Symbolbild: Bischöfe aus Übersee
Symbolbild: Bischöfe aus Übersee
Gilbert Aubry, Bischof von Saint-Denis de La Reunion
Gilbert Aubry, Bischof von Saint-Denis de La Reunion

05.02.2020

Außergewöhnlicher Beruf: Bischof in Frankreichs Überseegebieten Don Camillo und Peppone in Französisch-Guayana

Deutschland hat seit dem verlorenen Ersten Weltkrieg keine Kolonien oder auswärtigen Territorien mehr. Dadurch fehlt der Deutschen Bischofskonferenz eine Klangfarbe, die bei den französischen Amtsbrüdern reich vertreten ist: Bischöfe aus Übersee. 

Die Katholische Nachrichten-Agentur stellt fünf solcher Mitglieder der Französischen Bischofskonferenz und ein paar ihrer Erlebnisse vor:

Gilbert Aubry (77), Bischof von Saint-Denis de La Reunion, Ostafrika

Seit fast 44 Jahren ist Aubry katholischer Bischof der ostafrikanischen Insel La Reunion im Pazifik. Er ist damit der bei weitem dienstälteste amtierende Bischof Frankreichs. Er wurde Ende 1975 von Papst Paul VI. ernannt und im Mai 1976 geweiht. In Aubrys Adern fließt nach eigenen Worten französisches, portugiesisches und madagassisches Blut. Auch einen Deutschen zählt er zu seinen Vorfahren: einen Kölner Händler namens Leischnig.

La Reunion gehört als Übersee-Departement zu Frankreich und damit auch zur EU. Auf der kleinen, bis zum 17. Jahrhundert unbewohnten Insel im Indischen Ozean sind durch Sklaverei und Arbeitsmigration alle Weltreligionen auf engstem Raum vereint. Friedliches Zusammenleben prägt den Alltag.

Das nur 70 Kilometer lange und 50 Kilometer breite Eiland, knapp 10.000 Kilometer von Paris entfernt, ist ein bunter Mikrokosmos. Zum Leidwesen des Bischofs übersteigt aber nicht nur die Religiosität, sondern auch die Wundergläubigkeit das EU-übliche Maß um ein Vielfaches; okkulte Praktiken und Phänomene sind weit verbreitet. Wiederholt sandte Aubry umstrittene Gegenstände der Verehrung zur Untersuchung ins Mutterland Frankreich.

Emmanuel Lafont (74), Bischof von Cayenne, Französisch-Guayana

Don Camillo und Peppone im Übersee-Departement Französisch-Guayana: Weil der Vorsitzende des Regionalrates, Alain Tien-Liong, die Priestergehälter nicht mehr zahlen wollte, schickte er zu Neujahr 2015 den Bischof von Cayenne per Dekret in den Ruhestand. Der aus Paris stammende Lafont wertete das Vorgehen als "eher drollig, aber unzulässig". Inzwischen ist er fast an der Altersgrenze von 75 Jahren - und weiter im Amt.

Vorausgegangen war ein mehrmonatiger Rechtsstreit, nachdem der Regionalrat die Gehaltszahlung an die meisten der katholischen Priester des Departements eingestellt hatte. Schließlich zündete der Regierungschef die nächste Stufe - und schickte per Dekret den Bischof in Rente.

Der französische Staat zahlt seit der gesetzlichen Trennung von Staat und Kirche 1905 keine Priestergehälter mehr. Während das Gesetz 1911 etwa auch auf Übersee-Territorien wie Martinique, Guadeloupe und La Reunion ausgeweitet wurde, wurde es in Französisch-Guayana für nicht anwendbar erklärt. Dort wird die Geistlichkeit weiter vom Departement bezahlt.

Französisch-Guayana liegt an der südamerikanischen Atlantikküste zwischen Brasilien und Suriname; es ist Teil des französischen Staates und der EU und vor allem wegen des europäischen Weltraumbahnhofs in Kourou bekannt. Starkes Bevölkerungswachstum und wirtschaftliche Probleme wie etwa eine hohe Jugendarbeitslosigkeit setzen Gesellschaft und Politik unter Druck. Einwanderer aus Brasilien und Haiti sorgen für zusätzliche soziale Konflikte. In Französisch-Guayana leben 244.000 Menschen auf einer Fläche von rund 83.500 Quadratkilometern - was der Größe Österreichs entspricht.

Hubert Coppenrath (89), emeritierter Erzbischof von Papeete auf Tahiti, Französisch-Polynesien

Coppenrath leitete die Diözese, die zu den flächenmäßig größten und fischreichsten der Welt gehört, von 1999 bis 2011. Geboren am 18. Oktober 1930 in Papeete als Enkel eines deutschen Kaufmanns aus dem Münsterland, ging Coppenrath 1953 zum Studium nach Frankreich. Dort wurde er - als einer der ersten Polynesier überhaupt - 1957 in Poitiers zum Priester geweiht.

Nach Jahrzehnten als Seelsorger machte ihn 1993 sein Bruder, Erzbischof Michel-Gaspard Coppenrath (1924-2008), zu seinem Generalvikar. Ende 1997 wurde Hubert Coppenrath von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof-Koadjutor ernannt. 1999 wurde er dritter Erzbischof von Papeete, als direkter Nachfolger seines Bruders. Ein solcher Vorgang ist in der katholischen Kirchengeschichte der Neuzeit äußerst selten.

Das Übersee-Territorium Französisch-Polynesien im Pazifischen Ozean verfügt über eingeschränkte politische Autonomie. Die 118 Inseln in 5 Archipelen erstrecken sich über eine Fläche von der Größe ganz Westeuropas; die gesamte Landfläche ist aber nicht größer als das Saarland und zählt nur rund 280.000 Bewohner. Zwei Drittel von ihnen leben auf der Hauptinsel Tahiti.

Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bezeichnete sich Coppenrath doppeldeutig als "pecheur original" - was man einerseits mit "origineller Fischer", aber auch als "Erbsünder" übersetzen kann. Trotz unzähliger Taufen, Erstkommunion- und Firmfeiern hat er demnach Zeit seines langen Lebens auf eine regionale Spezialität verzichtet: vergorenen Fisch.

Michel-Marie-Bernard Calvet (Maristen-Pater, 75), Erzbischof von Noumea in Neukaledonien, Ozeanien 

Geboren 1944 in Autun in Burgund, arbeitet der Ordensmann der Maristen seit über 40 Jahren in Ozeanien. Sein Orden stellte bereits seit der Bistumsgründung (Apostolisches Vikariat Neukaledonien, seit 1847; Erzdiözese Noumea seit 1966) die meisten Oberhirten des französischen Überseegebietes nordöstlich von Australien.

1979 ernannte Johannes Paul II. Calvet zunächst zum Weihbischof, im Juni 1981 dann zum Erzbischof der Inselgruppe - ein Amt, das er nun schon länger als sein halbes Leben ausfüllt. Im Frühherbst 2019 erreichte Calvet die Altersgrenze von 75 Jahren, an der Bischöfe dem Papst gemäß Kirchenrecht ihren Amtsverzicht anbieten müssen. Doch bislang erreichte ihn noch keine Depesche aus dem knapp 17.000 Kilometer entfernten Rom.

Die pazifische Inselgruppe Neukaledonien votierte im November 2018 per Referendum mit 57 Prozent der Stimmen gegen eine Unabhängigkeit von Frankreich. Präsident Emmanuel Macron sagte damals, gewonnen habe der seit mehr als 20 Jahren laufende Friedensprozess auf der Inselgruppe; verloren hätten alle Versuche, Hass, Gewalt und Angst zu verbreiten. Unter den Kanaken - Bezeichnung der polynesischen Ureinwohner von Hawaii für die Bewohner Neukaledoniens - war die Zustimmung zur Unabhängigkeit besonders groß; sie stellen aber nur knapp 40 Prozent der Bevölkerung.

Paris stuft das Territorium mit dem Sonderstatus einer "Collectivite sui generis" aufgrund seiner Lage und seiner reichen Nickelvorkommen als strategisch bedeutsam ein. 60 Prozent der rund 270.000 Bewohner sind Katholiken.

David Macaire (Dominikaner, 50), Erzbischof von Fort-de-France, Martinique, Französische Antillen

Macaire, im Oktober 1969 im Pariser Vorort Nanterre geboren, war Prior des Dominikaner-Konvents im südfranzösischen Sainte-Baume und Exorzist des Bistums Frejus-Toulon, als ihn Papst Franziskus 2015 zum neuen Erzbischof von Fort-de-France auf der Karibikinsel Martinique mit knapp 400.000 Einwohnern ernannte. Unter den 115 Mitgliedern der Französischen Bischofskonferenz war der damals 45-Jährige der jüngste Diözesanbischof; er war zuvor weder Weihbischof noch Generalvikar gewesen.

Der dunkelhäutige Macaire verbrachte seine Kindheit im Übersee-Departement Martinique vor der Küste Venezuelas, wo sein Vater eine Anstellung bei der französischen Post bekommen hatte. Bibellektüre und Gebet mit den Eltern, Pfadfinderschaft und Ausbildung an einer Schule der Dominikanerinnen prägten seine Jugend. Nach dem Abitur kehrte er ins Mutterland Frankreich zurück, wo er zunächst im öffentlichen Dienst arbeitete. 1994 trat er als Novize bei den Dominikanern in Toulouse ein, die historische Wiege des Ordens.

In einem Video für die Französische Bischofskonferenz wirbt der charismatische Erzbischof für die Familie. Sein Traum sei, dass Politiker, Journalisten und Lehrer verständen, dass die Familie "in verwirrenden Zeiten" im Zentrum der Politik stehen müsse.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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