Nach der schweren Explosion in Beirut
Nach der schweren Explosion in Beirut

07.08.2020

Caritas International ruft zur Solidarität für Beirut auf Wie geht es weiter im Libanon?

Nach der verheerenden Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut suchen Rettungshelfer und Soldaten weiter nach Opfern. Caritas International ist mit Partnern vor Ort. Die Lage dort sei veheerend - jetzt komme es auf jede Hilfe an.

DOMRADIO.DE: Was berichten Ihnen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Libanon?

Regina Kaltenbach (Referentin für den Libanon bei Caritas International): Zuerst natürlich überwiegt seit Dienstagabend noch der Schock und die Fassungslosigkeit über das Ausmaß der Katastrophe. Gleichzeitig berichten mir meine Kolleginnen vor Ort, dass die Leute sofort auf die Straße gegangen sind und ungemeine Solidarität gezeigt wird. Jeder Libanese, jede Libanesin versucht irgendwie zu helfen. Die Straßen sind voll, vor allem von jungen Leuten, die mit anpacken wollen, die helfen diese Trümmer, die Glasscherben beiseite zu räumen. Sie müssen sich vorstellen: Die umliegenden Stadtteile sind mit Trümmern, mit Glasscherben übersät, fast in der ganzen Stadt sind die Fensterscheiben gesprungen. Dementsprechend sieht es dort jetzt aus. Und vor allem die jungen Menschen sind auf der Straße und helfen mit. Sie versuchen Beirut irgendwie wieder aufzuräumen.

DOMRADIO.DE: Die Caritas betreibt mehrere Gesundheitszentren im Land. Normalerweise wird da Geflüchteten geholfen, aus Syrien, aus dem Irak. Wie gut sind die denn da jetzt für die Folgen dieser Katastrophe gerüstet?

Kaltenbach: Das ist noch relativ schwierig abzuschätzen. Wir sind darauf eingerichtet auch armen Libanesinnen und bedürftigen Libanesen zu helfen. Und die Zentren sind natürlich mit medizinischen Geräten für eine Erstversorgung, für erste Hilfe ausgestattet. Jedoch ist ein großes Problem, dass medizinische Güter zu 95 Prozent importiert werden. Der Libanon stellt kaum was selbst her und muss alles aus dem Ausland importieren. Da die Explosion den Hafen in Beirut komplett zerstört hat, ist einfach noch nicht absehbar, inwiefern auch in näherer Zukunft medizinische Güter, auch für die Versorgung von chronischen Krankheiten, die ja weiterhin bestehen, ins Land kommen können.

 

DOMRADIO.DE: Jetzt haben mehrere Staaten direkt ihre Unterstützung zugesichert. Wie beurteilen Sie diese Hilfen, die da jetzt gerade anlaufen?

Kaltenbach: Wir als Caritas International sind froh, dass auch die Bundesregierung sofort relativ schnell aktiv geworden ist, dass andere Staaten Zusagen gemacht haben. Der französische Präsident war gestern vor Ort. Es muss jetzt schnell gehen und es werden große Summen an Geld benötigt. Erste Schätzungen gehen von einem Schaden in Höhe von 4,2 Milliarden Euro aus. Und das trifft den Libanon in einer schwierigen Situation: Das Land ist von der Covid-19-Pandemie betroffen, im Oktober gab es landesweite Proteste, wir befinden uns in einer der schlimmsten Finanz- und Wirtschaftskrisen seit Ende des Bürgerkriegs.

DOMRADIO.DE: Es wurden auch wichtige Kornspeicher im Land zerstört. Was könnte das für die Lebensmittelversorgung der Menschen bedeuten?

Kaltenbach: Das ist eine große Unbekannte. Die Regierung bestätigt zwar oder versucht die Bevölkerung zu beruhigen, auch um eine Panik zu vermeiden, dass noch ausreichend andere Speicher im Land sind. Aber auch da gilt: 80 Prozent der Lebensmittel werden importiert. Der Libanon stellt ganz, ganz wenig Lebensmittel selbst her, und da ist jetzt gerade auch einfach noch nicht abschätzbar, wie sich das weiterentwickelt. Es ist eine sehr schwierige Situation.

DOMRADIO.DE: Sie und ich: was können wir tun?

Kaltenbach: Ich kann nur zum Spenden aufrufen. Die Libanesen können das Geld jetzt wirklich sehr gut gebrauchen. Und wir haben als Caritas International eine erste Zusage mit 100.000 Euro gemacht, die wir direkt in den Libanon schicken, an unseren Partner vor Ort. Gleichzeitig können wir natürlich auch in kleinen Initiativen versuchen, auch die Bundesregierung weiterhin dazu zu bewegen, den Libanon zu unterstützen. Mit allen möglichen Mitteln, sei es mit dem Technischen Hilfswerk aber auch weitreichende humanitäre Hilfe.

Das Gespräch führte Verena Tröster.

(DR)

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