Ein Soldat in Kolumbien während der wegen des Coronavirus verhängten Ausgangssperre
Ein Soldat in Kolumbien während der wegen des Coronavirus verhängten Ausgangssperre

01.04.2020

Kirche in Kolumbien begrüßt Waffenstillstand der ELN-Guerilla Ein Zeichen der Hoffnung

Die katholische Kirche in Kolumbien hat die Ankündigung der marxistischen Guerilla-Organisation ELN begrüßt, ab dem 1. April einen einseitigen Waffenstillstand zu beginnen. Die Entscheidung sei für das kolumbianische Volk ein Zeichen der Hoffnung.

Zugleich rief die Bischofskonferenz des Landes in einer am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Mitteilung alle weiteren bewaffneten Gruppen auf, angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus jegliche Gewalt einzustellen.

Die Ankündigung ihres Waffenstillstandes verband die ELN mit der Forderung an den rechtskonservativen Präsidenten Ivan Duque, die auf Eis gelegten Friedensgespräche in der kubanischen Hauptstadt Havanna im April wieder aufzunehmen, um einen bilateralen Waffenstillstand zu verhandeln. Vergangene Woche hatte die ELN laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz drei Geiseln freigelassen.

Bedingungen für Friedensgespräche

Zuvor hatte die im Rahmen des Friedensprozesses engagierte Wahrheitskommission angesichts der Corona-Krise alle illegalen bewaffneten Gruppen zum sofortigen Stopp ihrer Aktivitäten aufgerufen. Die Geschichte werde über jene richten, die in dieser schwierigen Lage nicht sofort die Gewalt einstellten und sich auf die Seite des Lebens und der Menschlichkeit stellten, sagte der Leiter der Wahrheitskommission, Jesuiten-Pater Francisco de Roux.

Präsident Duque hatte vor wenigen Wochen noch einmal die Bedingungen für eine Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit der ELN genannt. Wenn diese eine Verpflichtung gegenüber dem Frieden in Kolumbien habe, dann müsse sie alle Geiseln freilassen und ihre kriminellen Aktivitäten beenden.

Nach Schätzungen der Behörden verfügt die ELN über eine Truppenstärke von 2.500 Personen; sie ist überwiegend im Osten Kolumbiens aktiv. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen jeweils rund 7.000 Morde und Entführungen, 3.000 Fälle von Landvertreibung und 1.000 Zwangsrekrutierungen auf das Konto der Gruppe. Die ELN wird zudem für schwere Umweltzerstörungen durch über 1.300 Anschläge auf Öl-Pipelines verantwortlich gemacht.

Nach dem Friedensnobelpreis

Im September 2016 hatte die Regierung des damaligen Präsidenten Juan Manuel Santos ein Friedensabkommen mit der größten Rebellenorganisation des Landes, der FARC, geschlossen. Es beendete den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg. Für seinen Einsatz erhielt Santos 2016 den Friedensnobelpreis. Die entwaffnete FARC sitzt inzwischen als Partei im Parlament. Ein Teil ihrer Kämpfer verweigert sich dem Friedensprozess allerdings und setzt den bewaffneten Kampf fort.

Die Gespräche mit der ELN begannen im Februar 2017 noch unter der Regierung Santos und wurden im Mai 2018 nach Havanna verlegt. Nach einem Bombenattentat der ELN auf eine Polizeischule in Bogota, bei der im Januar 2019 insgesamt 22 Menschen starben und 66 Personen verletzt wurden, stoppte Kolumbiens Präsident Duque die Friedensgespräche.

(KNA)

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