Krise in Venezuela
Krise in Venezuela

30.10.2019

Venezuela-Sondergesandter zur Situation der Flüchtlinge "Das Risiko von Fremdenfeindlichkeit ist fast überall präsent"

Auf einer Solidaritätskonferenz in Brüssel wurde sich um Lösungsansätze für die venezolanische Flüchtlingskrise bemüht. Wie ist die Rolle der EU in der Venezuela-Krise?

Der gemeinsame Sonderbeauftragte für Flüchtlinge und Migranten aus Venezuela des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Eduardo Stein (74), spricht im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) über die Rolle der EU in der Krise und über wachsende Fremdenfeindlichkeit in lateinamerikanischen Aufnahmestaaten.

KNA: Herr Stein, wie ist die aktuelle Lage der venezolanischen Flüchtlinge in Lateinamerika?

Stein: In den meisten Fällen sind die grundlegenden Bedürfnisse der geflüchteten Menschen angemessen gedeckt. Die meisten Geflüchteten treffen dort auf verschiedene Organisationen, die Nahrung, Unterkünfte, medizinische Versorgung und grundlegende Bildung für die Kinder bereitstellen. Diejenigen jedoch, die auf illegalem Weg eine Grenze überqueren, laufen Gefahr, Opfer von Missbrauch durch organisierte Banden zu werden.

KNA: Bei der Solidaritätskonferenz in Brüssel ging es unter anderem um die Länder, die 85 Prozent der 4,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen haben. Wie ist die Situation in diesen aufnehmenden Ländern?

Stein: Die Menschen, die zu Beginn der Krise vor etwas weniger als drei Jahren aus Venezuela flohen, erhielten von der Bevölkerung in den umliegenden Staaten viel Solidarität und Offenheit. Regierungen haben sich selbst organisiert und sogar Gesetze für die Flüchtlinge angepasst. Als aber immer mehr Menschen kamen, erschöpfte sich das Geld für Gesundheit, Bildung, Arbeitsmarkt sowie institutionelle Kapazitäten. In den vergangenen Monaten haben sich die Dinge dramatisch verändert. Es zeigen sich immer mehr Ressentiments gegenüber den venezolanischen Flüchtlingen. Zuvor gab es so etwas punktuell. Das Risiko von Fremdenfeindlichkeit ist fast überall präsent.

KNA: Die Krise in Venezuela ist sehr komplex. Was wird derzeit am meisten an Unterstützung gebraucht?

Stein: Bisher konnten die dringlichsten Bedürfnisse der geflüchteten Menschen kurzfristig gedeckt werden. Es ist wichtig, dass die internationale Gemeinschaft die Nachbarregionen unterstützt, damit keine Konkurrenzsituation zwischen den Flüchtlingen und der lokalen Bevölkerung entsteht und es zu Spannungen dort kommt. Dafür ist es wichtig, dass es Arbeit und soziale Dienstleistungen sowohl für Einheimische als auch für Flüchtlinge gibt.

KNA: Welche Rolle kann die EU bei der Lösung der Krise übernehmen?

Stein: Ich komme aus Guatemala. Es ist Teil einer zentralamerikanischen Region kleiner Länder, die von der Unterstützung der EU in den 1980er Jahren profitiert haben. Die EU hat sich damals für eine friedliche Lösung der bewaffneten Konflikte eingesetzt. Die Erfahrungen mit der friedlichen Lösung von Konflikten, die die EU-Mitgliedstaaten innerhalb und außerhalb der Union gesammelt haben, stellt einen enormen politischen Reichtum dar. Eine friedliche Lösung der Krise in Venezuela würde zur Stabilität der Region beitragen.

KNA: Wie bewerten sie die Ergebnisse der Solidaritätskonferenz?

Stein: Es war eine erfolgreiche Konferenz. Allein dass so viele verschiedene Akteure wie Staaten, humanitäre und zivile Organisationen anwesend waren. Der Austausch war bereichernd, und es wurde hervorgehoben, wie notwendig es ist zusammenzuarbeiten. Die Konferenz war der Beginn eines Prozesses und permanenten Dialogs, wie die Ressourcen und internationalen Hilfen in der Region besser eingesetzt werden können. Letztlich sind sogar 120 Millionen Euro zusätzlich gesammelt worden, obwohl es keine Geberkonferenz war.

KNA: Sie gehen davon aus, dass die Zahl der geflüchteten Venezolaner von aktuell 4,5 Millionen im nächsten Jahr auf 6,5 Millionen ansteigen wird. Hat die internationale Gemeinschaft noch eine Chance, ein solches Szenario aufzuhalten?

Stein: Da die Akteure nicht in die Entscheidungen der Regierung von Nicolas Maduro eingreifen, ist das schwer zu beantworten. Wir schließen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass der Flüchtlingsstrom anhält. Einige venezolanische Organisationen sehen die Zahl von 6,5 Millionen Flüchtlingen als sehr konservative Prognose. Wir hoffen auf jeden Fall, dass im kommenden Jahr eine Lösung gefunden wird.

Lisa Konstantindis
(KNA)

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