In der Diaspora: Kirche in Olden in Norwegen
In der Diaspora: Kirche in Olden in Norwegen
Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen
Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen

11.03.2020

Bischof Kozon über heutige Herausforderungen der Kirche "Die Zeit der Volkskirche ist langsam vorbei"

Die katholische Kirche im Norden Europas ist klein, steht aber vor großen Herausforderungen. Welche das sind und warum er Diaspora nicht nur im hohen Norden verortet, verrät der Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz im Interview.

DOMRADIO.DE: Was macht denn die katholische Kirche in den nordischen Ländern aus?

Bischof Czeslaw Kozon (Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz und Bischof von Kopenhagen): Die katholische Kirche macht dort nur einen ganz kleinen Prozentsatz der Bevölkerung aus. In Island gibt es mit 4 Prozent noch die meisten Katholiken, aber sonst sind es nur etwa zwei Prozent, in Dänemark sogar noch weniger.

DOMRADIO.DE: Katholiken sind in Skandinavien eine Minderheit – und diese Minderheit lebt auch von den vielen Migranten aus katholischen Ländern. Welche Herausforderungen bringt das denn für die katholischen Gemeinden mit sich?

Kozon: Wir sind sehr froh darüber, dass so viele Migranten zu uns kommen, weil wir dadurch wachsen. In einigen Ländern werden nicht nur neue Gemeinden gegründet, sondern ältere Gemeinden werden auch gestärkt. Natürlich gibt es dadurch auch Herausforderungen, sowohl für die Kirche vor Ort als auch für die Menschen selber. Als Diözesen müssen wir dafür sorgen, dass wir Räumlichkeiten beschaffen können. Das passiert in vielen Ländern dadurch, dass man Kirchen von anderen Glaubensgemeinschaften kauft oder sogar neu baut.

Für die ausländischen Gruppen benötigen wir Priester, die die Sprache der Menschen sprechen. Dann gibt es auch Herausforderungen, die Neuankömmlinge in die Gemeinden zu integrieren und dann auch in der Kirche zu halten. Die neuen Gemeindemitglieder sind oft sehr eifrig, aber von der zweiten Generation erfahren wir, dass sie oft der Kirche verloren gehen.

DOMRADIO.DE: Die katholische Kirche in Skandinavien ist eine finanziell arme Kirche in reichen Ländern. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Kozon: Auch das ist eine Herausforderung, obwohl es da Unterschiede gibt. In Schweden und Norwegen ist die Kirche finanziell verhältnismäßig gut dran, weil es dort staatliche Systeme gibt, die entweder Subventionen geben oder beim Einziehen der Kirchensteuer Hilfe leisten. Aber gerade in Island, Finnland und Dänemark gibt es keine solchen Systeme. Da sind wir auf freiwillige Spenden angewiesen und auf sehr große Unterstützung aus dem Ausland.

DOMRADIO.DE: Was glauben Sie, was kann die katholische Kirche in Deutschland von Ihrer Erfahrung als Minderheitenkirche lernen?

Kozon: Allmählich ist ja überall eine Diaspora-Situation eingetreten. Die Zeit der Volkskirche ist langsam vorbei. So geht es auch in geschlossenen katholischen Gebieten darum, jeden einzelnen Menschen aufzusuchen und ihn oder sie in der Kirche zu behalten.

DOMRADIO.DE: Die Nordische Bischofskonferenz tagt in Paderborn. Was ist das wichtigste Thema auf Ihrer Vollversammlung?

Kozon: Wir haben uns damit befasst, eine neue Studienordnung für die Priesterausbildung auszuarbeiten. Es kam vor ein paar Jahren eine generelle Studienordnung aus Rom, die dann an die einzelnen Länder angepasst werden muss. Wir haben keine einheitliche Priesterausbildung im Norden. Es gibt zwar Seminare für einen Teil des Studiums in einigen Ländern, aber wir schicken die Priesteramtskandidaten immer noch ins Ausland – auch sehr gerne, weil sie dadurch auch Erfahrung in der Weltkirche sammeln können.

DOMRADIO.DE: Ist bei Ihnen auf der Vollversammlung auch das Coronavirus ein Thema?

Kozon: Nein, eigentlich nicht. Natürlich sprechen wir darüber, weil wir ja täglich neue Nachrichten bekommen. Eine Sorge ist, ob wir überhaupt weg kommen. Aber sonst haben wir vorher schon Leitlinien herausgegeben, wie man sich besonders beim Gottesdienst verhalten muss.

DOMRADIO.DE: Was sind das für Leitlinien?

Kozon: Da geht es um den Verzicht auf Weihwasser und den Friedensgruß. Es soll auch auf die Mundkommunion und die Kelchkommunion verzichtet werden. Und wir mahnen generell zur Vorsicht, wenn größere Gruppen beisammen sind.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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