Junge Freiwillige säubern die Straßen in Beirut
Junge Freiwillige säubern die Straßen in Beirut
Nadim Ammann
Nadim Ammann, Leiter des Referats "Hilfen für die Mission" im Erzbistum Köln

25.09.2020

Libanon-Experte zur Lage nach der Explosion im August "Der Winter wird kommen"

Viele Bewohner von Beirut werden ihr Haus ohne Hilfe bis zum Winter nicht repariert haben, sagt Nadim Ammann, der den Libanon regelmäßig besucht. Das Erzbistum Köln hat die Aktion "Gemeinsam für Beirut" gestartet, um vor Ort zu helfen.

DOMRADIO.DE: Sie haben eine ganz persönliche Bindung zum Libanon: Ihre Mutter stammt von dort. Sie besuchen das Land regelmäßig. Kurz vor dem Corona-Ausbruch waren Sie das letzte Mal da. Wie haben Sie das Land erlebt?

Nadim Ammann (Leiter der Diözesanstelle Weltkirche-Weltmission im Erzbistum Köln): Ich war im Februar dort. Schon länger leidet das Land unter einer wirtschaftlichen Krise - schon seit dem letzten Herbst. Das konnte man da gut spüren. Der Libanon ist eigentlich ein Land, in dem man gerne ausgeht und ein fröhliches Leben vorherrscht. Das ist alles in der Form nicht mehr möglich.

Die Libanesen erleben eine Zeit, die sie auch während des Krieges so nicht kannten. Im Krieg konnte man wenigstens noch bei den Banken Geld abheben. Das war nun nicht mehr möglich. Man bekam nur kleine Summen von der Bank in regelmäßigen Abständen. Zum Teil wurde das Geld auch deutlich abgewertet - auch unsere Spenden: Wir haben ein Projekt gehabt mit 25.000 Euro Spenden. Die waren dann umgerechnet nur noch 8.000 Euro wert.

DOMRADIO.DE: Es ist aber viel passiert, seitdem Sie dort waren. Vor allem die schreckliche Explosion im Hafen von Beirut im August: Wie ist die Lage vor Ort?

Ammann: Für die betroffenen Menschen in Beirut ist das natürlich eine riesige Katastrophe. Mittelständler, die sich irgendwie über Wasser halten konnten, die eigentlich ein ganz normales Leben führten, haben jetzt kein Dach über dem Kopf. Sie haben nicht die Mittel, um ihr Haus wieder zu reparieren. Man muss sich einmal vorstellen, wie das in unserem Fall wäre, wenn uns mal eben das Dach weggeweht wird und wir das aus unseren eigenen Mitteln wiederaufbauen müssten. Es sind sehr, sehr viele Menschen betroffen.

Es gibt auch gar nicht so viele Firmen, die beispielsweise das Glas herstellen können, um die Fenster wieder zu reparieren. So, wie bei uns die Temperaturen jetzt runtergehen, wird es auch im Libanon der Fall sein. Der Winter wird kommen und wir müssen davon ausgehen, dass nicht alle ihre Häuser bis dahin repariert haben werden.

DOMRADIO.DE: Mit welchen Hilfsorganisationen arbeiten Sie dort zusammen?

Ammann: Unser engster Partner ist die Päpstliche Mission. Das ist ein Hilfswerk in mehreren Ländern des Nahen Ostens. Mit diesem Hilfswerk haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Kollegen unterhalten sehr gute Kontakte zu den Diözesen und zu den Orden. Die haben einen guten Überblick und haben zusammen mit der Caritas Libanon eine Bestandsaufnahme der Gebäude gemacht, die renoviert werden müssen. Die Liste ist uns gestern zugeschickt worden.

DOMRADIO.DE: Mit welcher Unterstützung kann man denn dort die Hilfsorganisationen vor Ort bei ihrer Arbeit unterstützen?

Ammann: Wenn man in der humanitären Hilfe etwas machen möchte, wenn man den Menschen direkt mit Notunterkunft, Verpflegung und Medizin helfen möchte, dann ist die Caritas die ideale Adresse.

Die Caritas International mit Sitz in Freiburg hat langjährige gute Beziehungen zur Caritas im Libanon. Die Caritas im Libanon war praktisch während des ganzen Bürgerkrieges die Organisation, die funktionierte. Mitarbeiter der Caritas durften immer überall hin - und das ist auch jetzt wieder der Fall. Die ehrenamtlichen Jugendlichen waren mit die ersten, die da waren und geholfen haben. Sie haben Menschen versorgt, die Wunden behandelt und so weiter. Das ist ein großes Engagement.

DOMRADIO.DE: Das Erzbistum Köln hat eine Soforthilfe von 100.000 Euro geleistet. Auch die Kollekte der diesjährigen Dreikönigswallfahrt kommt dazu. Aber wird das in der Coronapandemie reichen?

Ammann: Das wird die große Frage sein. Wir hoffen, dass unsere Aktion auch in die Fläche geht. Wir möchten über den Kreis der Ehrenamtsengagierten die Aktion auch in die Fläche der Diözese bringen. Ich bin optimistisch, weil ich da eine große Begeisterung spüre.

Aber letztlich wird dann das Ergebnis zeigen, wo wir hingekommen sind. Aktuell sind 20.000 Euro auf dem Spendenkonto. Das ist schon ein guter Betrag. Wir hoffen natürlich, dass jetzt ab diesem Wochenende, an dem die Aktion "Gemeinsam für Beirut" offiziell gestartet ist, bis Weihnachten noch einiges zusammenkommt.

DOMRADIO.DE: Wann werden Sie das nächste Mal hinreisen, um zu schauen, wie es den Menschen geht?

Ammann: Ich plane eine Reise in drei Wochen, um mir die Situation zusammen mit den Partnern vor Ort selbst anschauen zu können, um mit ihnen und den Menschen vor Ort sprechen zu können.

Das Interview führte Dagmar Peters. 

(DR)

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