Taufstelle in Al-Maghtas
Taufstelle in Al-Maghtas
Taufbecken mit gefiltertem Jordanwasser auf dem Gelände der Taufstelle in Al-Maghtas
Taufbecken mit gefiltertem Jordanwasser auf dem Gelände der Taufstelle in Al-Maghtas
Taufbecken mit gefiltertem Jordanwasser
Taufbecken mit gefiltertem Jordanwasser

10.01.2020

In Al-Maghtas gedenken Pilger der Taufe Jesu durch Johannes Archäologische Fundstätte lockt immer mehr Besucher an

Das jordanische Al-Maghtas, offiziell "Bethanien jenseits des Jordans", gilt als Taufstätte Jesu. Seit 2015 zählt der Ort bereits zum Unesco-Weltkulturerbe. Nun sollen noch mehr Touristen und Pilger angelockt werden.

Seit dem Morgengrauen stapft Abdulaziz Quftan Abdulaziz Aladwan über das Gelände der bedeutenden Taufstelle. Der stellvertretende Direktor von Al-Maghtas, wie die Stätte auf Arabisch heißt, überwacht die Arbeiten an einer Drainageleitung. "Wintervorbereitungen", sagt er mit einem Lächeln, auch wenn im Jordangraben von Winteratmosphäre noch wenig zu spüren ist. Die neuen Rohre in dem harten Boden sollen Schäden durch den erhofften Winterregen verhindern.

Seit 2015 zählt der Ort wenige Kilometer nördlich des Toten Meeres zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Besucherzahlen haben schon seit 2011 deutlich zugenommen, zuletzt kamen jährlich fast 150.000 Besucher. Geht es nach den Jordaniern, soll der Ort noch attraktiver für Besucher werden: Auf 35 Hektar soll neben Al-Maghtas ein "Dorf" mit Übernachtungsmöglichkeiten und anderen Angeboten entstehen. Der "alte Pilgerweg mit Besuchen am Berg Nebo, Madaba" und anderen Stätten soll so wiederbelebt werden. Zahlreiche neue Kirchen sind in Al-Maghtas in den vergangenen Jahren gebaut worden, die Grundstücke schenkte König Abdullah II. den Konfessionen.

Die Taufstelle Christi

Vorerst noch müssen sich Besucher mit geführten Touren begnügen - alle halbe Stunde ein Bus. So lässt eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe die neu erbaute koptische, armenische und protestantische Kirche links liegen, auch der katholische Rohbau und die russische Kirche bleiben unzugänglich hinter dem Zaun. Denn als militärisches Grenzgebiet ist das Areal nicht frei zugänglich. Nach ein paar Minuten im Minibus wird die karge Landschaft unvermittelt grün. Nach einem Stopp am Andenkenladen - "Vielleicht möchten Sie ein weißes Taufgewand kaufen?" - und einem Blitzbesuch im griechischen Minimuseum geht es auf überdachten Wegen zu Fuß weiter.

Jesus sei hier getauft worden, stellt Touristenführer Marwan im Streit um die wahre Taufstelle Christi klar. Auch die mehrsprachigen Erklärungen an den Ausgrabungen lassen dem Besucher nicht den geringsten Zweifel: "Genau an dieser Stelle östlich des Jordans gegenüber von Jericho traf Johannes der Täufer Jesus und taufte ihn."

Frühchristliche Quellen stützen die jordanische Interpretation. Auch Überreste von fünf Kirchen wurden hier gefunden, aus dem fünften bis zwölften Jahrhundert. Danach, sagt Marwan, habe ein Jordanhochwasser die Kirchen fortgespült, die Stätte wurde aufgegeben. 1996, kurz nach dem israelisch-jordanischen Friedensschluss, förderten Ausgrabungen unter anderem ein großes, kreuzförmiges Taufbecken zutage. Marmorne Treppen führten in das Becken. Es soll weltweit das einzige sein, durch das Jordanwasser floss.

Wasser für Kindertaufen gefiltert

Nicht zuletzt wegen der israelischen Wasserentnahme am See Genezareth führt der Jordan nur noch einen Bruchteil der ursprünglichen Wassermengen. Auch der Flusslauf hat sich verändert. Wer heute in den heiligen Fluss eintauchen möchte, folgt dem Guide noch eine ganze Weile bergab, an der griechischen Kirche vorbei, über eine überdachte Treppe auf eine hölzerne Plattform.

Ob ein Bad in dem trüben Gewässer gesund ist, darüber streitet man auf beiden Seiten des Jordan seit Jahren. Für Kindertaufen werde das Wasser gefiltert, sagt Marwan und zeigt auf ein mit der biblischen Taufszene verziertes Taufbecken. Am gegenüberliegenden Ufer sammelt sich eine Gruppe muslimischer Frauen um ihren Führer. Ironischerweise ist die imposante Größe von Al-Maghtas vom israelischen Westufer aus besser zu erahnen. Im Vergleich mit der dortigen Taufstelle Kasr al-Jahud wirkt das bunte Sammelsurium verschiedenster Kirchtürme und Kuppeln in Jordanien beinahe majestätisch.

Als Pilger im strengen Sinne würden sich Franca und Ernesto aus dem italienischen Brescia nicht bezeichnen. "Für uns als Christen ist der Ort aber doch wichtig, auch wenn von den antiken Kirchen nicht mehr viel übrig ist", sagt Franca. "Die Tour hat nicht enttäuscht", sagt auch Gunhild aus Süddeutschland, die sich während ihres Arabisch-Sprachurlaubs in Amman einen Tag freigenommen hat, um das Tote Meer und die Taufstelle zu besuchen. Nur spirituell sei sie nicht angekommen, so die angehende Gemeindepädagogin. Dafür ist die einstündige Tour wohl zu kurz.

Andrea Krogmann
(KNA)

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