Prälat Klaus Krämer
Prälat Klaus Krämer
Hans Zollner, Präsident des Zentrums für Kinderschutz (CCP)
Hans Zollner, Präsident des Zentrums für Kinderschutz (CCP)

06.09.2019

Dirk Bingener neuer Präsident von Sternsingern und missio Aachen "Ich bin ein positiv denkender Mensch"

Früher ist er selber von Tür zu Tür gelaufen, um als Sternsinger Spenden für benachteiligte Kinder zu sammeln. Nun leitet er das Kindermissionswerk sowie missio Aachen. Im Interview spricht Dirk Bingener über seine neue Aufgabe.

DOMRADIO.DE: Können Sie sich selbst noch an Ihre eigene Zeit als Sternsinger erinnern? Welcher König waren Sie da immer?

Pfarrer Dirk Bingener (Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und von missio Aachen): Ich glaube, ich war in wechselnden Rollen König. Ich kann mich aber sehr gut daran erinnern, dass ich damals nach der Erstkommunion in der Ministrantenarbeit war und dann auch Sternsinger geworden bin. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an nasse Füße. Ich komme ja aus dem Siegerland und da liegt dann auch schon mal Schnee zu der Zeit. Ich erinnere mich auch an die Süßigkeiten. Ich erinnere mich aber auch daran, dass wir wussten, für welche Projekte wir sammeln. Und ich erinnere mich daran, dass wir mit einer gewissen Neugierde an die Haustüren in der Nachbarschaft gegangen sind und geschaut haben, wer dort eigentlich wohnt und wie wir dort empfangen werden.

DOMRADIO.DE: Wie sind Sie denn jetzt an diesen neuen Job gekommen?

Bingener: Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist ja mit ein Träger der Sternsingeraktion. Dadurch, dass ich beim BDKJ Bundespräses war, bin ich inhaltlich schon in den Themen drin gewesen. Vielleicht war das auch noch ein ausschlaggebender Punkt. Auf der einen Seite bin ich jetzt Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger", auf der anderen Seite aber auch Präsident für missio. Ich war selber auch sehr stark in der Pastoral tätig. Vielleicht sind das Punkte, die den Ausschlag gegeben haben.

DOMRADIO.DE: Sie sind künftig also Chef von gleich zwei Hilfswerken. Haben Sie nicht ein bisschen Sorge, dass das vielleicht zu viel werden könnte?

Bingener: Ich bin ein positiv denkender Mensch und freue mich natürlich auf die Herausforderungen, die auf mich zukommen. Ich weiß aber, dass es eine ganze Reihe von tollen Mitarbeitenden in beiden Häusern gibt. Ich weiß, dass Prälat Klaus Krämer (Amtsvorgänger von Dirk Bingener bei den Sternsingern und missio, Anm. d. Red.) und das ganze Team die beiden Hilfswerke gut aufgestellt haben. Deswegen bin ich zuversichtlich. Ich habe aber auch Respekt vor den beiden neuen Aufgaben. Aber mit Zuversicht und gemeinsam im Team wird das wohl gehen.

DOMRADIO.DE: Ihr Vorgänger Prälat Klaus Krämer scheidet turnusgemäß nach zwei Amtsperioden aus. Was haben Sie sich jetzt als neuer Chef der Sternsinger vorgenommen? Welche eigenen Impulse möchten Sie gerne setzen?

Bingener: Ich bin ja jetzt erst wenige Tage in den Häusern unterwegs. Deswegen würde ich mir vorbehalten, erst einmal zu schauen und zu sehen, welche Schwerpunkte hier gesetzt werden. Sicherlich geht es darum, immer wieder die Aktion Dreikönigssingen so zu gestalten, dass wir weiterhin gut miteinander unterwegs sind. Ich bin ein sehr praktischer Mensch, weil ich aus der Pfarreiarbeit oder aus der Jugendverbandsarbeit komme. Es gilt zu schauen, was beispielsweise Ehrenamtliche, Kinder und Jugendliche sowie Pfarreien brauchen, damit sie die Aktion gut durchführen können. Das wird ein Schwerpunkt sein. Weiterhin gilt es sehr praktisch zu schauen, wie wir dieses großartige Engagement unterstützen können. Das ist der Blick auf die Regelarbeitszeit.

Und dann möchte ich natürlich wissen, worüber ich rede. Deswegen werde ich mir zunächst einmal auch die vielen guten Projekte anschauen und konkret unsere Partnerinnen und Partner vor Ort besuchen. Ich schaue mir jetzt erst einmal alles an.

Ein Thema möchte ich aber nennen, was mir auch Prälat Krämer nochmal ans Herz gelegt hat, nämlich das Thema des Kinderschutzes. Hier arbeiten wir ja mit Pater Zollner (Leiter des päpstlichen Kinderschutzzentrums, Anm. d. Red.) in Rom zusammen. Auch ihn werde ich jetzt relativ zeitnah besuchen. Und hier werden wir als Kindermissionswerk natürlich unsere Arbeit ausbauen beziehungsweise Pater Zollner nach Kräften unterstützen.

DOMRADIO.DE: So oder so haben Sie aber damit zu tun, dass der Kirche die Mitglieder verloren gehen. Das wirkt sich über kurz oder lang auch auf die Jugendarbeit und damit auch auf den Zulauf von Kindern und Jugendlichen zur katholischen Kirche und letztlich auch zu den Sternsingern aus. Haben Sie eine Vorstellung, wie die Kirche sich ändern müsste, damit die Menschen wieder zurück zu ihr finden?

Bingener: Ich habe zum Beispiel beim BDKJ eine gegenteilige Erfahrung gemacht, wenn man an die 72-Stunden-Aktion denkt. In dem Moment, wo man Menschen mitnimmt, wo man Kinder und Jugendliche fragt, was ihnen wichtig ist, wo man Begegnung ermöglicht, was ja in der weltkirchlichen Arbeit auch eine wichtige Rolle spielen wird, wenn Menschen realisieren, dass ihr Engagement etwas bewirkt, dann merkt man, dass man durchaus viele Leute mitnehmen kann. Und das würde ich auch für die Aktion von missio und auch für das Kindermissionswerk weiter in Anspruch nehmen.

Ich glaube, wenn man Menschen mitnimmt, wenn sie Selbstwirksamkeit spüren, wenn sie merken, dass es Lösungen gegen nationale politische Vereinzelungen gibt, indem man gemeinsam für das globale Gemeinwohl einsteht, dass es Aktionen gibt, wo man gegen etwas angehen kann, sich engagieren kann und die Welt verändern kann, dann ist es sinnvoll, sich bei den Sternsingern oder bei missio zu engagieren.

Das deutlich zu machen, wäre mir ganz wichtig. Dann glaube ich und bin ganz zuversichtlich, dass die Leute auch wieder zur Kirche und zu den Hilfswerken finden.

DOMRADIO.DE: Worauf freuen Sie sich jetzt in den kommenden Monaten am meisten?

Bingener: Ich freue mich wirklich darauf, auch die weltkirchlichen Partner kennenzulernen. Ich war schon mal in Kenia bei den Freiwilligendienstleistenden und habe da Partner kennengelernt.

Ich freue mich einfach darauf, viel dazuzulernen, weil ich natürlich auch durch einen Lernprozess gehen muss. Ich war bisher in der Jugendpastoral und nehme aus der Zeit natürlich einiges von mit. Aber weltkirchlich öffnen sich da natürlich nochmal Horizonte.

Ich freue mich weiterzukommen, zu lernen. Und besonders freue ich mich natürlich auf die Kolleginnen und Kollegen in den beiden Häusern, die mir den Anfang wirklich einfach machen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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