen sehr, sehr positiven Blick darauf. Sie haben gesagt, dass sie bereit sind alles zu tun, um für die Demokratie zu kämpfen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Wir haben immer noch Hoffnung, dass wir gewinnen werden - und dass das nur eine Frage der Zeit ist. Wir gehen nicht mit Schmerz und einer negativen Einstellung auf die Straße. Wir gehen zusammen auf die Straße. Es gibt ein Gefühl der Einheit - dass wir zusammen gegen dieses Militärregime kämpfen können. Es gibt viele Menschen, die sogar ihr Leben geben würden. Es ist wundervoll zu sehen, wie die Leute vereint sind. Jeder gibt das, was er hat. Als Gemeinschaft machen wir das auch: Wir stellen Getränke und Mahlzeiten zur Verfügung, wenn die Demonstranten auf der Straße sind und hungrig werden.

DOMRADIO.DE: Verbinden die Proteste auch die Religionen?

Sr. Eunan: Christen, Buddhisten und auch Muslime. Menschen verschiedener Religionen nehmen an den Protesten teil - mit der gleichen Einstellung und dem gleichen Ziel: den Militärputsch zu beenden.

Als ich auf der Straße bei den Menschen war, habe ich wirklich diese Einheit gefühlt und die positive Energie, die sich unter den Demonstranten ausbreitet. Das gibt uns Hoffnung. Es bestärkt mich darin, den Kampf für die Demokratie fortzusetzen. Ich fühle die Solidarität. Ich sehe Menschen, die ihre Mitmenschen beschützen. Sie kämpfen für ihre Zukunft. Sie wollen ihre Zukunft nicht zerschmettert sehen von den brutalen Taten des Militärs.

DOMRADIO.DE: Hatten Sie Angst, als Sie mit den Menschen demonstrierten?

Sr. Eunan: Als ich am Tag des nationalen Streiks auf der Straße war, hatte ich keine Angst. Aber in den letzten Tagen hat das Militär begonnen sehr gewalttätig zu agieren.

Um ehrlich zu sein, fürchte ich mich nicht davor, dass sie mir gegenüber brutal sind. Ich habe die Angst, dass sie die Menschenrechte meines Volkes und die der Schwestern meiner Gemeinschaft verletzen werden. Das ist schon in der Vergangenheit passiert: Wenn Sie nicht die verantwortliche Person erwischen, dann erwischen sie Familienmitglieder oder irgendjemanden, der mit dieser Person in Verbindung steht. Diese Art von Bedenken hatte ich im Kopf.

Sr. Rebecca: In diesen Tagen tötet das Militär, foltert und nimmt Menschen fest. Wir sind davon überzeugt, dass wir überleben müssen, wenn wir für diese Demokratie kämpfen wollen. Deshalb sind wir besonnen und konfrontieren die Soldaten nicht. Sie haben Waffen. Sie können Menschen töten. Wir müssen jetzt überleben, um für die Zukunft unseres Volkes zu kämpfen. Deshalb sind wir in den letzten Tagen drinnen geblieben. Gleichzeitig sind unsere Herzen und unsere Gedanken bei den jungen Menschen, die immer noch jeden Tag auf die Straße gehen.

DOMRADIO.DE: Was erwarten Sie von der Weltpolitik?

Sr. Eunan: Aus politischer Perspektive erwarten wir Hilfe von anderen Ländern. Die Menschen rufen nach Schutz.

Wir hoffen auf eine internationale Reaktion. Aber bisher ist nichts passiert. Um für mich selbst zu sprechen: Ich bin nicht zufrieden mit den Erklärungen der Vereinten Nationen oder den Botschaftern in Myanmar. Das ist nicht genug. Wir brauchen sofortige Hilfe, um unser Volk zu beschützen. Ich sehe mein Volk jeden Tag sterben. Ich will nicht, dass die Menschen so leiden. Sie vergießen ihr Blut. Die Zahl der Toten steigt jeden Tag.

Ich möchte, dass die internationale Gemeinschaft uns hilft und uns unterstützt, um die Militärbrutalität zu stoppen, die in meinem Land herrscht.

Sr. Rebecca: Wir brauchen wirklich mehr Aktionen gegen den Militärputsch. Sie töten jeden Tag Menschen. Auch jetzt gerade. Sie töten nicht mehr nur mit Waffen. Sie foltern die Menschen zu Tode. Es bricht mein Herz zu sehen, was unserem Volk angetan wird. Das Militär verletzt internationale Gesetze. Sie verletzen die UN-Charta, die sie selbst unterschrieben haben. Sie interessieren sich nicht für die Stellungnahmen der Vereinten Nationen. Wir brauchen Reaktionen der internationalen Gemeinschaft oder der Kirche.

Wir leisten zwar Widerstand. Aber wir können der Gewalt nichts entgegensetzen. Wir sind nicht stark genug, um gegen die Soldaten anzukämpfen. Die Vereinten Nationen und alle anderen, die verantwortlich dafür sind, dass Menschenrechte eingehalten werden, müssen sofort handeln.

Sr. Eunan: Kann ich etwas über meine Gefühle sagen?

DOMRADIO.DE: Natürlich, bitte.

Sr. Eunan: Ich habe mit dieser Art der Militärherrschaft mein ganzes Leben gelebt. Dieses System ist böse. Am Tag, an dem der Militärputsch begonnen hat, habe ich mich gefühlt, als wäre meine Zukunft verloren. (Schwester Eunan unterbricht sich, um nicht in Tränen auszubrechen) Meine Zukunft ist zerstört und liegt in Trümmern. Tief in mir herrscht eine tiefe Traurigkeit. Da ist Wut, Enttäuschung - und Ekel.

Es ist ja nicht meine Zukunft. Es ist die Zukunft einer neuen Generation. Ich möchte nicht, dass diese Generation das erleben muss, was ich mein ganzes Leben lang gefühlt habe: Die Abwesenheit von Menschenrechten.

Erst in den letzten fünf Jahren konnten wir die Demokratie schmecken. Es hat viel Entwicklung in jedem Aspekt unseres Lebens gegeben - besonders in der Bildung und im Gesundheitswesen.

Jetzt stecken wir fest. Wir stecken nicht nur fest, sondern unter der Militärregierung wird sich das Land zurückentwickeln.

Ich habe die Angst, dass die folgenden Generationen keine Chance mehr haben werden, Demokratie zu erleben. Das ist das Enttäuschende.

Die Situation hat uns geschüttelt und aufgeweckt. Wir haben jetzt eine neue Klarheit: Wir müssen die Kraft und die Hoffnung haben, dass wir ein selbstbestimmtes Leben führen werden. Aber wir müssen dafür kämpfen.

Das Gespräch führte Gerald Mayer. Das Interview wurde auf Englisch geführt und ist hier in der Originalfassung abrufbar. 

(DR)

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