Da war die Kirche noch offen: Betende Frau in der Geburtskirche in Bethlehem
Da war die Kirche noch offen: Betende Frau in der Geburtskirche in Bethlehem

08.03.2020

Striktes Vorgehen gegen Coronavirus trifft auch Heiliglandpilger Zwischen Erleichterung und Sorge

Pilger, die erleichtert sind, das Heilige Land wieder verlassen zu dürfen, sind eigentlich eine Rarität. In Zeiten des Coronavirus kann das Erreichen des Flughafens aber für ein Aufatmen sorgen.

Normalerweise schieben sich um diese Jahreszeit Menschen in langen Schlangen durch die Heiligen Stätten, um einmal die Geburtsgrotte oder die Grabkapelle zu besuchen. Das Coronavirus und die Gegenmaßnahmen der örtlichen Behörden im Heiligen Land haben dieser Normalität einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für manche Pilger gilt daher Aufatmen - wenn sie endlich am Flughafen sind.

Beinahe stündlich verschärfende Situation 

Martin Vetter hat es geschafft. Am Samstag ist der evangelische Propst und Hauptpastor an der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai mit seiner Pilgergruppe in Wien gelandet. "Neben der Enttäuschung über die abgebrochene Reise überwiegt bei uns die Erleichterung", sagt Vetter in einem Telefonat mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Am Mittwoch war die Gruppe über Tel Aviv nach Bethlehem gereist. Dort wurde sie von der sich beinahe stündlich verschärfenden Aktualität überrascht.

Am Mittwoch hatte Israel Deutschland und vier weitere Staaten auf die jetzt 13 Länder umfassende Liste gesetzt. Ihren Bürgern ist die Einreise untersagt. Für von dort rückreisende Israelis gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht. Auch die Kirche ist davon betroffen.

Patriarchatsleiter Pierbattista Pizzaballa, Kustos Francesco Patton und der maronitische Erzbischof von Haifa, Moussa El-Hage, nahmen an einem Bischofstreffen in Bari teil, der lateinische Patriarchalvikar in Jerusalem, Bischof Giacinto-Boulos Marcuzzo kam aus Rom zurück.

Verwaiste Straßen und geschlossene Gotteshäuser in Bethlehem

Noch unmittelbarer bekamen Vetter und seine Gruppe die Entwicklung in Bethlehem selbst zu spüren. Als am Donnerstag sieben Angestellte eines Hotels in Beit Dschalla positiv auf "Covid-19" getestet wurden, wurde zunächst Bethlehem weitgehend abgeriegelt. Kurz darauf verhängte Präsident Mahmud Abbas einen 30-tägigen Ausnahmezustand für ganz Palästina. "Als wir am Donnerstag durch die Straßen gingen, spürten wir schon, dass etwas nicht stimmt", sagt Vetter. Als letzte Gruppe stiegen die Hamburger in die Geburtsgrotte. Danach wurde die Kirche wie alle Gotteshäuser im Gouvernement geschlossen.

Seither prägen verwaiste Straßen und geschlossene Geschäfte das Bild in Bethlehems Altstadt. Auch in Jerusalems Heiligen Stätten wird es zunehmend leerer. Mit Italien und Deutschland stehen nicht zuletzt zwei Länder auf der Liste, die traditionell viele Heiliglandpilger stellen. "Eigentlich müsste es um diese Zeit hier voll von Leuten sein", sagt der Ordnungshüter der Franziskaner, Jeries Majlaton. Mit ausladender Geste weist er auf den beinahe verwaisten Vorplatz der Grabeskirche. Seit Tagen, so Majlaton, bleiben die Leute aus.

Planbar sei in dieser Situation nichts, sagt auch Franziskanerpater Matyas Tarsoly. Was in diesen Zeiten mit den Osterfeiern passiert, die traditionell Pilger aus aller Welt nach Jerusalem ziehen? Eine Antwort hat der ungarische Franziskaner, der auf eine baldige Normalisierung hofft, nicht. Mehrere Paraden zum jüdischen Purimfest (Montag) wurden bereits abgesagt. Großveranstaltungen bleiben vorerst verboten.

Am Flughafen gilt für Deutsche eine Sonderabfertigung

Panik könne er dennoch keine ausmachen, sagt der Rektor des ökumenischen Studienzentrums Tantur, Russell McDougall, der eine Gruppe von Amerikanern durch die Grabeskirche führt. Das Ausmaß der Auswirkungen werde erst später voll zu erfassen sein.

Vetter und seine Mitreisenden scheiterten am Freitagmorgen am Checkpoint Bethlehem in Richtung Jerusalem. Erst nach längerem Ringen mit den Behörden und dem Nachweis, tatsächlich auf den Passagierlisten der wenigen noch existierenden Rückflüge zu stehen, durften die Hamburger in der Nacht zu Samstag raus. Am Flughafen Ben Gurion galt für die Deutschen eine Sonderabfertigung - zwei Stunden Warten auf einem leeren Parkplatz, Sicherheitsschleuse und Selbstverladung der Koffer in einen Container, schildert der Theologe das Abenteuer.

Die Sorge der vorzeitig gescheiterten Reisenden gilt unterdessen den Menschen im Heiligen Land. "Denen, die hier im Tourismus arbeiten, bleiben die Kunden aus - es droht eine riesige Krise", so Vetter. Der Hamburger kann sich gut vorstellen, die Reise baldmöglichst nachzuholen.

Von Andrea Krogmann

(KNA)

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