Blick auf die Hagia Sophia in Istanbul
Blick auf die Hagia Sophia in Istanbul

12.07.2020

Internationale Reaktionen auf Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee Kritik, Sorge und Bedauern

Die Ankündigung der Türkei, die weltberühmte Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee umzuwandeln, hat internationale Kritik ausgelöst. Auch die Deutsche Bischofskonferenz zeigte sich besorgt.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian bedauerte die Entscheidung, die einen der symbolischsten Akte der modernen und säkularen Türkei in Frage stelle. "Die Hagia Sophia muss weiterhin die Pluralität und Vielfalt des religiösen Erbes, des Dialogs und der Toleranz repräsentieren", forderte Drian.

Der russisch-orthodoxe Außenamtschef Hilarion nannte den Schritt einen "Schlag für die Weltorthodoxie, denn für alle orthodoxen Christen auf der ganzen Welt ist die Hagia Sophia so ein Symbol wie der Petersdom in Rom für Katholiken". Die türkische Staatsführung habe gezeigt, dass sie keine Kompromisse eingehen wolle und nicht auf Kirchenführer und Politiker höre, die für die Beibehaltung des Museumsstatus plädierten, sagte der Metropolit im russischen Fernsehen. Der Ökumenische Weltkirchenrat in Genf äußerte in einem Brief an Erdogan die Sorge, dass die Entscheidung erneut zu Spaltungen und Konflikten führen könne.

Bedauern äußerte auch der Vizepräsident der Europäischen Kommission und EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Er erinnerte die Türkei daran, dass sie sich als "Gründungsmitglied der Allianz der Zivilisationen" zur "Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs und zur Pflege von Toleranz und Koexistenz" verpflichtet habe.

Anregungen für gemeinsame Nutzung

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, schrieb am Samstag auf Twitter: "Dass man in der Hagia Sophia beten darf, ist richtig, sie ist kein Museum, der Säkularismus Atatürks war gegen jede Religion. Könnte diese großartige Kirche nicht ihre 900 christliche und 500 Jahre islamische Geschichte dadurch spiegeln, dass Muslime und Christen darin beten?", regte er eine gemeinsame Nutzung an.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek: "Können nicht Muslime und Christen im großen Gotteshaus jeweils ihren Gottesdienst beten?", schrieb er am Samstagnachmittag auf Twitter. Dies könne ein großes und einzigartiges Zeichen des gegenseitigen Respektes und eine Geste tiefen Religionsverständnisses sein. Im Hinblick auf den Dialog der Religionen und Völker könne Erdogans Entscheidung problematisch sein. Zugleich betonte er, die Hagia Sophia, wo über ein Jahrtausend gebetet wurde, sei kein Museum.

Sorge bei der Deutschen Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz zeigte sich besorgt und warb "für eine politische Entscheidung, die die Einheit des Landes und das Gefühl der Zusammengehörigkeit von Muslimen und Christen stärkt, statt Bitterkeit zu schüren und Fliehkräfte zu begünstigen", sagte Sprecher Matthias Kopp bereits am Freitag.

Griechenlands Präsidentin Katerina Sakellaropoulou sprach von einem "zutiefst provokanten Akt gegen die internationale Gemeinschaft". Die Entscheidung beleidige auf "brutale Weise das historische Gedächtnis, untergräbt den Wert der Toleranz und vergiftet die Beziehungen der Türkei zur gesamten zivilisierten Welt", schrieb sie auf Twitter.

Status als Museum nach Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts aufgehoben

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am Freitag den Status des berühmten Bauwerks als Museum aufgehoben. Erdogan unterzeichnete darauf ein Dekret zur Nutzung als Moschee. In einer TV-Ansprache kündigte er für 24. Juli das erste Freitagsgebet in der Hagia Sophia an.

Die Hagia Sophia ("Göttliche Weisheit") wurde 537 als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz geweiht und war die größte Kirche des Christentums. Nach der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die türkischen Osmanen wurde sie 1453 zur Moschee und mit Minaretten versehen. Republikgründer Mustafa Kemal "Atatürk" machte sie 1934 zum Museum.

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 30.09.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Das erste TV-Duell: Trump vs. Biden
  • Vartikan: Kardinal Becciu geht, Kardinal Pell kommt wieder
  • Tag der Blasphemie
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Schatz in einer Kirche in Ostdeutschland gefunden
  • Planung für neue Nutzung der Kirche St. Barbara in Neuss
  • Planung für neue Nutzung der Kirche St. Barbara in Neuss
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Schatz in einer Kirche in Ostdeutschland gefunden
  • Planung für neue Nutzung der Kirche St. Barbara in Neuss
  • Planung für neue Nutzung der Kirche St. Barbara in Neuss
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Der Heilige Hieronymus, Schutzpatron der Übersetzer
  • Kirchen Wald in Bayern
  • Kirchen Wald in Bayern
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Der Heilige Hieronymus, Schutzpatron der Übersetzer
  • Kirchen Wald in Bayern
  • Kirchen Wald in Bayern
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Zustand des Waldes nach Regen besser?
  • Schatz in Kirche gefunden
  • Tag der Blasphemie
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…