Symbolbild: Kirche im nigerianischen Maiduguri
Kirche in Nigeria

17.01.2020

Landesweit nimmt die Zahl verschleppter Geistlicher zu In Nigeria sind Priester lukrative Entführungsopfer

​Die Sorge ist in Nigeria groß: Immer häufiger lauern kriminelle Banden Priestern auf, um diese zu entführen. Manchmal bleiben sie monatelang verschwunden - ohne Lebenszeichen. Betroffen ist nicht nur der Norden des Landes.

In Kaduna, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates im Norden Nigerias, wartet Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso (60) seit einer Woche auf ein Lebenszeichen von vier jungen Männern zwischen 18 und 23 Jahren. Sie sind Schüler des Priesterseminars "Zum guten Hirten" in Kaduna. Am 8. Januar wurden sie von Bewaffneten entführt. Seitdem fehlt jede Spur. "Bis heute haben wir keine Nachricht erhalten", sagte der Erzbischof der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das gilt auch für einen Priester, der bereits im März 2019 gekidnappt worden war. "Es gibt bis heute keine Informationen über seinen Verbleib."

Vor allem in Kaduna haben im vergangenen Jahr Entführungen stark zugenommen. Als besonders gefährlich gilt die Straße in Richtung der Hauptstadt Abuja. Um das Risiko zu minimieren, steigen immer mehr Menschen auf den Zug um, in dem bewaffnete Polizisten mitfahren. Die Strecke wurde im Juli 2016 von einer chinesischen Firma fertiggestellt. Mitunter war nun der Andrang so groß, dass Hunderte Reisende keine Fahrkarten erhielten und nicht reisen konnten.

Priester immer häufiger Opfer

Betroffen sind aber auch ländliche Regionen nördlich der Provinzhauptstadt. Gefährdet sind dort Bauern wie Viehhirten, die auf ihren Feldern und Weidegründen mutmaßlichen Entführern schutzlos ausgeliefert sind. Auf dem Weg nach Zaria im Norden Kadunas wurde Anfang der Woche zudem ein Konvoi des Emirs von Potiskum, Hauptstadt des Bundesstaates Yobe, überfallen; sechs Menschen kamen ums Leben.

Dass immer häufiger Priester unter den Opfern sind, hat für Erzbischof Ndagoso zwei Ursachen: "Sie sind prominente Personen. Zudem meinen die Entführer wohl, sie seien Goldfische." Dabei zahle die Kirche prinzipiell kein Lösegeld. Es könne allerdings passieren, dass die Familien der Opfer versuchen, den Geldforderungen nachzukommen.

Zunehmend riskant sind auch Reisen im Bundesstaat Enugu im Südosten, wo mit dem Bigard-Seminar die größte Priesterausbildungsstätte Nigerias steht. "Im vergangenen Jahr haben wir fünf Entführungen oder versuchte Entführungen gezählt", sagt Callistus Valentine Onaga (61), Bischof von Enugu; "zwei endeten mit Mord". Früher sei das nicht der Fall gewesen.

Ziviligesellschaft bietet keinen Schutz mehr

Das erhöhte Risiko hängt nach Einschätzung des Bischofs mit der Arbeit der Priester zusammen. Sie seien in ländlichen Gebieten unterwegs, in denen zu bestimmten Tageszeiten viele Kriminelle zusammenkämen. "Man darf auf keinen Fall zwischen 15 und 18 Uhr unterwegs sein." Bei einer Entführung hätten die Täter dann noch genügend Zeit, ihre Opfer noch im Hellen zu verschleppen. "Sie kennen die Umgebung sehr gut. Wenn Hilfe kommt, ist es schon dunkel." Somit seien die Chancen gering, Täter wie Opfer aufzuspüren.

Bischof Onaga geht nicht davon aus, dass religiöse Motive hinter den Entführungen stecken. "Das ist Business." Sorge bereitet ihm auch, dass die Zivilgesellschaft keinen Schutz mehr bietet. "Selbst wenn man Hilferufe hört, traut man sich nicht mehr, der Person in Not zu helfen. Die Täter haben schließlich Waffen", so der Bischof - und sie setzen sie im Zweifel auch ein. "Deshalb wurde auch einer der Priester umgebracht. Vor lauter Angst liefen die Dorfbewohner weg." Typisch für die Gesellschaft in Nigeria sei das aber nicht. "Wenn jemand um Hilfe ruft, dann sucht man nach ihm."

Auch in Kaduna geht Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso nicht davon aus, dass hinter den aktuellen Entführungen etwa islamistische Extremisten stecken. "Es geht wirklich um das Erpressen von Lösegeld." Dennoch hat auch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram in den vergangenen Jahren hauptsächlich im Nordosten Tausende Menschen entführt. Von einigen fehlt bis heute jede Spur.

Katrin Gänsler
(KNA)

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

DOMRADIO hören

Laden Sie sich unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Podcast: Der Morgenimpuls von Schwester Katharina

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

WBS-Weggeleit

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 06.06.2020
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Bischofsweihe in Augsburg
  • Marathon-Pfarrer zum Lauf quer durchs Ruhrgebiet
  • Corona-Lockerungen und ihre Auswirkungen auf Menschen mit Sehschwäche
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Chormusical Bethlehem
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Chormusical Bethlehem
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…