US-Bischöfe
US-Bischöfe
Papst Franziskus und Kardinal Daniel Nicholas DiNardo
Papst Franziskus und Kardinal Daniel Nicholas DiNardo
Erzbischof Christophe Pierre
Erzbischof Christophe Pierre

12.11.2019

Herbstvollversammlung der US-Bischöfe in Baltimore Der Papst wird ungeduldig

Bei der Herbstvollversammlung der US-Bischöfe in Baltimore steht auch ein Wechsel im Vorsitz an. Zum Abschied erinnerte Kardinal DiNardo an Herausforderungen für die Kirche. Mahnende Worte fand auch ein anderer.

Der Botschafter des Papstes in den USA hat die US-Bischöfe zu größeren Anstrengungen zur Umsetzung von Prioritäten des Papstes aufgefordert. "Der pastorale Schub dieses Pontifikats muss das amerikanische Volk erreichen", sagte Erzbischof Christophe Pierre zum Auftakt der Herbstversammlung der US-Bischofskonferenz am Montag (Ortszeit) in Baltimore. Beobachter werten die Rede als ungewöhnlich deutlich.

"Unsere Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater kann in konkreten Aktionen ausgedrückt werden, die wir unternehmen können, um seine Lehrautorität besser unter den Menschen bekanntzumachen", erklärte der Nuntius. Ausdrücklich verwies Pierre auf die Umwelt-Enzyklika "Laudato si" von 2015. Einige Positionen des Papstes bräuchten "größere Anstrengungen auf unserer Seite, um die Herzen der politischen und zivilen Führer zu erreichen", so der Erzbischof.

Pierre sprach auch die apostolischen Schreiben "Amoris Laetitia" zur Familie und "Evangelii Gaudium" zur Evangelisierung als zwei weitere Bereiche an, die größeres Engagement verdienten. Ausdrücklich forderte der päpstliche Gesandte in den USA die Bischofskonferenz dazu auf, Migranten willkommen zu heißen und Rassismus zu bekämpfen.

Kardinal Blase Cupich, der als enger Verbündeter des Papstes in der US-Kirche gilt, sagte, Pierre habe daran erinnert, "was die Kirche über die wichtige Rolle unserer Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater lehrt".

Kardinal DiNardo gibt Vorsitz ab

Der scheidende Vorsitzende der Konferenz, Kardinal Daniel DiNardo, rückte in seiner Abschiedsrede "den fortgesetzten Kampf zur Verteidigung ungeborener Kinder" in den Fokus. DiNardo erwähnte auch die Missbrauchskrise, die ihn persönlich stark herausgefordert habe.

Die Begegnungen mit den Opfern hätten sein Leben "für immer verändert". Ihr Zeugnis habe der Kirche "das Wissen gegeben, das wir brauchen, um etwas zu verändern". Dazu gehöre ein Abrücken vom herrschenden Klerikalismus; Kirchenführer müssten Diener sein, so DiNardo.

Auf Rückfragen aus dem Plenum versicherte der Kardinal von Boston, Sean O'Malley, der Vatikan werde bald den angekündigten Untersuchungsbericht zu dem wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Priesteramt und Kardinalstand entfernten Theodore McCarrick vorlegen. Der Bericht könnte vor Weihnachten, spätestens aber im neuen Jahr fertig sein.

Am ersten Tag des Herbsttreffens beschlossen die US-Bischöfe einen leichten Anstieg des Budgets für das kommende Jahr um drei Prozent auf 22,69 Millionen US-Dollar. Außerdem hörten sie die Berichte der zuständigen Ausschussvorsitzenden zu den Themen Priestermangel, Waffengewalt, Seelsorge für junge Menschen und Frauen mit ungeplanten Schwangerschaften.

Auf der bis Mittwoch dauernden Vollversammlung der US-Bischöfe stehen auch wichtige personelle Weichenstellungen an. Allgemein erwartet wird die Wahl des bisherigen Stellvertreters DiNardos, Erzbischof Jose H. Gomez aus Los Angeles, zum Nachfolger an die Spitze des Gremiums. Der gebürtige Mexikaner wäre der erste Latino an der Spitze der US-Bischöfe.

Thomas Spang
(KNA)

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