Simbabwe: Frau vor einer Mauer mit dem Graffitti-Schriftzug "Mugabe"
Simbabwe: Frau vor einer Mauer mit dem Graffitti-Schriftzug "Mugabe"

21.03.2020

Rotes Kreuz sucht Simbabwes vermisste Migranten Anonym im Leben, anonym im Tod

Keine Papiere, keine sozialen Kontakte: In Südafrika leben Migranten oft unter dem Radar der Behörden. Viele gelten als verschollen. Das Rote Kreuz will sie finden, auch um den Familien Gewissheit zu geben.

"Es waren schmerzvolle Jahre. Die größte Qual ist, nicht zu wissen, ob er überhaupt noch lebt." Sie selbst lebe in ständiger Sorge, berichtet die Großmutter den Mitarbeitern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Ihr Enkel ist verschollen, seit er 2007 den Grenzfluss zu Südafrika überquerte und kurz darauf verschwand. Kein Einzelfall.

Niemand werde einen Migranten als vermisst melden - und selbst wenn, werde sich niemand mehr an entscheidende Details erinnern können, heißt es beim IKRK. Als die Helfer in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria 2016 die Suche nach vermissten Migranten aufnahmen, musste die Organisation erst gegen Vorurteile kämpfen. «Aber sie waren schlicht falsch. Natürlich wollen Familien wissen, was mit ihren Angehörigen geschehen ist», sagt Stephen Fonseca, Forensik-Experte des IKRK Afrika.
Einfach ist die Vermisstensuche nicht. Sie gleicht dem Zusammensetzen eines Puzzles, fast einer Wissenschaft. Dabei arbeitet das Rote Kreuz eng mit südafrikanischen und simbabwischen Behörden zusammen. Sozialarbeiter gehen in die Grenzstädte auf simbabwischer Seite, von wo aus junge Jobsuchende oft ihre Reise starten. Dort interviewen sie Angehörige und erstellen eine Datenbank der Vermissten. Zurück auf südafrikanischer Seite werden die Daten mit jenen der Migrantengemeinde vergleichen.

Oft reiche die Suche unter den Lebenden aber nicht aus. Deshalb wird das Vermisstenverzeichnis mit noch einer weiteren Datenbank abgeglichen: den Aufzeichnungen der Johannesburger Leichenhalle. Vor allem illegale Arbeitsmigranten bleiben in Südafrikas Metropolen anonym - im Leben wie im Tod. So verlässt jede zehnte Leiche die Johannesburger Gerichtsmedizin ohne Hinweis auf ihre Person: ein Toter ohne Familie, Geschichte und Namen, beigesetzt in einem Gemeinschaftsgrab.

Zusammenarbeit mit fachkundigen Ermittlern

Um fachkundige Ermittler in die Suche nach vermissten Migranten einzubinden, hat das Rote Kreuz 25 Gerichtsmediziner speziell für sein Projekt ausgebildet. Sie dokumentieren nun alles, wodurch Verwandte eine vermisste Person identifizieren könnten, darunter Narben, Fingerabdrücke, Tätowierungen, Knochenbrüche, die Kleidung zum Todeszeitpunkt sowie die DNA. "Selbst wenn wir eine Todesnachricht überbringen, ist das für die Familie wichtig, um abschließen zu können. Es ist besser, als mit der Ungewissheit zu
leben", sagt die regionale IKRK-Schutzbeauftrage Marie-Astrid Blondiaux.

Andere Fälle wiederum gäben Hoffnung, wie jener von Sampinya Ndou. Gemeinsam mit seinem Neffen Samson war er vor 44 Jahren nach Südafrika gegangen, um auf einer Tabakfarm zu arbeiten. Der Neffe kehrte kurze Zeit später zurück, doch in den Wirren des  simbabwischen Unabhängigkeitskriegs riss der Kontakt zwischen den beiden ab. Erst kürzlich fand die Familie nach vier Jahrzehnten dank der Hilfe des IKRK wieder zusammen.

Bisher suchte das Rote Kreuz nach 105 verschollenen Migranten aus Simbabwe. Ein Drittel lebte und konnte mit den Familien vereint werden. Allerdings gehe es bei dem Pilotprojekt nicht um Zahlen, betont Fonseca. Stattdessen gelte es, Kritiker zu überzeugen, dass  amilien auch nach Jahrzehnten die Hoffnung noch nicht aufgegeben hätten, und den Behörden einen Leitfaden für die Zukunft zu geben. "Wir wollen den Verantwortlichen demonstrieren, wie ein solches Projekt mit vermissten Personen und unidentifizierten Leichen funktionieren kann."

Lösung nicht in Sicht

Das ist umso wichtiger, als eine Lösung für das eigentliche Problem in weiter Ferne scheint. Nach der Ära des mittlerweile gestorbenen Ex-Diktators Robert Mugabe liegt Simbabwes Wirtschaft weiter am Boden. Viele Grundnahrungsmittel wurden unerschwinglich. Auch  Mugabes Nachfolger Emmerson Mnangagwa lässt Proteste mit Gewalt und Tränengas auflösen.

Jährlich nehmen daher viele Simbabwer die Risiken eines illegalen Grenzübertritts nach Südafrika auf sich; sei es die gefährliche Überquerung des Grenzflusses Limpopo oder eine Haftstrafe auf der anderen Seite. Im Oktober töteten Flusspferde einen illegalen
Grenzgänger. Schon in den 2010er Jahren emigrierten Tausende Simbabwer ins benachbarte Schwellenland Südafrika. Offiziell sind es inzwischen mehr als 600.000; die Dunkelziffer reicht bis zu drei Millionen.

Markus Schönherr
(KNA)

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