11.09.2019

Caritas-Ausstellung "Keys of Hope" Wo ist Heimat?

Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht. Sie lassen auf der Suche nach Sicherheit fast alles zurück. Unter den Dingen, die sie mitnehmen, ist oft ein Schlüssel – und an ihm hängen ganze Lebensgeschichten.

Unter den wenigen Habseligkeiten, die Yusuf bei seiner Flucht aus Syrien mitnahm, war sein Haustürschlüssel: Ein großformatiges Bild zeigt seine Handfläche, in der zwei dunkle, abgenutzte Schlüssel liegen; an ihnen baumelt ein einfacher roter Anhänger. Für den 33-Jährigen eine Erinnerung an sein altes Leben in Homs: "Ich habe in diesem Haus geheiratet und meine beiden Kinder sind dort zur Welt gekommen", erzählt er in einem Video. "Mein ganzes Leben ist damit verbunden, die guten und die schlechten Tage."

Yusuf ist einer der Protagonisten der multimedialen Ausstellung "Keys of Hope", die derzeit (9. bis 25. September 2019) beim Diözesancaritasverband im Erzbistum Köln zu sehen ist: Sie zeigt Porträts von Flüchtlingen und erzählt ihre Geschichten; der Haustürschlüssel in der Handfläche ist dabei das zentrale Motiv.

Jeder Schlüssel hat eine Geschichte

Die Idee stammt von dem britischen Fotografen Bradley Secker - Caritas International griff sie im Herbst 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise in Europa auf. Und entwickelte zusammen mit der Werbeagentur BBDO die multimediale Ausstellung.

"Der Schlüsselbund ist etwas, was wir alle kennen", erklärt Michael Brücker, Pressesprecher bei Caritas International. "Damit gehen wir morgens aus dem Haus, wir tragen ihn bei uns und öffnen abends damit wieder die Tür zu unserem Zuhause. Auch viele Syrer haben auf ihrer Flucht ihren Haustürschlüssel mitgenommen, allerdings können sie ihn nicht mehr benutzen, weil es das Zuhause oftmals nicht mehr gibt."

Der Mensch hinter der Statisiken

In einem Durchgangslager in Serbien und in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg entstanden die Porträts und Geschichten: Ein Schlüssel als Symbol für die Hoffnung vieler Flüchtlinge, eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können - oder eine neue Heimat zu finden. Dafür steht der doppeldeutige deutsche Untertitel der Ausstellung: "Hoffen auf Heimat".

Seit über drei Jahren ist die Wanderausstellung bereits in ganz Deutschland unterwegs - der Direktor des Diözesancaritasverbandes im Erzbistum Köln, Frank Johannes Hensel, freut sich, dass sie nun auch in seinem Haus Station macht: Hinter Zahlen und Statistiken steckten immer individuelle Schicksale, sagt Hensel. Dies versuche die Ausstellung zu verdeutlichen. "Das sind nicht DIE Flüchtlinge, sondern das ist immer ein Mensch, der etwas sucht, der etwas vermisst, der auf etwas hofft", erklärt er. "Man hat die eigenen vier Wände verlassen, mit denen viel verbunden ist: Das Familienleben, Erinnerungen, das ist das Vermissen von Gerüchen, Geräuschen, von vertrauten Ausblicken aus dem Fenster: Alles lässt man zurück."

Syrien als sicheres Herkunftsland?

In Zeiten, wo darüber diskutiert wird, ob nicht Teile Syriens wieder als sicher eingestuft werden können und Politiker prüfen wollen, ob man Flüchtlinge dorthin zurückschicken könnte, solle von der Ausstellung vor allem ein Signal ausgehen, so Michael Brücker von Caritas International: "In der Realität hat sich die Situation vor Ort überhaupt noch nicht verbessert." In Syrien unterstützt Caritas International gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen Gewaltopfer und leistet akute Nothilfe. In Jordanien und dem Libanon hat die Caritas zudem Anlaufstellen für Flüchtlinge eingerichtet. "Zehn Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen", sagt er. "Wir sind weit entfernt davon, dass Menschen nach Syrien zurückkehren können."

Und Frank Johannes Hensel von der Caritas im Erzbistum Köln wünscht sich, dass die Ausstellung Verständnis schafft: "Dafür, dass jemand zurück will und nicht kann, hier keine Heimat erkennen kann und trotzdem bleibt und darin auch ganz zerrissen ist". Auch hier in Deutschland gebe es diese Zerrissenheit, fügt er hinzu. "Das sind Menschen zwischen Hilfsbereitschaft und Überforderung, die sich fragen: Wie lange geht das noch und wie viele kommen noch? Da kommt sehr viel zusammen, das ist sehr emotional auf allen Seiten und das wollen wir zeigen."

Die multimediale Ausstellung ist noch bis zum 25. September 2019 beim Diözesan-Caritasverband in Köln zu sehen oder Online unter www.keys-of-hope.org.

Ina Rottscheidt
(DR)

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