Lucia Corradin mit einem Baby auf dem Arm im Caritas Baby Hospital in Bethlehem am 18. Januar 2021.
Lucia Corradin mit einem Baby auf dem Arm im Caritas Baby Hospital in Bethlehem am 18. Januar 2021.
Lucia Corradin, franziskanische Elisabethenschwester aus Padua, vor dem Caritas Baby Hospital in Bethlehem am 18. Januar 2021.
Lucia Corradin, franziskanische Elisabethenschwester aus Padua, vor dem Caritas Baby Hospital in Bethlehem am 18. Januar 2021.

24.01.2021

Franziskanerinnen nehmen Abschied vom Baby-Hospital in Bethlehem Wo Ordensschwestern zu Müttern werden

Sie kam, um es sich einmal anzusehen. 18 Jahre später verlässt Schwester Lucia zusammen mit den verbliebenen Mitschwestern das Caritas Baby Hospital in Bethlehem. Damit enden 45 Jahre Einsatz für die Kleinsten.

Lucia Corradin sitzt auf gepackten Koffern. Nach 18 Jahren in Bethlehem kehrt die italienische Ordensfrau gemeinsam mit zwei Mitschwestern nach Padua zurück. Mit dem Abschied der franziskanischen Elisabethenschwestern vom Caritas Baby Hospital (CBH) in der Geburtsstadt Jesu enden 45 Jahre Einsatz im Dienst der christlichen Nächstenliebe und an unzähligen Kindern, ohne Unterschied ihrer Religion.

Die Ordensfrauen sollten nach dem Willen des CBH-Gründers Pater Ernst Schnydrig "Garant einer Präsenz christlicher Werte" in dem Kinderkrankenhaus sein, erzählt Schwester Lucia. Bei einem Besuch in Ägypten war der Schweizer von der Arbeit der Schwestern so angetan, dass er die Ordensoberin umgehend um Entsendung von Schwestern nach Bethlehem bat. "Ohne Zögern sagte sie Ja!" Im Mai 1975 kamen die ersten Schwestern.

Viele Kinder starben auf dem Weg ins Krankenhaus

Als Lucia Corradin in Bethlehem eintraf, war es der 24. Oktober 2002. Kein halbes Jahr war seit der bewaffneten Belagerung der Geburtskirche vergangen, die zweite Intifada tobte, ein weiteres blutiges Kapitel im Nahostkonflikt. "Bethlehem und seine Straßen waren zerstört", erinnert sich Lucia an zwei schwierige erste Jahre. Zu Ausgangssperren kamen von Israel blockierte Krankenwagen, viele Kinder starben noch vor der Ankunft im CBH. In der Konfrontation mit "der Ungerechtigkeit und den Widersprüchen", sagt sie, helfe "nur der Glaube" und die bittere Erkenntnis, "dass ich nichts ändern kann".

Fahr hin und schau es Dir an, hieß der Auftrag, dem die 52-jährige Krankenschwester gehorsam folgte. Dass sie kurz darauf eine der Abteilungen übernehmen sollte, verschwieg man ihr. Schwester Lucia lacht, wenn sie sich an ihre Anfänge in Palästina erinnert: Keine Kenntnisse der Sprache, der Kultur und gehörigen Respekt vor der Verantwortung, die bald auf ihren Schultern liegen würde. Vor allem die vor Ort üblichen Umwege in der Kommunikation habe sie erst lernen müssen. "Als Italienerin war ich es gewohnt, direkt und effektiv zu arbeiten. Hier sagten sie mir: So kannst Du das nicht machen. Du musst mich erst fragen, wie es mir geht, wie es meiner Familie geht, wie den Eltern."

Einblicke in die Lebenssituationen der Menschen

Heute spricht Schwester Lucia nicht nur die Sprache und kann die verschiedenen Dialekte auseinanderhalten. Besuche in den Dörfern haben der Italienerin tiefe Einblicke verschafft, auch schmerzhafte. Mancherorts etwa könnten die Bewohner nicht zwischen einem normal entwickelten Kind und einem mit einer der verbreiteten chronischen Krankheiten unterscheiden. "Die politische Situation und die Besatzung halten die Leute davon ab, sich weiterzuentwickeln. Sie haben keine Gelegenheit, das 'Normale' zu sehen. Ihre Welt ist ihr Dorf."

Nicht nur Schwester Lucia hat in den 18 Jahren viel dazugelernt. Die Ordensgemeinschaft habe sich von der Kontrolle des Krankenhauses gelöst und einen eigenen, interdisziplinären Ansatz entwickelt. Auch das Personal sei "nicht mehr das von vor 18 Jahren: Die Mitarbeiter sind willens und in der Lage, Verantwortung zu übernehmen, sie sind aufgeschlossen und haben das große Ziel verstanden", sagt sie beim Abschied stolz. "Macht weiter, gebt nicht auf und bleibt hier", lautet ihr Wunsch.

Arbeit im Krankenhaus ist ein Privileg

Ein Privileg sei die Zeit in Bethlehem gewesen. Der Satz kommt der lebhaften Italienerin häufig über die Lippen. Er klingt überzeugend. "Auch wenn ich selbst keine physische Schwangerschaft erlebt habe, habe ich im Herzen viele Kinder und Familien, und sie sind ein Geschenk von Gott: Eine Ordensschwester kann wirklich eine Mutter sein."

Als "Seele des Krankenhauses und wichtiger Teil seiner Identität" würdigte Direktor Issa Bandak die Elisabethenschwestern in einer Feierstunde vor Weihnachten. An der Präsenz von Ordensschwestern im Krankenhaus will man auch nach ihrem Weggang festhalten. Entsprechende Klärungen liefen gerade, sagt Sybille Oetliker, Geschäftsleiterin der Kinderhilfe Bethlehem, des gemeinnützigen Trägervereins des CBH.

"Wer immer nach Bethlehem kommt, muss wissen, dass es ein Privileg ist", wiederholt Schwester Lucia noch einmal. In dem Krankenhaus zu dienen bedeute, jeden Tag Weihnachten zu feiern und Jesus zu begegnen, "nicht nur in den Kindern, sondern auch in den Mitarbeitern, den Vätern und den Müttern". Oder, wie es ein Pilger einmal formuliert habe: "Das Caritas Baby Hospital ist die wahre Geburtskirche."

Andrea Krogmann
(KNA)

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