Beisetzung während des Biafra-Krieges
Beisetzung während des Biafra-Krieges
Nicholas Omenka, Priester, emeritierter Professor für Geschichte und Archivar der Diözese Enugu
Nicholas Omenka, Priester, emeritierter Professor für Geschichte und Archivar der Diözese Enugu

15.01.2020

Vor 50 Jahren endete der Biafra-Krieg "Es war der Horror"

Vor 50 Jahren endete in Nigeria der Biafra-Krieg. Die Bilder der völlig abgemagerten Kinder mit ihren Hungerbäuchen gingen damals um die Welt. Augenzeugen können die Erinnerungen daran bis heute nicht vergessen.

Nicholas Omenka war ein junger Mann, als der Biafra-Kriegs ausbrach. Heute katholischer Priester, emeritierter Professor für Geschichte und Archivar des Bistums Enugu im Osten Nigerias, besuchte Omenka damals das Priesterseminar in der Hafenstadt Port Harcourt. Dort lebten auch seine Eltern. "Es war der Horror", fasst er seine Erinnerungen an die Kämpfe in seiner Heimat zusammen - 50 Jahre, nachdem der Krieg am 15. Januar 1970 endete.

Der Konflikt war eine Konsequenz der Kolonialpolitik. Nigeria war 1960 von Großbritannien unabhängig geworden. Fortan sollten mehr als 250 ethnische Gruppen einen Staat formen, die wenig miteinander gemeinsam hatten: die Haussa und Fulani im Norden etwa, die Yoruba im Westen oder die Igbo im Südosten. Bald schon begann der Kampf um Vormachtstellung und Zugang zu Ressourcen.

Putsch 1996

Besonders begehrt war das Öl des Nigerdeltas, das bis heute die Haupteinnahmequelle für den nigerianischen Staat bildet. Am 15. Januar 1966 putschten sich Generäle um Johnson Aguiyi-Ironsi, einen Igbo, an die Macht. Der damalige Ministerpräsident Abubakar Tafawa Balewa, der aus dem Norden stammte, kam ums Leben. Nur sechs Monate später folgten der Gegenputsch sowie Pogrome gegen die im Norden lebenden Igbo. Im Südosten kam es wiederum zu Vergeltungsschlägen gegen Haussa. Dort rief der damalige Militärgouverneur der Ostregion, Chukwuemeka Odumegwu Ojukwu, am 30. Mai 1967 den Staat Biafra aus.

Vorbereitet auf den Krieg, der nur wenig später am 6. Juli ausbrach, war das Land nicht. Tausende junge Männer mussten im Schnelldurchlauf zu Soldaten ausgebildet werden. Armeefahrzeuge wurden in Windeseile selbst gebaut. Schnell gewann die nigerianische Armee, die Unterstützung von Großbritannien und der damaligen Sowjetunion erhielt, die Oberhand. Nicholas Omenka hat noch immer die Bilder der Bombardierung des Flughafens von Port Harcourt im Kopf. "Der war anfangs die noch verbleibende Verbindung zur restlichen Welt. Doch Tag und Nacht wurden Bomben abgeworfen. Das war angsteinflößend."

Luftbrücken gegen den Hunger

Als die Hafenstadt im Mai 1968 von der nigerianischen Truppen eingenommen wurde, war der junge Staat eingeschlossen - die dort lebende Bevölkerung sollte ausgehungert werden. "Damals hieß es: Das ist eine legitime Kriegsstrategie", sagte Omenka. Kinder gehörten zu den ersten Opfern. Kirchliche Hilfswerke wie Caritas International und das Diakonische Werk beteiligten sich daraufhin an der Errichtung von Luftbrücken.

Als "Joint Church Aid" brachten sie so mit Dutzenden Organisationen Nahrungsmittel für die hungernde Zivilbevölkerung in das Land. Nach den Recherchen von Omenka gab es keine andere Möglichkeit. Verhandlungen, von Lagos aus den Landweg zu nutzen, schlugen schnell fehl.

Über die Opfer des Konflikts gibt es keine verlässlichen Zahlen. "Wir arbeiten nur mit Schätzungen. Bis heute ist die Geschichte Biafras nicht geschrieben worden." Auch 50 Jahre nach Kriegsende wird über den Bürgerkrieg, der möglicherweise bis zu drei Millionen Menschen das Leben gekostet hat, meist geschwiegen. Diese Erfahrung machte auch Michael Amalumilo. Im Schulunterricht sei der Krieg kaum Thema gewesen, berichtet der 36-Jährige, der in Enugu lebt. "Über Geschichte will man gar nicht reden."

Ruf nach der Unabhängigkeit wird wieder lauter

Die mangelnde Aufarbeitung ist möglicherweise der Grund dafür, dass 50 Jahre nach Biafra der Ruf nach der Unabhängigkeit wieder lauter wird. Bewegungen wie die Indigenous People of Biafra (IPOB) agitieren dafür. Die nigerianische Regierung stufte IPOB inzwischen als Terrororganisation ein.

Amalumilo hält sich von der Gruppe fern. "Es sind die ewig Unzufriedenen, die Biafra fordern", sagt er. Die Marginalisierung ist in Enugu und anderen Bundesstaaten ein ständiges Thema. Zahlen sprechen jedoch dagegen: Bei der Bildung, der Armutsbekämpfung oder der Geschlechtergerechtigkeit steht die Region viel besser da als etwa der verarmte Norden.

Dem Historiker und Seelsorger Nicholas Omenka ist indes eins wichtig: "Die Erinnerungen an Biafra dürfen nicht verloren gehen", sagt er. Das sei für die Zukunft Nigerias wichtig, denn: "Eine Nation, die überleben will, darf die Erinnerungen nicht verlieren."

Katrin Gänsler
(KNA)

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