Schild in der Kathedrale in Luxemburg
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Stadtansicht von Luxemburg mit der Kathedrale Notre-Dame
Stadtansicht von Luxemburg mit der Kathedrale Notre-Dame
Erzbischof Jean-Claude Kardinal Hollerich
Erzbischof Jean-Claude Kardinal Hollerich
Aufstellung zur Echternacher Springprozession (Archiv)
Aufstellung zur Echternacher Springprozession (Archiv)

22.01.2020

Luxemburg feiert 150 Jahre eigene Diözese "Jetzt hat eine neue Zeitrechnung begonnen"

Lange aufgeteilt, seit 150 Jahren eins: Die Diözese Luxemburg feiert 2020 ihr 150-jähriges Bestehen. Zugleich steht die Kirche im Großherzogtum vor Herausforderungen. Das Jubiläum bietet dabei auch Chancen für Neues.

Ein Kardinal, ein zweiter Bischof und nun ein weiterer Grund zum Feiern: Die Diözese Luxemburg wird in diesem Jahr 150 Jahre alt - und startet dazu Ende Januar unter dem Leitwort "Zusammen Kirche sein" mit einem bunten Programm: Man begibt sich auf die Spuren der Benediktiner und kirchlicher Kunst im Land, bietet Projekte für Geflüchtete und Veranstaltungen zur Geschichte des Bistums. Auch ein Comic und eine Sonderbriefmarke sollen 2020 erscheinen.

Ein Bistum, das wie in Luxemburg einen ganzen Staat umfasst, ist eine Ausnahme. Ähnliches gibt es etwa in Liechtenstein oder Monaco. Aber auch darüber hinaus überrascht die Kirche im Nachbarland mit einigen Besonderheiten.

Ein Blick zurück

Angefangen damit, dass niemand so genau sagen kann, wie viele Katholiken im Bistum leben. Denn: Das Datenschutzgesetz verbietet es, Angaben zur Religion zu erheben. Schätzungen gehen davon aus, dass von den 600.000 Menschen in Luxemburg etwa 40 Prozent Katholiken sind. Eine zweite Eigenheit ist der hohe Anteil von Nichtluxemburgern im Großherzogtum, darunter viele aus katholisch geprägten Ländern wie Portugal oder Italien. Und obwohl Luxemburg traditionell eng mit der Kirche verflochten ist, macht sich zunehmend eine Entfremdung von Kirche und Einwohnern bemerkbar.

Doch zunächst ein Blick zurück: Der Wunsch nach einer eigenen Diözese reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, erklärt der Luxemburger Kirchenhistoriker Georges Hellinghausen. Damals gehörten die Katholiken im heutigen Staatsgebiet entweder zu den Diözesen Trier oder Lüttich.

Viele von ihnen wünschten sich in religiöser Hinsicht Eigenständigkeit - zunächst ohne Erfolg: Die Bischöfe von Trier und Lüttich waren dagegen, ebenso die luxemburgischen Äbte, fürchteten sie doch um Macht und Einfluss. Das Anliegen blieb Wunschdenken, bis sich die Karten im Zuge der Französischen Revolution neu mischten.

Napoleon einte die Luxemburger Katholiken; sie wurden erst dem Bistum Metz, später Namur zugeordnet.

Auf die politische Autonomie Luxemburgs, zunächst Grafschaft, dann Herzogtum und seit dem Wiener Kongress von 1815 Großherzogtum, folgte die kirchliche: Als Vorstufe wurde 1840 das Apostolische Vikariat errichtet, 1870 dann die Diözese Luxemburg geschaffen und 1988 zur Erzdiözese erhoben.

Sich behaupten, sprachlich wie kulturell, darauf legen die Luxemburger nun Wert, erklärt Hellinghausen. "Die geeinten Kräfte waren gerade für ein kleines Land und Bistum zum Überleben sehr wichtig", sagt der Priester. Die Liturgie findet oft auf "Letzebuergesch" statt, aber auch auf Französisch oder Deutsch. Dazu passend sollen im Jubiläumsjahr die vier Evangelien auf Luxemburgisch veröffentlicht werden.

Heute hat die Diözese zunehmend zu kämpfen

Zugleich legen Land und Bistum Wert auf ihre Position im Herzen Europas. Luxemburgs Kardinal Jean-Claude Hollerich verkörpert diese Haltung und ist als Vorsitzender der EU-Bischofskommission COMECE über die Landesgrenzen bekannt. "Wir sehen uns in der Mitte und wollen uns da auch behaupten", sagt Hellinghausen. Die Schnittstelle von zwei Kulturen und drei Ländern habe die Kirche geprägt - und stifte Identität.

Dennoch hat die Diözese zunehmend zu kämpfen. "Früher gab es ein ganzes katholisch geprägtes Koordinatensystem, Vereine, eine Volkspartei oder Medien wie das Luxemburger Wort, die explizit christlich waren", sagt Hellinghausen. Heute ist die Kirche ein Faktor von vielen. Der Einschnitt kam 2013 mit der Trennung von Kirche und Staat. "Das staatskirchliche System wurde mit einem Streich hinfällig." Zuwendungen wurden abgeschafft, ebenso der Religionsunterricht. Die Diözese muss nun für sich selbst sorgen, etwa ihre Angestellten oder Mieten für Kirchen in Besitz der Zivilgemeinden aus eigenen Mitteln bezahlen und eigene Bildungsangebote schaffen.

"Jetzt hat eine neue Zeitrechnung begonnen", sagt Hellinghausen. Und doch ist er optimistisch. "In einer Gesellschaft, die immer mehr in kleine Gruppen zerfällt, könnte Kirche Einheit stiften." Ähnlich äußert sich Bistumssprecher Roger Nilles. Nach den Turbulenzen bringe das Jubiläum Menschen zusammen, stifte Gemeinschaft und lasse Menschen Kirche neu als "lebendigen Träger des Wort Gottes" erleben.

Anna Fries
(KNA)

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