In sich versunken: Der ehemalige Kardinal Theodore McCarrick
In sich versunken: Der ehemalige Kardinal Theodore McCarrick

28.05.2019

Ex-Kardinal McCarrick ignorierte offenbar Sanktionen Kein zurückgezogenes Leben?

Im Skandal um den früheren Kardinal Theodore McCarrick sind neue Einzelheiten bekanntgeworden. Demnach soll er sich nicht an die vom Vatikan ausgesprochenen Sanktionen gehalten haben, ein zurückgezogenes Leben zu führen.

Die US-amerikanische Online-Zeitschrift "Crux" zitierte am Dienstag aus angeblich von McCarrick stammenden Schreiben, nach denen der damals 78-Jährige vom Vatikan im Oktober 2008 wegen moralischer Vorwürfe zu einem zurückgezogenen Leben und dem Verzicht auf öffentliche Auftritte angehalten wurde, diese Maßregeln aber nicht befolgte.

"Bereit, den Willen des heiligen Vaters zu akzeptieren"

Demnach bestritt McCarrick, seit 2006 emeritierter Erzbischof von Washington, jedwede sexuellen Kontakte zu Seminaristen oder anderen Personen und nahm spätestens ab dem Frühjahr 2009 eine rege Reisetätigkeit als Kirchenvertreter wieder auf, auch mit Veranstaltungen im Vatikan.

Unter anderem rühmte sich McCarrick in Schreiben an Papst Franziskus seiner Kontaktanbahnung für den Heiligen Stuhl in arabischen Ländern und China. Zugänglich gemacht wurden die Dokumente laut "Crux" von einem ehemaligen Sekretär McCarricks, Anthony Figueiredo.

"Crux" verweist auf einen Brief McCarricks von August 2008, adressiert an den italienischen Erzbischof Pietro Sambi, in dem er sich auf die Sanktionen beziehe. Im diesem Brief schreibe McCarrick, er sei "bereit den Willen des heiligen Vaters zu akzeptieren". Er habe geplante Auftritte abgesagt und überlege, in ein Kloster zu ziehen.

Aus dem Kardinalskollegium entlassen

McCarrick war von Papst Franziskus im Juli 2018 aus dem Kardinalskollegium entlassen worden, nachdem das Erzbistum New York Vorwürfe sexuellen Missbrauchs Minderjähriger als "glaubwürdig und substanziell" eingestuft hatte. Im Februar gab der Vatikan die Entlassung McCarricks aus dem Klerikerstand bekannt, die höchste Strafe für katholische Geistliche.

Der Fall löste eine innerkatholische Debatte darüber aus, inwieweit die Kirchenleitung über angebliche sexuelle Kontakte McCarricks zu volljährigen Priesterseminaristen informiert war und welche Konsequenzen Franziskus und seine beiden Vorgängerpäpste daraus zogen.

Auch der Rücktritt von McCarricks Nachfolger als Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, im Oktober 2018 war von dem Skandal überschattet. Wuerl erklärte, von Missbrauchsvorwürfen gegen McCarrick nichts gewusst zu haben.

Papst: Habe von Vergehen McCarricks nichts gewusst

Der Papst hat unterdessen sein Vorgehen im Skandal um den früheren US-Kardinal Theodore McCarrick in einem am Dienstag veröffentlichten Interview verteidigt. Angesprochen auf Vorwürfe, er habe seit Jahren von sexuellen Übergriffen McCarricks gewusst, ohne gegen diesen vorgegangen zu sein, sagte Franziskus dem mexikanischen Sender Televisa: "Ich wusste gar nichts von McCarrick, offensichtlich nichts, nichts", beteuerte das Kirchenoberhaupt. "Sonst hätte ich doch nicht geschwiegen."

McCarrick war von Papst Franziskus im Juli 2018 aus dem Kardinalskollegium entlassen worden, nachdem das Erzbistum New York Vorwürfe sexuellen Missbrauchs Minderjähriger als "glaubwürdig und substanziell" eingestuft hatte. Im Februar gab der Vatikan die Entlassung McCarricks aus dem Klerikerstand bekannt, die höchste Strafe für katholische Geistliche.

Der Fall löste eine innerkatholische Debatte darüber aus, inwieweit die Kirchenleitung über angebliche sexuelle Kontakte McCarricks zu volljährigen Priesterseminaristen informiert war und welche Konsequenzen Franziskus und seine beiden Vorgängerpäpste daraus zogen.

(KNA, DR)

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