Proteste in Hongkong
Proteste in Hongkong
Kardinal Joseph Zen
Hongkongs Kardinal Joseph Zen Ze-kiun

04.06.2020

Opposition und Katholiken gegen Peking vereint Chinas Kontrolle von Hongkong rückt näher

Chinas Regierung ist entschlossen, der bislang autonomen Sonderverwaltungszone Hongkong ein neues "Sicherheitsgesetz" überzustülpen. Demokratiebewegung und Hongkongs Katholiken befürchten das rasche Ende der Freiheit.

Der Atem des chinesischen Drachen beschert Hongkong inzwischen eine gesellschaftspolitische Rekordhitze. Beließ es der Präsident Xi Jinping während der Proteste der Demokratiebewegung im vergangenen Jahr noch bei militärischen Drohgebärden und Undercovereinsätzen chinesischer Sicherheitsorgane, endet derzeit die letzte Rücksichtnahme auf die Demokratie in der Sonderverwaltungszone.

Mahnwachen und Demonstrationen zum 31. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni in Peking wurden von der Polizei verboten, Oppositionspolitikern wird der Prozess gemacht.

Das im genauen Wortlaut noch nicht bekannte "Sicherheitsgesetz" stellt Hochverrat, Abspaltung, Aufruhr, Subversion gegen die Pekinger Regierung und Einmischung aus dem Ausland unter Strafe. Zudem sollen Chinas Sicherheitsorgane eigene Institutionen in Hongkong aufbauen dürfen.

Demokratiebewegung beklagt das Ende des freien Hongkong

2003 scheiterte die Einführung eines Vorläufers des Sicherheitsgesetzes noch an einer einzigen Massendemonstration der Demokratiebewegung. 2019/2020 demonstriert China Härte. Mithilfe handverlesener Politikerinnen und Politiker in Regierung und Parlament von Hongkong setzt es nun dazu an, trotz Hunderter teils sehr großer Demonstrationen das Sicherheitsgesetz 2.0 durchzupeitschen.

Während Hongkongs katholische Regierungschefin Carrie Lam in Treue fest verbunden zur kommunistischen Führung in Peking steht und das Gesetz bedingungslos unterstützt, beklagt die Demokratiebewegung das Ende des freien Hongkong. Mit großer Sorge sehen auch die Katholiken die Gefahr aus dem Riesenreich. Mit dem emeritierten Hongkonger Bischof Kardinal Joseph Zen als Galionsfigur sind sie ein fester Bestandteil der Opposition.

Kardinal Zen kritisiert Gesetzesvorhaben

Der für seine deutliche China-Kritik bekannte Kardinal Zen lässt kein gutes Haar an den Bestimmungen des Gesetzesvorhabens. "Die sind dumm. Sie schaden nicht nur Hongkong, sondern auch der Volksrepublik China selbst. Sie braucht Hongkong", sagte Zen telefonisch aus Hongkong im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dass auch Katholiken unter dem Sicherheitsgesetz leiden werden, macht Zen mit einem Satz klar: "Die Chinesen hassen uns."

Bereits im Januar beförderte Präsident Xi politische und ihm loyal ergebene Hardliner zu neuen Leitern der für Hongkong zuständigen Behörden. Seit Januar ist Luo Huining Chef der Vertretung Chinas in Hongkong. Luo hatte sich in der Provinz Qinghai, die etwa die Hälfte von Tibet umfasst, einen Namen als kompromissloser Unterdrücker tibetischer Kultur und Religion gemacht.

Krise trifft auch Christen

Mit Xia Baolong steht seit Februar ein Mann an der Spitze der für Hongkong und Macao zuständigen Behörde, der als Parteisekretär der wirtschaftlich wichtigen Küstenprovinz Zhejiang Kreuze von Kirchen abmontieren ließ. Zhejiang ist ein Brennpunkt des Christentums in China und seine Hauptstadt Wenzhou wird oft als das "Jerusalem des Ostens" bezeichnet.

Die Krise in Hongkong betrifft auch die katholische Hierarchie. Seit dem Tod von Bischof Michael Yeung Ming im Januar 2019 ist der Bischofsstuhl vakant. Viele Katholiken sähen gerne den chinakritischen Unterstützer der Demokratiebewegung Weihbischof Joseph Ha Chi-shing als Oberhirten. Darauf wetten will jedoch angesichts der schwierigen diplomatischen Beziehungen und der anstehenden Neuverhandlungen des Abkommens zwischen dem Vatikan und China niemand.

Parlamentswahl am 6. September

Die deutschen Expats in Hongkong sind durch Chinas Vorgehen verunsichert. "In der Klasse meiner Tochter in der deutschen Schule waren vor kurzem noch 20 Schüler. Jetzt sind es nur noch 13", sagt Roland Rohde telefonisch aus Hongkong. Dann fügt der Vorsitzende der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde hinzu: "Expats wandern ab. Die Stimmung ist schlecht."

Alles spricht dafür, dass die Spannungen in Hongkong bis zur Parlamentswahl am 6. September weiter zunehmen werden. Beobachter erwarten ein sehr gutes Abschneiden der demokratischen Oppositionsparteien - wenn die Wahl nicht unter einem Vorwand wie der Corona-Pandemie verschoben wird.

Michael Lenz
(KNA)

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Wichtig: Kein DAB+ mehr in NRW ab Juli

Leider sendet DOMRADIO ab Juli nicht mehr über DAB+ in NRW. Laden Sie sich doch unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 11.07.2020
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Stadionpfarrer auf Spiekeroog - ohne Gesang und Emotionen?
  • Anno Domini: Der Schutzpatron Europas
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Colonia Latina Tour: Interview mit Kim Moralles
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Colonia Latina Tour: Interview mit Kim Moralles
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…