Pater Paul Schulte (l.), der "Fliegende Pater"
Pater Paul Schulte (l.), der "Fliegende Pater"
Der "Fliegende Pater" Paul Schulte (m.) feiert Wiedersehen mit zwei französischen Missionaren
Der "Fliegende Pater" Paul Schulte (m.) feiert Wiedersehen mit zwei französischen Missionaren

14.05.2020

Zum 125. Geburtstag des "fliegenden Paters" Paul Schulte Ein tollkühner Missionar in luftiger Höhe

Pater Paul Schulte hielt die weltweit erste Messe in der Luft - im Zeppelin. Das Leben des "fliegenden" Missionars war abenteuerlich und strahlt zugleich heute noch in der Seelsorge aus. Ein Blick auf ein außergewöhnliches Leben.

Klar, dass diese Messe ohne brennende Kerzen gelesen werden musste. Zu hoch die Explosionsgefahr. Denn der Ort, an dem Pater Paul Schulte am 8. Mai 1936 den Gottesdienst im Beisein der Weltpresse feierte, war der Zeppelin "Hindenburg" auf seiner ersten Nordamerikafahrt. Damals leitete der "fliegende Pater" die weltweit erste Messe in der Luft. Schulte, der am Donnerstag 125 Jahre alt geworden wäre, verdankte seinen Beinamen allerdings nicht nur diesem Ereignis.

Der am 14. Mai 1895 in Magdeburg als Sohn eines Dampfpflugbesitzers geborene Schulte war sich der historischen Bedeutung der luftigen Feier bewusst: "Ich werde diese heilige Messe feiern für alle Völker", sagte er hochgestimmt in seiner Predigt zwischen Himmel und Atlantik. "Gott muss mit am Steuer sein, damit wir nicht nur glücklich nach New York, sondern auch glücklich über den Ozean des Lebens gelangen."

Leidenschaft fürs Fliegen

Dass er es schaffte, die prestigeträchtige Messe zu feiern, verdankte er seinen guten Kontakten zum Vorsitzenden der Zeppelin-Reederei, Hugo Eckener. Die Nazi-Herrscher, so schrieb der Pater später, seien wütend gewesen, als sie von dem Ereignis erfuhren. "Aber sie konnten nur die Faust in der Tasche ballen."

Schulte trat mit 18 Jahren dem Oblatenorden bei. Erste Flugerfahrungen sammelte er bereits im Jahr 1915 mit gerade einmal 20 Jahren. Im selben Jahr wurde er zum Sanitätsdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen. Dort entwickelte er seine Leidenschaft fürs Fliegen weiter.

Einen besonderen Flug erlebte Schulte als in Palästina stationierter Soldat: ein Pilot einer türkischen Fliegereinheit nahm ihn auf einen Flug über den See Genezareth und die Orte, die ihm bereits aus der Bibel bekannt waren, mit. Den Flug beschrieb er als sehr holperig, er habe auch das Gefühl gehabt, alle seine Knochen würden brechen, aber die Freude am Fliegen habe ihn wie ein Rausch übermannt. Im Geheimen machte er 1926 den privaten Flugschein, erhielt aber zunächst von seinen kirchlichen Vorgesetzten ein Flugverbot.

Trauriges Ereignis als Initialzündung

Die Initialzündung für Schultes Lebenswerk brachte dann ein trauriges Ereignis: Sein Freund, Pater Otto Fuhrmann, der als Missionar in Namibia tätig war, starb an Malaria, weil geeignete Transportmittel fehlten. Das war für Schulte der Anlass, eine Vereinigung zu gründen, um Missionare in aller Welt mit Fahrzeugen und Funktechnik auszustatten. 1927 hob der Pater in Köln die "Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft" (MIVAG) aus der Taufe, deren erster Vorsitzender Oberbürgermeister Konrad Adenauer wurde.

Unterstützung für sein Projekt erhielt er schließlich sogar von Papst Pius XI., der während eines Treffens 1932 in Rom sagte: "Sie brauchen mich nicht zu begeistern, ich bin begeistert."

Schultes Leben blieb abenteuerlich. Sein Ziel: "Wir müssen und wollen alle Mittel der Technik anwenden, um den Namen Gottes in den Menschenherzen zu festigen." Ab 1936 war er deshalb als Missionar für Eskimos in der Eismission in Kanada tätig. Als er der Spionage verdächtigt wurde, zog er sich in die USA zurück. Als er 1949 nach Deutschland zurückkehrte, gründete er die MIVA im Rahmen des Bonifatiuswerks neu - jetzt mit dem Ziel, die Seelsorger in den deutschen Gebieten mit katholischer Minderheit mit Fahrzeugen auszustatten. In 20 Jahren unter seiner Leitung vermittelte die Diaspora-MIVA Fahrzeuge im Gesamtwert von 15,7 Millionen D-Mark.

Boni-Busse des Bonifatiuswerks

Das Bonifatiuswerk erinnert anlässlich seines Geburtstages daran, dass mittlerweile unter dem Namen Verkehrshilfe jährlich 40 bis 45 Fahrzeuge, sogenannte Boni-Busse, angeschafft werden könnten. In ganz Deutschland seien derzeit 600 solcher Fahrzeuge im Einsatz. "Die Boni-Busse sind bis heute ein wichtiges Markenzeichen für uns. Sie unterstützen Gläubige darin, in der extremen Diaspora weite Wege zu überwinden und Gemeinschaft im Glauben zu erleben, ganz im Sinne von Pater Schulte", so Generalsekretär Georg Austen am Mittwoch in Paderborn.

Schulte starb am 7. Januar 1974 in Namibia. Kardinal Lorenz Jäger predigte beim Requiem in der Gaukirche zu Paderborn: "Er schien keine Gefahr zu kennen, sobald Menschen körperliche und geistliche Hilfe brauchten."

Christoph Arens und Rainer Nolte
(KNA)

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