Leere Straßen in Jerusalem
Leere Straßen in Jerusalem
Außenansicht des Paulushauses in Jerusalem
Außenansicht des Paulushauses in Jerusalem

02.07.2020

Neuinfektionen führen zu Einschränkungen in Israel Krise "trifft uns mit voller Breitseite"

In Israel sind die Zahlen derer, die sich neu infiziert haben, innerhalb von 24 Stunden so hoch gestiegen, wie noch nie. Monsignore Stephan Wahl, Leiter des Paulushauses in Jerusalem, über die Entwicklungen und die aktuelle Lage.

DOMRADIO.DE: Wie war die Zeit des Lockdowns in Israel und Jerusalem?

Monsignore Stephan Wahl (Leiter des Paulushauses in Jerusalem): Die war natürlich ähnlich wie in Deutschland. Wir hatten ja auch den Lockdown, dass man sich gerade mal ein paar Meter vom Haus entfernen konnte. Es war schade, dass die Grabeskirche zu war und natürlich die Touristen und Pilger auf einen Schlag alle nicht mehr da waren, weil keiner mehr ins Land hinein kam. So war das also auch ein sehr einsames Ostern und auch Pfingsten, was man bisher in dem Land nicht so gesehen hat. Ebenso ging das für die muslimischen Bürger der Stadt, die ihren Ramadan diesmal auch sehr leise und sehr ruhig verbringen mussten.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist die Zahl ganz aktuell bei ihnen im Land wieder nach oben geschnellt. Neuinfektionen gibt es sehr viele. Wie ist die aktuelle Lage?

Wahl: Die ist so, dass zum Beispiel die Westbank für fünf Tage wieder ganz geschlossen wird. Wir werden einen Lockdown für diese Zeit haben. Man wartet jetzt darauf, wie die Regierung reagiert. Hier haben wir bisher noch keine größeren Einschränkungen außer den bereits genannten. Wir warten ab, ob sich das jetzt bestätigt oder ob wir auch wieder mehr Einschränkungen bekommen als momentan.

Was man im moment wieder stärker auf der Straße sieht, ist, dass die Menschen Masken tragen, obwohl es nie anders war. Aber man hatte das so ein bisschen sehr locker genommen. Die meisten hatten die Maske so ein bisschen unter dem Kinn, aber man merkt jetzt, dass die Masken wieder angezogen werden und die Leute das doch sehr ernst nehmen, da nun doch wieder die Zahlen gestiegen sind.

DOMRADIO.DE: Es macht was mit den Menschen. Es wurde auch gemeldet, dass Israel jetzt insgesamt wieder Versammlungen beschränkt und die Schutzmaßnahmen verschärft. Das betrifft Hochzeiten, Kulturveranstaltungen, Konzerte und so weiter natürlich, aber auch die Gottesdienste. Was bedeutet das für alle Christen im Land?

Wahl: Die Kirchen, die meistens davon leben, dass Pilger kommen von außen, für die ändert sich nicht sehr viel. Was zum Beispiel die deutsche Benediktinerabtei jetzt machen wird, die ja ihren Gottesdienst am Sonntag eigentlich vorher nur noch privat feiern konnte, ob sie die Tore öffnen wird oder nicht, das weiß ich noch gar nicht. Das wird sich zeigen.

Aber was eben jetzt wieder mehr passieren wird, was auch in der ganz strengen Zeit war, ist, dass Gottesdienste wieder hinter verschlossenen Türen stattfinden und dass die Gottesdienste dann über Livestream übertragen werden. Wenn Sie auch jetzt noch in der Altstadt spazieren gehen, sehen Sie viel mehr als sonst Lautsprecher in den Gassen im christlichen Viertel, sodass Menschen, die jetzt nicht gerade über Internet verbunden waren, darüber zumindest an Gottesdiensten teilnehmen können. Das wird wahrscheinlich jetzt wieder mehr werden.

DOMRADIO.DE: Die Digitalität ist ein großes Thema in dieser Krise. Im Rahmen von Arbeitsplätzen, Schule und Universitätsalltag spielt das eine Rolle. Beruhigend ist, dass jetzt gerade Ferienzeit ist. Wie können Sie damit in Israel umgehen?

Wahl: Schule ist jetzt hier bei uns kein Problem. Wir haben hier bei uns auf dem Gelände auch eine Schule, die Schmidt-Schule, die zu uns gehört, zum deutschen Verein vom Heiligen Lande, wo wir 500 Palästinenserinnen haben, die hier unterrichtet werden und auch teilweise sogar deutsches Abitur machen können. Die haben jetzt Ferien. Da kommt jetzt die Ferienregelung zu Hilfe. Von daher gibt es jetzt hier kein großes Problem. Aber die haben natürlich auch die letzte Zeit ganz anders verlebt. Die haben viel über Internet den Unterricht gehalten, und ihre Abiturfeier zum Beispiel war ein ganz kleines Unternehmen, was mir für sie sehr leid getan hat, dass sie das nicht so feiern konnten, wie das normalerweise gefeiert wird.

DOMRADIO.DE: Das kennen wir hier in Deutschland auch. Jetzt steht nicht nur die Schule bei Ihnen, sondern auch das Paulus-Haus selber, wo Sie eigentlich Gäste empfangen. Wie schwer trifft Sie die Corona-Krise?

Wahl: Die trifft uns mit voller Breitseite. Ich lebe jetzt hier in diesem großen Paulus-Haus, gegenüber vom Damaskustor, jetzt über drei Monate quasi alleine – mit einer Mitarbeiterin aus Deutschland, die auch hier geblieben ist. Unsere Volontäre sind alle nach Deutschland zurückbeordert worden. Die Angestellten kommen nicht mehr. Wir haben jetzt angefangen, nachdem eine Grenze wieder auf war. Jetzt habe ich gesagt, dass die Westbank wieder fünf Tage zu hat, und die Leute aus der Westbank, die Angestellten hier, teilweise zurückkommen können, weil für die nicht der staatliche Versicherungsschutz greift, der für die anderen Angestellten jetzt diese Zeit überbrückt.

Aber wir haben Ende der Woche zum ersten Mal eine kleine Veranstaltung von den Leitern der europäischen Vertretungen in Ramallah, also in palästinensischen Gebieten. Das ist zum ersten Mal seit März, dass hier etwas im Haus stattfindet. Und im Moment sieht es nicht so aus, dass sich das übermorgen ändern wird. Wir rechnen vor September/Oktober nicht mit Gruppen, die kommen. Deswegen haben wir auch vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande eine Spendenaktion gestartet mit dem Grund, unseren Sozialfonds ein bisschen aufzupeppen, wenn wir es brauchen für unsere Angestellten und ihre Familien.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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