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Klaus Prömpers
Klaus Prömpers

29.11.2019

Neuer Bischof in Klagenfurt? "Das ist sicherlich keine einfache Aufgabe"

Die österreichische Diözese Gurk-Klagenfurt ist von Krisen geschüttelt. Eineinhalb Jahre ist das Bistum nun schon ohne Bischof. Doch jetzt wurde bekannt, dass der bisherige Kärntner Caritas-Direktor Josef Marketz neuer Bischof von Klagenfurt werden könnte.

DOMRADIO.DE: Wer ist denn Josef Marketz, der jetzt der neue Bischof von Klagenfurt werden könnte?

Klaus Prömpers (Journalist): Der 64-Jährige ist ein Kärntner Slowene, der auch mit seinem ebenfalls Kärntner slowenischen Landsmann Peter Handke am selben Gymnasium gelernt hat, allerdings natürlich Jahre auseinander – Handke ist über 70. Leute, die ihn gut kennen, beschreiben ihn als leutseligen, sympathischen Pfarrer, der allerdings eine ziemliche Karriere innerhalb der Kirche gemacht hat, bis zum Bischofsvikar und seit 2014 als Chef der Kärntner Caritas, die eine relativ große ist.

Man muss im Hinterkopf haben, dass die Diözese Klagenfurt eine der größten und zugleich die reichste Diözese in Österreich ist. Das brachte ja auch die Probleme für Altbischof Schwarz, der jetzt Bischof in Sankt Pölten ist in Niederösterreich. Ein Mann, von dem viele sagen: Er wird das gut hinbekommen. Und viele freuen sich offensichtlich, dass es erst mal ein zweisprachiger Bischof ist, der sowohl slowenisch als auch österreichisches Deutsch kann und insofern auf beide Bevölkerungsgruppen gut zugehen kann. Und möglicherweise kann er die Tatsache stoppen, dass allein im Vorjahr 16,8 Prozent Kirchenaustritte in Kärnten zu verzeichnen gewesen sind.

DOMRADIO.DE: Offiziell bestätigt ist es ja noch nicht, dass Marketz neuer Bischof wird. Was macht die Medien denn so sicher, dass das stimmt?

Prömpers: Im Grunde er selber. Er gab gegenüber der "Kleinen Zeitung" in Graz und Klagenfurt zu, dass er am vergangenen Wochenende in Rom gewesen sei. Und auf Nachfrage einer anderen Boulevardzeitung deutete er an, dass die Information richtig sein könne. Auch wenn wir es bisher noch nicht wirklich amtlich haben im engeren Sinne: Hier in Wien ist zu hören, dass sowohl Kardinal Schönborn als auch Nuntius Pedro Lopez Quintana etwas verärgert sind, dass diese Nachricht so schon rausgesickert ist. Aber dennoch scheint es sich zu bewahrheiten, dass aller Voraussicht nach an Maria Lichtmess nächsten Jahres, also am 2. Februar, Josef Marketz zum neuen Bischof geweiht werden wird in Klagenfurt.

DOMRADIO.DE: Dabei würde er ein sehr zerrüttetes Bistum übernehmen. Da hat er eine schwierige Aufgabe zu übernehmen, oder?

Prömpers: Das ist sicherlich keine einfache Aufgabe. Erstens, weil es sehr viele Austritte gibt, spitzenmäßig im Sinne der Quote an Kirchenaustritten in ganz Österreich. Zweitens wegen der Unordnung in den Finanzen, die nun in Ordnung gebracht werden müssen, und drittens wegen der Zerwürfnisse zwischen den verschiedenen Beteiligten in Folge der Ablösung des ehemaligen Bischofs Schwarz. Da muss er sicher sehr vermittelnd eingreifen, aber das kann er ja wahrscheinlich auch gar nicht so schlecht, weil er sich bisher aus den ganzen Querelen relativ rausgehalten hat.

Er hat immer betont, er sei der Caritasdirektor, da habe er alle Hände voll zu tun. Und von daher wolle er weder in der einen noch in der anderen Richtung Stellung beziehen. Das heißt, er wolle weder Bischof Schwarz verurteilen oder vorverurteilen, noch wolle er sich auf den Standpunkt von Guggenberger, dem Generalvikar und damaligen Ermittlungsleiter innerhalb der Diözese stellen. Er hat sich da zurückgehalten, und manche sagen auch, er sei sicherlich ein sehr guter Pastor, aber er brauche einen starken Generalvikar, der dann die Verwaltung auch managen würde, weil da sei er, obwohl Caritas-Direktor, nicht so furchtbar gut drin.

DOMRADIO.DE: Damit ist der Streit um die Personalie Alois Schwarz, dem ehemaligen Bischof von Klagenfurt, jetzt noch nicht vom Tisch. Wie geht es denn da weiter?

Prömpers: Da gibt es noch keine sicheren Hinweise. Es gibt allerdings Gerüchte, dass er möglicherweise demnächst entweder einen starken Generalvikar oder gar einen bischöflichen Koadjutor an die Seite gestellt bekommen dürfte. Zwar hat er scheinbar ganz guten Anklang in seiner neuen Diözese Sankt Pölten gefunden – da höre ich immer wieder, dass er dort gut bei den Menschen ankommt. Das haben aber auch viele vorher in Klagenfurt schon gesagt. Das Problem ist nur: Er hat diese Vergangenheit. Und die Korruptions- und Wirtschaftsstaatsanwaltschaft ermittelt in zwei Fällen immer noch gegen ihn. Die sind noch nicht abgeschlossen. Ich nehme an, dass die römische Kurie abwartet, was dabei rauskommt im Endeffekt, ob es tatsächlich möglicherweise zu Strafverfahren in einem Fall wegen Untreue kommen würde. Erst dann, denke ich, wird sich Rom erklären, wie sie mit Bischof schwarz umgehen werden. Aber es kann durchaus sein, so sagen eingeweihte Kreise, dass da eine sozusagen Aufsichtsperson neben ihnen gestellt werden wird. Wie das genau aussieht, kann man jetzt im Moment noch nicht sagen.

Bemerkenswert scheint mir auch bei Marketz, dass er bei Paul Zulehner promoviert hat, neben vielen anderen Studienstationen, die er gehabt hat, in Rom und in Jerusalem. Er ist also ein Mann der Kirche, der sicherlich eher etwas fortschrittlich genannt werden kann. Als Caritasdirektor zeigte er sich beispielsweise 2015 sehr kritisch über die EU-Haltung in der Flüchtlingspolitik geäußert und gesagt: Es kann nicht sein, dass wir hier alle die Probleme ausbaden müssen, weil die Europäische Union sich nicht einigen kann, wie sie mit den Flüchtlingen umgeht. Wir können nicht nur in Afrika die Sache regeln, wir müssen auch hier den Menschen, die herkommen, helfen. Also ein durchaus, wie ich finde, sehr christlicher Standpunkt, den er da vertreten hat und wohl auch offensiv vertreten hat, ohne damit riesige Schlagzeilen außerhalb der Diözese zu machen.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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